In der Kolonie sind zehn deutsche und ein englisches Handelshaus tätig, welche den Außenhandel der Kolo-nie abwickeln. Das Deutsche Kolonial-Lexikon schreibt dazu:
»A u ß e n h a n d e l. Er liegt ausschließlich in den Händen europäischer Handelshäuser. Diese haben in Lome, Anecho, Palime und Atakpame größere Fakt-oreien, meist unter Leitung von europäischen Ange-stellten, seltener unter Leitung intelligenter Farbiger. Diese Faktoreien unterhalten größere Lager europäi-scher Waren, in welchen die Eingeborenen ihren Be-darf decken. Hier wird meist auch der Aufkauf von Landeserzeugnissen bewirkt, welche nach Europa ver-schifft werden. Außer den in den oben genannten Orten vorhandenen größeren Faktoreien unterhalten die Han-delshäuser, besonders an größeren Orten und Märkten, zahlreiche kleinere Nebenfaktoreien und Läden, welche meist unter Leitung von Farbigen stehen. Zum Einkauf von Landeserzeugnissen halten sich die Handelshäuser zahlreiche farbige Einkäufer. Der Einkauf europäischer Waren in den Faktoreien und Läden durch die Konsu-menten und der Ankauf von Landeserzeugnissen durch die Aufkäufer von den Produzenten erfolgt meist gegen Barzahlung. Die europäischen Handelshäuser bedienen sich zu ihren Umsätzen ferner noch zahlreicher farbiger Händler, welche aus den Faktoreien Waren vielfach auf Vorschuß erhalten und Zahlung nach Absatz teils in Geld, teils in Landeserzeugnissen leisten.
Haupteinfuhrartikel für die Eingeborenenbevölkerung sind: Reis, Mehl, Backwaren, Zuckerwaren, Tabak, Branntwein, Salz, Petroleum, Seife, Zündhölzer, Glas-perlen, Baumwollgarne und -gewebe, Ton- und Porzel-lanwaren, Bleistangen, Buschmesser und andere land-wirtschaftliche Geräte, Steinschloßgewehre und Han-delspulver. Dazu treten die von den Europäern benö-tigten Nahrungs- und Genußmittel, Getränke und Klei-dungsstücke, ferner: Maschinen und Material für Ver-kehrs- und industrielle Anlagen, sowie für Bauzwecke.«
»B i n n e n h a n d e l. Er liegt ausschließlich in den Händen der Farbigen und erstreckt sich sowohl auf Erzeugnisse der Landwirtschaft wie Mais, Yams, Mani-ok, Palmfrüchte, Pfeffer, Erdnüsse, Bohnen, Ochro, Schafe, Ziegen, Geflügel, fertig zubereitete Speisen, kurzum auf Viktualien aller Art, als auch auf Erzeug-nisse der einheimischen Industrie, wie Hacken, Hak-kenstiele, einheimische Zeuge und Garne, Matten, Töp-fereien, Schnitzwerk und anderes mehr. Dieser Handel wickelt sich auf äußerst zahlreichen, im ganzen Schutz-gebiet zerstreut liegenden Märkten ab, und zwar in der Hauptsache gegen Barzahlung. Von großer Bedeutung bei diesem Binnenhandel ist der Handel mit afrika-nischem Salz, welches in den Lagunen von Adda und Kitta im englischen Goldküstengebiet gewonnen wird. Ferner der Handel mit getrockneten und geräucherten Fischen. Erstere stammen hauptsächlich aus Kitta im englischen Goldküstengebiet, letztere aus dem Lagu-nengebiet von [der französischen Kolonie] Dahomé. Ein Teil der Fische wird auch im Schutzgebiet selbst sowohl an der Küste als auch in den Lagunen gefangen und für den Handel zubereitet. — Dem Binnenhandel zuzuteilen ist auch der sogenannte Sudanhandel. Er ist für das Schutzgebiet in der Hauptsache Durchgangshandel und beruht auf dem Austausch von Kolanüssen, welche hauptsächlich in Akim und Asante hervorgebracht wer-den, gegen Groß- und Kleinvieh, Schibutter, Bittersalz, einheimische Gewebe und Geflechte des Sudans. Der Sudanhandel wird ausschließlich durch Eingeborene, meist Mohammedaner, vermittelt, welche sowohl ein-zeln als auch in Karawanen häufig mit Lasttieren reisen. Tschokossi-, Dagomba- und Tschaudjoleute sind hieran häufig als Zwischenhändler beteiligt. Der Sudanhandel durchquert das Schutzgebiet von Nordost nach Südwest und umgekehrt. Die Zentren, in welchen sich der Auf-kauf von Kola und demnach auch die Hauptumsätze an Sudanhandelswaren abspielen, liegen in der englischen Goldküstenkolonie, dem Hauptproduktionsgebiet der Kolanüsse; sie wechseln zuweilen je nach den Maßnah-men der englischen Verwaltung. Ein wichtiges solches Zentrum ist Salaga. Die wichtigsten Durchgangsplätze in Togo für den Sudanhandel sind Bassari, Sansane-Man-gu, Jendi und Sokode.«
Dr. Külz schreibt 1902 über Handwerk und Gewerbe der Einheimischen: »Der Neger stellt sich beim Erlernen eines Handwerkes im Ganzen nicht ungeschickt an, und in den Arbeitsstätten der Regierung, der Firmen und der Missionen finden sehr geschickte Zimmerleute (hier mit Vorliebe „Carpenter“ genannt), Schmiede, Boots-leute et cetera. Aber sie bedürfen dauernd der Aufsicht und des Ansporns durch den Europäer. Selbst mehrere schwarze Photographen, die gute Arbeit liefern, haben wir in Kleinpopo; einer von ihnen betreibt nebenbei die Reparatur von Uhren! Großer Beliebtheit erfreut sich das Schneiderhandwerk, das teilweise sogar unter Be-nutzung der Nähmaschine ausgeübt wird.«
Das Kolonial-Lexikon über: »I n d u s t r i e l l e U n t e r n e h m u n g e n: Das Gouvernement läßt durch die Deutsche Kolonial-Eisenbahnbau- und Betriebsgesell-schaft die fiskalische Landungsbrücke in Lome sowie die fiskalischen Eisenbahnen Lome-Anecho, Lome-Pali-me und Lome-Atakpame und die fiskalischen Eisen-bahnwerkstätten betreiben. Außerdem unterhält das Gouvernement in Lome einen größeren Werkstätten-betrieb, in dem Zimmer-, Tischler-, Schlosser-, Schmie-de- und Schneiderarbeiten ausgeführt werden. Baum-wollentkernereien halten in Betrieb das Gouvernement 2, die Deutsche Togo-Gesellschaft 5, die Togobaumwoll-gesellschaft m. b. H. 2, die Pflanzungsgesellschaft Kpeme 1. Aufbereitungsanlagen für Ölpalmprodukte betreiben die Agupflanzungsgesellschaft, die Deutsch-westafrikanische Handelsgesellschaft und das Togo-Palmölwerk G. m. b. H. je eine. Die Pflanzungsge-sellschaft Kpeme betreibt auch eine Aufbereitungs-anlage für Sisalhanf. Das Gouvernement baut ein Kalklager bei Tokpli ab und hat dort einen Kalkofen in Betrieb. Die katholische Mission unterhält in Lome 1 größere Werkstätte mit Tischlerei, Schmiede, Schlos-serei, Schneiderei, Druckerei und Buchbinderei. Ferner sind im Schutzgebiet im Betriebe 1 Seifenfabrik, 1 Hotel-unternehmen mit Bäckereibetrieb, 1 Baugeschäft, 1 Tischler- und Wagenbauwerkstätte.«