Das Deutsche Kolonial-Lexikon schreibt zu den Eisen-bahnen in Südwest:
»Die Gefährdung der Verbindung des Innern mit der Küste infolge des Ausbruchs der Rinderpest im Jahre 1897 gab den Anstoß zur Schaffung der ersten Eisenbahn im Schutzgebiet. Der Bau dieser Schmalspurbahn von 60 cm Spurweite begann in Swakopmund im September 1897. Sie erreichte Windhuk im Juni 1902. — Die Gründung der Otavi-Minen- und Eisenbahngesellschaft hatte die Entstehung einer zweiten Schmalspurbahn, der zwischen Swakopmund und Tsumeb mit einer Abzweigung von Otavi nach Grootfontein und von Onguati nach Karibib zur Folge. Der Bau wurde 1903 begonnen und 1906 vollendet. Diese Privatbahn ging im Juli 1910 durch Kaufvertrag in das Eigentum des Schutz-gebietes über. — Die erheblichen Schwierigkeiten, welche die Verpflegung der gegen die Hottentotten im Süden des Schutzgebietes kämpfenden Truppen verur-sachte, führten dazu, daß im Jahre 1905 die Durchque-rung der Wüste zwischen Lüderitzbucht und Aus mittels einer Eisenbahn beschlossen wurde. Die Bahn wurde einschließlich ihrer Verlängerung bis Keetmans-hoop bis zum Jahre 1908 fertiggestellt. Sie ist in Kapspur (1,067 m) angelegt. Von der Station Seeheim wurde eine Zweigbahn nach Kalkfontein angegliedert. Auch für die Errichtung dieser Zweiglinie waren militärische Ge-sichtspunkte ausschlaggebend. Die letzten Jahre haben eine Verbindung der Staatsbahnen Swakopmund—Windhuk und Lüderitzbucht—Keetmanshoop gebracht. Diese in nordsüdlicher Richtung verlaufende Bahn hat ebenso wie die Südbahn Kapspur. Die Schmalspur-strecke Karibib—Windhuk wurde in Kapspur umge-baut. Das früher vernachlässigte Eisenbahnsystem des Schutzgebietes hat hiernach in den letzten Jahren einen unerwarteten Ausbau erfahren, der zu einem Stillstand noch nicht gekommen ist. Im Etat für 1914 ist für den Bau der vor allem für die Arbeiterbeschaffung be-stimmten Ambolandbahn die erste Rate angefordert worden. Zur ständigen Vertretung der Bevölkerung in Eisenbahnverkehrsfragen wurde durch Verfügung des Gouverneurs vom 28. Mai 1912 der Eisenbahnrat ins Leben gerufen; er setzt sich aus sechs vom Landesrat gewählten Vertretern der Berufsstände, aus einem Ver-treter der Schutztruppe und aus dem Eisenbahnreferen-ten des Gouvernements zusammen.«
Das Eisenbahnnetz von Südwestafrika sieht folgende Strecken 1913 fertiggestellt:
Staatsbahn Swakopmund—Windhuk …………. 382 km
Otavibahn Swakopmund—Tsumeb ……………. 570 km
Zweigbahn Otavi—Grootfontein ………………… 90 km
Südbahn Lüderitzbucht—Keetmanshoop …..… 365 km
Zweigbahn Seeheim—Kalkfontein …………….. 180 km
Nordsüdbahn Windhuk—Keetmanshoop ……. 506 km
Am Ende des Jahres 1913 hat das Land ein Eisenbahn-system von 2104 km Länge.
Dazu kommt noch die Pomona-Grubenbahn, eine rund 100 Kilometer lange Schmalspurbahn von Kolmans-kuppe nach Bogenfels zur Erschließung der Diamanten-felder, welche in Kolmanskuppe Anschluß an die Bahn nach Lüderitzbucht hat.