Richard Kaundinya besucht Mitte 1907 Saadani:
»Das nächste Ziel galt der Versuchsplantage des Kolo-nialwirtschaftlichen Komitees in Saadani, welches von Bagamoyo aus in mehrstündiger Fahrt in einer „Dhau“, einem arabischen, mit Segeln bespanntem Frachtboot zu erreichen war.
Das einzige „Hotel“, von einem Deutsch-Polen unter-halten, durfte kaum beanspruchen, Reisende zu beher-bergen, denn es bestand aus einer dunklen, feuchten, unsauberen Lehmhütte nach Negerart. Vor derselben waren eine Anzahl grob gezimmerte Tische und Stühle zu einer „Gartenwirtschaft“ für Trinkbedürftige ange-bracht. Während ich mich noch in Betrachtungen darüber erging, wie diese wenig einladende Unterkunft für einige Tage als Wohnung dienen könne, erschien ein feiner junger Herr, stellte sich als Kolonialeleve [Auszubildender im Kolonialdienst] vor und holte mich im Auftrage des Leiters der Bezirksnebenstelle von Saadani, Herrn M. ohne viel Umschweife nach der „Boma“, dem Regierungsgebäude, in dem ich eine liebenswürdige, gastliche Aufnahme genießen durfte und für meine Studien jegliche Unterstützung erhielt.
Auf der Plantage des Kolonialwirtschaftlichen Komitees wurde unter sachverständiger Leitung des Herrn Mg. emsig gearbeitet. Ein größerer Komplex war bereits mit Baumwolle bestanden und mehrere hundert Arbeiter rodeten den Wald zu weiteren Anpflanzungen im kommenden Jahre. Ein Dampfpflug bearbeitete den jungfräulichen Boden. Die Baumwolle sah gesund aus und war mit Blüten und Kapseln behängen.
Außer dieser Plantage wurde bei Saadani noch ein größeres griechisches Baumwollunternehmen emsig betrieben, ferner eine junge Kautschukpflanzung; auch mehrere Ansiedler hatten kleine Güter angelegt und in Betrieb genommen, und die Bezirksnebenstelle hatte an mehreren Stellen kleinere Anlagen vorbildlich einge-richtet. In der Umgegend waren auch von Eingeborenen angelegte Baumwollfelder anzutreffen.
Obgleich alle diese Anlagen noch in den ersten Anfän-gen standen, konnte ich doch schon manchen recht guten Einblick in die Erfordernisse einer afrikanischen Plantage bekommen… Ich sah den Dampfpflug im tief-gründigen schweren Tonboden von Saadani arbeiten und fand bereits im ganzen etwa 250 Hektare mit ägyptischer Baumwolle bepflanzt, die im Vergleich zu dem Stande und Aussehen der Baumwolle, an den ich in Indien gewöhnt war, recht üppig gedieh.«
Das Deutsche Kolonial-Lexikon über:
Sadani, Küstenort von Deutsch-Ostafrika, der Sitz einer Nebenstelle des Bezirksamts Bagamojo. Sadani liegt am Nordende einer Alluvialebene, die durch frühere Mün-dungsarme des Wami aufgeschüttet wurde. Es sind recht fruchtbare Böden, auf denen in den letzten Jahren Baumwollanbau im Großen versucht worden ist. Dabei erwies sich freilich die Regenverteilung als wenig güns-tig, manche Jahre sind zu feucht, manche zu trocken; die durchschnittliche Jahresmenge beträgt in Sadani 943 mm (zehnjähriges Mittel). Sadani hat seine frühere, auf der Lage zu Sansibar beruhenden Bedeutung eingebüßt, ist aber ein kleiner Handelsmittelpunkt geblieben. 1913 waren 9 Handelsfirmen Farbiger vorhanden.
Die Reede ist lediglich durch das 46 km entfernte Sansibar ein wenig geschützt und so flach, daß Schiffe von 6 m Tiefgang 6 km vom Land ankern müssen. An ankommenden Dampfern waren es 1908 (seitdem keine Einzelangaben mehr für Sadani veröffentlicht) 61 mit 11350 Registertonnen, dazu kamen 253 Dhaus mit 6187 t Rauminhalt. In diesem Jahr hatten Ein- und Ausfuhr die Werte 0,314 und 0,140 Millionen Mark. 1912 waren diese Zahlen gesunken auf 0,066 und 0,077 Millionen Mark.