Dr. Ludwig Külz ist im Juli 1905 für zwei Tage in Rio del Rey:
»Von Viktoria aus dampften wir nordwärts nach Rio del Rey. So königlich der Name klingt, so erbärmlich und winzig ist die Niederlassung und so trostlos und unge-sund ihre Lage. … Von der offenen See aus fährt der Dampfer in die allmählich sich immer mehr und mehr verengende Flußmündung ein, links und rechts nichts als ödes Mangrovengebüsch. Unter den vielen einzelnen Wasserarmen, die netzartig das ganze Mündungsgebiet durchziehen, sucht er sich stromaufwärts fahrend müh-sam den richtigen Kurs, bis er endlich vor dem Orte angelangt ist. Die ganze »königliche« Niederlassung be-steht aus drei Europäeransiedelungen, einem Gebäude für den Regierungsbeamten und zwei Faktoreien, einer deutschen und einer englischen. Die Station, äußerlich übrigens in musterhaftem Zustande, liegt nebst der deutschen Firma auf einer kleinen, wohl kaum 1 Hektar umfassenden Halbinsel; die englische Faktorei hat sich ihren Platz auf dem gegenüberliegenden Ufer auf einem mühsam vom Gebüsch gesäuberten Fleckchen Landes gewählt. Die Ufer der Stationshalbinsel sind mit Holz-pfosten gegen das Wasser hin abgedämmt, damit der kärgliche Besitz nicht weggeweicht wird. Trotzdem bricht von Zeit zu Zeit ein Stück des Bodens ab und muß dann von den Bewohnern durch Erdstücke aus der Nachbarschaft wieder ergänzt werden. Die ganze Um-gegend ist ausschließlich von schmutzigen Wasser-armen gebildet, deren Ufer mit abwechslunglosem, ein-tönigem, dem Auge undurchdringlichen Mangroven-dickicht bestanden sind; kein Wechsel der Landschaft, kein Wechsel in der Vegetation, nirgends ein Ausblick weiter als auf 2–300 m über das Wasser bis zur nächsten Mangrovenwand, dazu immer eine feuchte, drückende Treibhausluft, Moskitos und Sandfliegen in Hülle und Fülle. Das einzige, was die Leute außer den Schwarzen, die mit Produkten auf Kanus ab und zugehen, von der Welt sehen, sind die Dampfer, die sich von Zeit zu Zeit hierher verirren. Augenblicklich ist die Station von einem Zollbeamten und seiner jungen Frau bewohnt, die trotz des trostlosen Milieus, in dem sie leben, lustig und guter Dinge waren. Ich gönnte dem Paare von Herzen ein besseres afrikanisches Heim.«
Das Deutsche Kolonial-Lexikon schreibt über Rio del Rey:
»Rio del Rey nimmt als Hafen einen stetigen Auf-schwung. Während früher die Waren dieser Westecke der Kolonie von Ossidinge den Kreuzfluß abwärts über englisches Gebiet gingen, hat der Bau von Straßen die-sen Handel jetzt auf deutsches Gebiet hinübergezogen. 1911 war der Handelswert 766.000 Mark, wovon auf Einfuhr 377 und auf Ausfuhr 389 entfielen. 1912 war die Ausfuhr bereits auf 460 gestiegen (Gesamtwert des Handels 968.000 Mark). Rio del Rey ist Sitz einer Regierungsstation, Polizeistation, Zollamts- und Post-agentur, sowie einer Reihe von Faktoreien, vor allem der Deutsch-Westafrikanischen Handelsgesellschaft.«