Dr. Ludwig Külz schreibt über den Bau der ersten Bahnlinie in Togo in sein Tagebuch unter:
»Anecho, im März« [1905]:
»An der Fertigstellung der Küstenbahn wird eifrig gear-beitet, täglich werden bis zu 700 m Schienen gelegt, und in einigen Wochen wird hoffentlich schon der erste Zug in Anecho einlaufen. Soweit die Strecke fertig ist, wird sie bereits jetzt dem interimistischen Personenverkehr auch für Eingeborene freigegeben.«
Im April ist bereits die ganze Strecke im Verkehr, wenn auch für den Personenverkehr nur mit offenen Arbeits-wagen des Bahnbaubetriebes. Am 18. Juli 1905 wird die gesamte 44 km lange Strecke offiziell für den Verkehr freigegeben.
Aus dem Deutschen Kolonial-Lexikon erfahren wir über die Bahnen in Togo:
Küstenbahn Lome-Atakpame. Gleichzeitig mit dem Bau einer eisernen, 340 m langen Landebrücke in Lome, die die dortige schwere Brandung überschreiten und damit eine wesentliche Verbesserung des Landungs-betriebes herbeiführen sollte, wurde im Jahre 1898 noch der Bau einer Küstenbahn von Lome nach Anecho (dem früheren „Klein-Popo“) in Aussicht genommen; durch sie gewann man die Möglichkeit, die Reede von Anecho zu sperren und den ganzen Zollverkehr in Lome zu vereinigen. Nach Vollendung der Landebrücke im März 1904 begann man mit dem Bahnbau, der der Aktien-gesellschaft Augsburg-Nürnberg (Gustavsburg) übertra-gen wurde. Der Bau im Küstengebiet bot keine Schwie-rigkeiten, zumal Erdarbeiten und Kunstbauten so gut wie gar nicht erforderlich wurden; die ungewöhnlich niedrigen Baukosten der Bahn, rund 23000 Mark für den Kilometer, finden darin ihre Erklärung. Am 18. Juli 1905 wurde die 44 km lange Bahn dem Betriebe über-geben und gleichzeitig die Reede von Anecho gesperrt. Mit Eröffnung der Bahn übernahm die Gesellschaft m. b. H. Lenz & Co. in Berlin den Betrieb von Bahn und Landebrücke zusammen.
Inlandbahn Lome-Palime. Die Vorarbeiten für diese Bahn wurden 1902 vom Kolonialwirtschaftlichen Komi-tee ausgeführt, der Bahnbau durch das Gesetz vom 23. Juli 1904 genehmigt und dem Schutzgebiet die Mittel in Höhe von 7,8 Millionen Mark durch die Etats für die Jahre 1904 bis 1906 vom Reiche in Form eines mit 3½% zu verzinsenden Darlehns bereitgestellt. Der Bau der Bahn, gleichfalls in Meterspur, wurde der Firma Lenz & Co. übertragen, im September 1904 begonnen und 1907 vollendet. Die 119 km lange Bahn wurde am Kaisers-geburtstage, 27. Januar 1907, dem Verkehr übergeben.
Hinterlandbahn Lome-Atakpame. Das Schutzgebiet Togo erstreckt sich, bei einer durchschnittlichen Breite von etwa 176 km, von Nord nach Süd auf etwa 560 km, während seine Küste an der Südgrenze leider nur eine Länge von 50 km aufweist. Ein Blick auf die Karte lehrt, daß die der Westgrenze zustrebende Bahn Lome-Palime, deren Verlängerung nach Norden das von Südsüdwest nach Nordnordost verlaufende Togogebirge im Wege steht, nicht genügt, um das Schutzgebiet in seinem mittleren und nördlichen Teil ausreichend zu erschließen. Eine möglichst zentral gelegene Eisenbahn von Süd nach Nord war hier notwendig, um das Rück-grat für den Verkehr zu bilden und seitlich anzuschlie-ßende Stichbahnen oder Straßen als Zubringer aufzu-nehmen. Durch Erkundungen war festgestellt daß das Gelände im nördlichen Teile des Togogebirges die Mög-lichkeit eines Bahnüberganges bietet. Die unmittelbare Verbindung Lome-Atakpame verdiente daher um so mehr den Vorzug, weil sie auch ein ausgedehntes wert-volles Gebiet neu aufschließt. Für den Bau der nördli-chen Fortsetzung Atakpame-Bassari-Banjeli-Tschopowa, etwa 328 km, bis auf das rechte Ufer des Otiflusses, haben bereits allgemeine Erkundungen stattgefunden, aus denen die Möglichkeit einer Eisenbahn hervorgeht. Zunächst sind nur die Mittel für den Bau bis Atakpame gefordert und in Höhe von 11,2 Millionen Mark für rund 160 km Bahn durch die Kolonialvorlage vom Jahre 1908 bereitgestellt. Die Bauausführung wurde der Deutschen Kolonial-Eisenbahnbau- und Betriebs-Gesellschaft in Berlin übertragen und bis Agbonu am 1. April 1911 vollendet. Die mit etwas stärkeren Steigungen verse-hene Reststrecke Agbonu-Atakpame wurde am 2. Mal 1913 dem Betrieb übergeben. Spurweite und Oberbau entsprechen dem vorhandenen Bahnnetz.