Das Deutsche Kolonial-Lexikon über die Straßen:
Bis vor wenigen Jahren wurde in Deutsch-Ostafrika der Gütertransport zu Lande fast ausschließlich durch Kara-wanen besorgt. In Lasten zu etwa 60 Pfund wurden die Güter von eingeborenen Trägern auf den Köpfen be-fördert. Allerdings war auch hierin bald ein erheblicher Fortschritt gegen früher zu verzeichnen. Während sich nämlich noch zu Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts der Karawanenverkehr nur auf den schmalen, gewundenen Negerpfaden abspielte, hatte man seit 1894 damit begonnen, die von der Küste ausgehenden Straßen auszubauen und Brunnen, feste Brücken usw. anzulegen. Die Hauptkarawanenstraßen des Schutzgebiets waren im Norden: Tanga—Kiliman-dscharo, Pangani—Mgera—Tabora—Udjidji (bzw. Muansa); in der Mitte: Bagamojo (bzw. Sadani oder Daressalam)—(Kilossa)—Mpapua—Kilimatinde—Tabora—Udjidji (bzw. Muansa)—Kilossa—Iringa—Njassasee; im Süden: Kilwa (bzw. Lindi)—Ssongea—Njassasee. Neben diesen Hauptstraßen gab es noch eine Menge Wege geringerer Bedeutung, welche dem lokalen Verkehr oder den Handelsbeziehungen zwischen den einzelnen Völkern und Plätzen dienten. — Mit dem fortschreiten-den Ausbau der Eisenbahnen des Schutzgebiets haben diese Straßen und damit auch viele Orte an ihnen einen großen Teil ihrer früheren Bedeutung eingebüßt. Im Norden und in der Mitte sind sie nur noch als Zubringewege zu den Bahnen wichtig. Im Süden ist die alte Handelsstraße Kilwa—Njassasee neben dem Shire—Sambesi-Wege und dem von der Zentralbahn nach Süden abbiegenden Wege Kilossa—Iringa—Neu-Lan-genburg noch immer die einzige Verbindung mit dem Njassasee. — Der Ausbau der Karawanenstraßen ermög-lichte es, Versuche mit Zug- und Lasttieren zu machen. So wurden im Jahre 1897 und auch neuerdings im Jahre 1910 Kamele als Lasttiere eingeführt. Am Kiliman-dscharo hatten eingewanderte Buren mit ihren südafri-kanischen Ochsenwagen einen regelmäßigen Verkehr zwischen Moschi und Voi [in Britisch Ostafrika] an der Ugandabahn und zwischen Aruscha und Mombo einzu-richten versucht. Im Süden des Schutzgebiets unter-nahm man Versuche mit Maultier- und Eselwagen. Alle diese Versuche scheiterten jedoch an der Tsetsekrank-heit, dem Küsten- und Texasfieber und anderen dem Vieh verderblichen Seuchen. Am widerstandsfähigsten erwiesen sich noch Esel und Maultiere, sie finden noch heute in einigen Gegenden als Last- und Zugtiere Verwendung. Weitere Versuche, den Menschen als Transportmittel auszuschalten, sind in neuerer Zeit mit der Indienststellung von Automobilen gemacht worden. Die Schwierigkeiten, die einer Ausdehnung des Auto-mobilverkehrs entgegenstehen, sind jedoch recht er-heblich. Abgesehen davon, daß Wagenreparaturen und die Beschaffung von Benzin oft große Schwierigkeiten machen, hat sich die Herstellung und Instandhaltung guter Fahrwege wegen des tropischen Klimas des Schutzgebiets als außerordentlich teuer erwiesen.
Gerne würde man Reittiere halten, aber die Krankheit, die die Tsetsefliege überträgt, tötet alle Maultiere und Pferde. Die wenigen Dutzend Reittiere der Schutztruppe in der Kolonie, von Beamten und einigen Weißen über-leben nur, weil sie in tsetsesicheren Ställen gehalten werden und über Nacht diese Ställe nicht verlassen dürfen. Esel sind widerstandsfähiger gegen die Tsetse und sind in größeren Stückzahlen vorhanden. Besonders schöne Maskat-Esel werden aus Arabien importiert.
Weitere Krankheiten von Nutztieren sind die dauernd von der Regierung bekämpfte Rinderpest, die Pferde-sterbe, Rotz der Pferde, Milzbrand und das durch eine Zeckenart übertragene ostafrikanische Küstenfieber, das hauptsächlich zur Schlachtung an die Küste ge-triebene Rinderherden befällt und durch wiederholte Zeckenbäder der Rinder verhindert werden kann.
Straßen sind in der Nähe europäischer Ansiedlungen und als Verbindungswege zwischen den Hauptorten ausgebaut oder wenigstens durch den Busch geschla-gen.
Seit 1913 sind Lastkraftwagen der Berliner Firma NAG erfolgreich bei der Schutztruppe in Ostafrika im Einsatz. Es gibt ansonsten nur sehr wenige Motorfahrzeuge in der Kolonie. Mit dem Dampfer Feldmarschall, der am 2. August 1914 in Daressalam eintrifft, kommen noch ein paar Kraftfahrzeuge in das Schutzgebiet.