Das Deutsche Kolonial-Lexikon über das Schulwesen:
Das gesamte Schulwesen in Samoa mit Ausnahme der Regierungsschulen ist auf das engste mit den verschie-denen auf den Inseln tätigen Missionen verknüpft. Die ältesten Schulen auf Samoa sind die im Jahre 1830 von der Londoner Missionsgesellschaft gegründeten 4 Schulen auf der Insel Savai’i, denen bald weitere Lehr-anstalten auch seitens der beiden anderen Missionsge-sellschaften, nämlich der Wesleyaner und der katholi-schen Maristenmission, folgten. So errichtete die Lon-doner Mission 1844 ein theologisches Institut für die Erziehung eingeborener Priester und Lehrer in Malua. 1875 gründeten die Maristenbrüder eine von Ordens-schwestern geleitete Schule in Apia, und 1890 wurde von der Londoner Mission eine höhere Schule für ein-geborene Mädchen in Papauta bei Apia ins Leben ge-rufen. Bis zur Flaggenhissung war in diesen Missions-schulen der englische Einfluß vorwiegend. Es bestand zwar auch bereits vor der Übernahme Samoas durch Deutschland eine deutsche Privatschule in Apia, die sich indessen im allgemeinen, obwohl sie technisch als eine der besten Schulen gelten konnte, nur geringen Zu-spruchs erfreute, weil das englische Element dort nicht genügend Berücksichtigung fand. Nachdem Samoa deutsch geworden war, ließ das Gouvernement, um den Missionen zunächst Zeit zur Anpassung an die verän-derten Verhältnisse zu geben, den alten Zustand vor-läufig bestehen. Durch Rundschreiben vom 15. Mai 1901 wurde aber dann angeordnet, daß mit Wirkung vom 1. Juli 1901 ab die Unterrichtssprache in den Schulen für Eingeborene das Samoanische sei, und daß im übrigen außer der deutschen eine andere europäische Sprache in den Uhrplan dieser Schulen nicht aufgenommen werden dürfe. Im Jahre 1903 wurde sodann die deutsche Privatschule in eine Kaiserliche Regierungsschule für weiße und Mischlingskinder umgewandelt und mit 2 Lehrern, 1 Lehrerin und 1 Kindergärtnerin mit 50 Schülern eröffnet. Am 1. Mai 1909 wurde auch noch eine Regierungsschule für Eingeborene ins Leben gerufen, in der 60 befähigtere Schüler aus anderen Schulen Aufnahme fanden. — Im ganzen bestehen heute in Samoa ca. 320 Schulen mit ungefähr 470 Lehrern und 9000 bis 10000 Schülern. Der Schulbesuch umfaßt ungefähr 33% der gesamten Bevölkerung, und man kann wohl sagen, daß die gesamte heutige samoanische Jugend Lesen, Schreiben und Rechnen lernt. Mit Aus-nahme der Regierungsschule für weiße und Mischlings-kinder und der beiden Brüder- und Schwesternschulen der Maristenmission in Apia sind sämtliche Schulen Eingeborenenschulen, die sich in Dorfschulen, gehobe-ne Schulen und Predigerseminare gliedern.
Ein Schulgeld wird, abgesehen von den Missionsschulen für Nichteingeborene, mit wenigen Ausnahmen nicht erhoben. Der Lehrplan umfaßt in der Hauptsache die Elementarfächer, entsprechend dem Unterricht in den deutschen Volksschulen, daneben Handfertigkeitsun-terricht, Anweisung im Ackerbau und an den geho-benen Schulen auch fremde Sprachen. Deutscher Unter-richt wird, abgesehen von den Regierungsschulen, in 18 Missionsanstalten erteilt. Von den Schulen standen nach der letzten Statistik 167 mit 6843 Schülern im Eigentum der Londoner Missions-Gesellschaft, 69 mit 1741 Schülern im Eigentum der Wesleyanischen Mis-sion und 80 Schulen mit 1353 Schülern wurden von der katholischen Mission unterhalten. Daneben besteht noch eine Schule, die von der Amerikanischen Mor-monenmission geleitet wird. Für die Regierungsschule für weiße und Mischlingskinder ist unter dem 18. Fe-bruar 1904 eine Schulordnung, sowie am gleichen Tage eine Bekanntmachung über die Unterrichtsgegenstande und die Stundenzahl erlassen worden. Schulgeld wird seit 1909 in der Regierungsschule für weiße und Misch-lingskinder nicht mehr erhoben. Dagegen ist die Be-schaffung der notwendigen Lehr- und Lernbücher sowie der Schreibmaterialien Sache der Eltern und Vormün-der. Die Regierungsschule für Weiße wurde 1912 von 89 Kindern, darunter 45 deutschen, besucht. Es wirken an ihr 3 Lehrer und 1 Lehrerin. An der Regierungsschule für Eingeborene ist ein fachmännischer Lehrer für die allgemeinen Unterrichtsfächer tätig; daneben erteilt ein Handwerkermeister Unterricht an der ihr angeglieder-ten Handwerkerschule, und ein Pflanzungssachverstän-diger unterweist die Schüler in der Anlage von Kulturen. Im ganzen ist der Kursus für die Schüler auf 5 Jahre berechnet. Der Zweck der Schule ist in erster Linie, brauchbare eingeborene Gehilfen für die Regierung (Dolmetscher, Sekretäre, Heilgehilfen und dergleichen.) heranzubilden.
Soweit das Kolonial-Lexikon.
Aus der Werkstatt der 1909 in Apia gegründeten Re-gierungsschule für Eingeborene kann 1913 der Bedarf des Gouvernements an Schreibstubeneinrichtungen völlig gedeckt werden. Alljährlich geben die Schüler der Regierungsschule auch ein Fest für die Besatzung des deutschen Stationskreuzers.