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Stephansort

Stephansort ist benannt nach dem 1897 verstorbenen Chef der Reichspost, Heinrich von Stephan. Stephansort liegt etwa 20 km Luftlinie von Friedrich-Wilhelmshafen weg in einer weiten Ebene in riesigen Plantagenkul-turen. Sofern man nicht mit einem Küstensegler die Strecke zwischen Stephansort und Friedrich-Wilhelms-hafen bewältigt kann man auch eine Feldbahn zwischen den beiden Orten benutzen, die von Ochsen gezogen wird. Diese Ochsenbahn führt auch nach Erimahafen, gelegen zwischen Friedrich-Wilhelmshafen und Ste-phansort, und hat noch Abzweigungen, etwa nach Konstantinhafen.

Stephansort hat nur eine offene Reede und Fracht und Passagiere müssen mit einem Boot von dem ankernden Schiff an Land gebracht werden. Solange die Brandung nicht zu hoch ist, geht es gut, aber so mancher Erstan-kömmling ist hier zusammen mit seinem Gepäck an Land gespült worden. Selbst Todesfälle kommen in der Brandung beim Schiff-Strand-Verkehr mit dem Boot vor.

Stephansort ist mit den Eingeborenen-Nachbardörfern Erima und Bogadjim eine stattliche kleine Kolonialsied-lung mit verschiedenen Wirtschaftsanlagen, etwa die Wagenhallen und die Schuppen für die Ochsenbahn, Verwaltungsgebäude, Beamten-Wohnhäuser, ein gro-ßes Klubhaus, ein Schießstand für Europäer, einen chinesisch und einen malaiisch geführten Kaufladen, einen großen Stationsladen, der die Europäer mit Le-bensmitteln versorgt, Arbeiterunterkünfte für Javanen, Chinesen und Melanesen, Stallungen für Pferde, Zug-ochsen und Kühe, eine Apotheke sowie ein an einem See gelegenes Krankenhaus für Europäer und ein Kran-kenhaus für Eingeborene. Ein Denkmal erinnert an den Landeshauptmann der Neuguinea Kompagnie, Curt von Hagen, der in der Nähe 1897 von einem Einheimischen erschossen wurde. Alles zusammen ein gutes Dutzend Europäer-Gebäude und davon entfernt die Eingebore-nenhütten. Zwei Flußläufe ziehen sich durch das Land zum Meer hin und Entwässerungsgräben sind durch das teilweise sumpfige Gelände gezogen, um die Malaria zu bekämpfen. Von den Bewohnern von Stephansort sind etwa ein gutes Dutzend Deutsche.

Das Eingeborenendorf Bogadjim hat etwa 300 Einwoh-ner, die in großen prächtigen Hütten leben. Die Größe der Hütten ist auch bedingt durch den Hängeboden un-ter dem Dach, der zur Aufbewahrung von allerlei Haus-rat dient. Die Deutschen wundern sich, daß die Dorf-plätze von Erima und Bogadjim immer äußerst sauber gefegt sind.

Nicht weit weg von Stephansort liegt an der Küste auch die Station Bungo der Rheinischen Mission. Die Missio-nare haben so ihre Schwierigkeiten wenigstens die Kin-der zum Christentum zu bekehren und in ihre Schule zu bekommen. Zum Gottesdienst kommen die Kinder nur wenn sie dafür mit Tabak und Tonpfeifen belohnt wer-den. Nur die Jungen kommen zur Schule, denn nach Auffassung der Schwarzen haben Mädchen keine Seele und all die Mühe wäre also vergebens.