Marinepfarrer Weicker: »Nach dem rühmlichen Vor-gange Englands ist Tsingtau ein offener Platz für jeden Handel ohne Ansehen der Flagge, unter der er fährt. Ein großer Teil des Geschäfts liegt schon in chinesischen Händen. Das wird in Zukunft noch mehr der Fall sein. Die Zahl der in Tsingtau ansässigen chinesischen Fir-men vermehrt sich von Jahr zu Jahr. In Tapautau sieht man den Wohlstand der chinesischen Kaufmannschaft zusehends wachsen. Der Chinese hat eine ausgezeich-nete Witterung dafür, ob es irgendwo etwas zu verdie-nen gibt oder nicht. Würden etwa in Tsingtau jetzt nur deutsche Kaufleute sitzen und das Geschäft allein ma-chen, so wäre das ein schlechtes Zeichen für den Platz. Die rege und immer wachsende Beteiligung der Chine-sen ist das sicherste Zeichen für einen gedeihlichen Fortgang des Handels in Tsingtau.
Wie überall in China, dringt auch in Kiautschou der Japaner als Händler vor. Baumwolle, Kattun und Streich-hölzer, also Hauptgegenstände der Einfuhr, kommen zum größten Teil aus Japan. Es ist die billige, japanische Ware, dazu der kurze Transportweg, die dem Japaner ein Übergewicht verschaffen. … In Tsingtau waren 1906 unter den 1441 dort lebenden Nichtchinesen 207 Japa-ner; sie machten also über 14 vom Hundert der nicht-chinesischen Einwohner aus.
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Als Konkurrent neben dem Chinesen und dem Japaner steht für uns auf dem Wirtschaftsmarkte in Schantung zurzeit noch der Amerikaner. Wie für den amerikani-schen Missionar ist auch für den amerikanischen Kauf-mann Schantung ein altes Arbeitsfeld. Des Engländers Hauptgebiet ist der Süden Chinas und das Jangtsetal.
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Gewiß recht nützlich ist eine 1906 begründete dauernde Gewerbe- und Industrie-Ausstellung. Dort finden die Chinesen alles, was ihnen nützen kann und was wir ihnen gern verkaufen wollen, beieinander und können es sich in Muße ansehen.
Überschauen wir dies Kapitel [Handel, Industrie und Verkehr] noch einmal: In zehn Jahren ist aus einem elenden Fischerdorf eine vornehme Fremdenniederlas-sung, eine wohlhabende chinesische Stadt und ein gro-ßer Handelsplatz gemacht geworden. … Unter den 36 Vertragshäfen Chinas stand Kiautschou, Hongkong mitgerechnet, 1906 an elfter Stelle. 1904 stand es an fünfzehnter. … Die Industrie hat eingesetzt; für ihren Weiterbau sind die Wege geebnet.«
Zur Lage für das Löschen von Tankern um 1906 schreibt Weicker: »Eine amerikanische Gesellschaft hat bereits ein größeres Gebäude bei Tsingtau erworben, wo sie Tanks errichten wird, und die zahlreichen Petroleum-schiffe machen schon einen besonderen Liegeplatz für diese feuergefährlichen Gäste nötig.«
Der von der Deutschen Kolonialgesellschaft alljährlich herausgegebene Deutsche Kolonialatlas mit illustrier-tem Jahrbuch beschreibt in seiner Ausgabe von 1914:
Die Entwicklung des Kiautschougebietes im Jahre 1913
Ungeachtet der chinesischen Wirren ist die Entwick-lung Tsingtaus im Jahre 1913 eine günstige gewesen. Das Wirtschaftsleben hat Fortschritte gemacht und die Ein-flußsphäre unseres Hafens Tsingtau hat sich recht be-trächtlich in das Hinterland ausgedehnt. Das wird hof-fentlich noch mehr der Fall sein, wenn erst die Schan-tung-Eisenbahn westwärts weitergeführt ist bis zu der wichtigen Überlandverbindung Peking-Hankau und wenn die Abzweigung von Kaumi südwärts in Betrieb genommen sein wird. Über beide Projekte hatte unser Kiautschou-Gouvernement Jahre hindurch mit den Chi-nesen verhandelt; erst Ende 1913 ist eine Vereinbarung erzielt worden.
Wie dies im Zusammenhang steht mit der allgemeinen Entwicklung Tsingtaus und seines Hinterlandes, darü-ber läßt sich der amtliche Bericht folgendermaßen aus:
„Aus dem Stadium einer reinen Handelskolonie scheint Kiautschou nunmehr in dasjenige einer aussichtsvollen industriellen Entwicklung zu treten. Nach vieljährigen Bemühungen der Marineverwaltung scheint das Zustan-dekommen eines deutschen Eisenwerkes, an welches sich voraussichtlich weitere gewerbliche Unternehmun-gen anschließen werden, nunmehr Tatsache werden zu wollen. Fernerhin ist nach langjährigen Verhandlungen mit den chinesischen Behörden jüngst eine erhebliche Ausdehnung des Eisenbahnnetzes in dem Hinterland der Kolonie erreicht worden, die demnächst, nach Ab-schluß der noch schwebenden Einzelvereinbarungen, in Angriff genommen werden soll. Damit wird einerseits der deutschen Industrie die Aussicht auf neue, umfang-reiche Aufträge eröffnet, anderseits aber dem deut-schen Hafen von Tsingtau und dem deutschen Handel ein wesentlich vergrößertes, volkswirtschaftlich außer-ordentlich aussichtsreiches Betätigungsgebiet in Schan-tung und seinen Nachbarprovinzen erschlossen. Von diesen beiden, für die ganz fernere Zukunft des Schutz-gebietes wichtigen Projekten wird im folgenden noch zu sprechen sein. Zunächst ist über die Entwicklung des abgelaufenen Jahres in ihren Hauptmomenten folgen-des kurz zu berichten:
Die Zuwanderung von Chinesen, die in den beiden Jah-resberichten als besonders charakteristische Erschei-nung erwähnt wurde, hat im letzten Jahre weiter zuge-nommen. Die chinesische Bevölkerung im Stadtgebiete weist nach der Zählung vom Juli 1913 gegenüber der vorangegangenen Bevölkerungszunahme im Jahre 1910 eine Zunahme von 55,97 Prozent auf. Sie beziffert sich auf 53.312 Chinesen gegen 34.180 im Jahre 1910. Von einer Zählung der Chinesenbevölkerung der zahlrei-chen Dörfer des Landgebiets mußte mit Rücksicht auf die zeitraubende Arbeit bisher Abstand genommen wer-den. – Die europäische Bevölkerung des Schutzgebiets ist von 1.621 Personen im Jahre 1910 auf 2.069 im Jahre 1913, also um 27,62 Prozent gestiegen. Die Stadt Tsingtau hat einschließlich des Militärs und der Wasserbevöl-kerung eine Gesamteinwohnerzahl von 60.484 Perso-nen gegen 40.264 im Jahre 1910. Wenn diese Vermeh-rung auch zum Teil auf das regelmäßige Wachstum Tsingtaus zurückzuführen ist, so beruht die Zunahme doch zum überwiegenden Teile auf der Zuwanderung der Chinesen infolge der unsicheren Zustände in China. Dieser Zuzug von Chinesen hat wiederum eine Steige-rung des Gesamtverkehrs im Gefolge gehabt. Diese zeigt sich in der weiteren starken Nachfrage nach Land, die auch Europäer veranlaßt hat, ihren Landbedarf zu si-chern und Wohn- und Geschäftshäuser zu erbauen. Die Bautätigkeit ist infolgedessen ebenfalls sehr lebhaft ge-wesen. Das Stadtbild von Tsingtau, das früher große, der Bebauung harrende Lücken aufwies, bietet jetzt ein ge-schlossenes Ganze, in dem nur noch wenige unbebaute Grundstücke verkäuflich liegen. Im eigentlichen Tsing-tau sind kaum noch unbebaute Grundstücke verkäuf-lich. Auch die Bebauung in der Nähe des Großen und Kleinen Hafens ist erheblich fortgeschritten. Das Stadt-viertel zwischen Tapautau und dem Großen Hafen be-ginnt sich zusammenzuschließen.
Der Einfuhrhandel hat eine nicht unerhebliche Steige-rung erfahren, während das Bild der Einfuhr sich weni-ger günstig stellt. Dagegen sind die Einnahmen des chi-nesischen Seezollamtes in die Höhe gegangen. Die Zah-len finden sich an anderer Stelle. Der Schiffsverkehr des Tsingtauer Hafens ist wiederum wesentlich gestiegen. Im Berichtsjahr Oktober 1912/13 wurde er von 902 Schif-fen mit 1.291.000 Netto-Registertonnen angelaufen ge-gen 727 Schiffe mit 1.133.000 Netto-Registertonnen im Vorjahre. Die Hamburg-Amerika-Linie plant eine neue Verbindung mit Europa über Suez nach der amerika-nischen Westküste, die auch regelmäßig Tsingtau an-laufen soll. Dadurch erhalten die dortigen Exporteure Gelegenheit, Waren ohne Umladung von Shanghai nach Kanada und den Vereinigten Staaten zu schicken. Die-selbe Linie hat im letzten Jahre zum ersten Male auf einer Weltreise begriffene Dampfer nach Tsingtau ge-schickt, und die Passagiere haben mit staunender Ver-wunderung die schnelle Entwicklung unserer Kolonie gesehen.
Tsingtau hatte bisher unmittelbare Verbindung mit der Heimat durch die Reichspostdampfer des Norddeut-schen Lloyd, die alle vier Wochen auf der Aus- und Heimreise anliefen. Vom Herbst dieses Jahres soll die Verbindung eine erhebliche Verbesserung erfahren, in-dem alsdann die Dampfer des Norddeutschen Lloyd vierzehntägig auf jeder Aus- und Heimreise Tsingtau berühren werden, und außerdem noch allmonatlich ein ausreisender und ein heimkehrender Dampfer der Hamburg-Amerika-Linie den Hafen anlaufen wird.
Ins wirtschaftliche Gebiet gehört noch das Auffors-tungswesen. In unmittelbarer Nähe der Stadt Tsingtau sind hochgewachsene Forstgelände entstanden und auch im Landgebiet sind allenthalben Aufforstungs-arbeiten vorgenommen worden. Die umwohnenden Chinesen melden sich freiwillig als Arbeiter, wenn sie dafür vom Forstamte zur Aufforstung der ihnen gehöri-gen Öldländereien und zum Bepflanzen der Wegerän-der und Flußufer Saat- und Pflanzengut erhalten. Neben-her sind noch eine Million Akazienpflanzen verkauft worden.
Wie sich hier unsere Wirksamkeit als eine zivilisato-rische und kulturelle erweist, so ist sie das noch mehr im Schulwesen. Wir lassen nichts unversucht zum Aus-bau des deutsch-chinesischen Schulwesens. Im Mittel-punkt dieser Bestrebungen steht die Deutsch-Chinesi-sche Hochschule. Sie soll weiterhin ausgebaut werden; das neue Hauptlehrgebäude wurde im Sommer, die sich daran anschließende große Aula im Herbst des letzten Jahres bezogen. In den Lehrgebäuden findet auch die Lehrmittelsammlung ihre Aufstellung, die den Unter-richt in der technischen Abteilung erleichtern soll. Durch Gaben der deutschen Industrie ist diese Samm-lung im vergangenen Jahr wesentlich vervollkommnet worden. Die Oberstufe dieser Anstalt zählte am Schluß des letzten Schuljahres 67, die Unterstufe 301 Schüler. Seit Oktober vorigen Jahres erscheint von der Deutsch-Chinesischen Hochschule herausgegeben, die Monats-schrift Westöstlicher Bote in deutscher Sprache mit chinesischen Anmerkungen. Sie mag ein Wahrzeichen dafür sein, daß die gemeinsame Arbeit von Deutschen und Chinesen für beide und nicht zum mindesten für die nach dem Sturz der Dynastie in Unruhe und Auf-lösung geratenen chinesischen Verhältnisse fruchtbrin-gend sind.“
Das Deutsche Kolonial-Lexikon vermerkt:
»Einen ganz besonderen und in Tsingtaus kurzer Ge-schichte unerhörten Aufschwung hat die Bautätigkeit seit dem Herbst 1911, d. h. seit dem Beginn der jüngsten Unruhen [in China] genommen. Diese haben Tsingtau, dessen in ganz China bekannte Ordnung und Sicherheit keinen Augenblick auch nur bedroht war, einen sehr starken Zuzug wohlhabender Chinesen aller Bevölke-rungsklassen gebracht, die vielfach Grund und Boden erworben und sich seßhaft gemacht haben. Wenn nicht alles täuscht, so hat die Revolution der Kolonie einen unvorhergesehenen, neuen und recht starken Anstoß zu kräftigster Weiterentwicklung gegeben.«
Das Kolonial-Lexikon über die Industrie der Hafenstadt Tsingtau um 1912/1913:
»Die Industrie steckt in Tsingtau trotz mancher güns-tiger Umstände, wie billige Kohle, zollfreie Einfuhr von Maschinen, günstige Eisenbahn- und Dampferverbin-dungen, noch in den Kinderschuhen. Die einzigen Un-ternehmen, die in größerem Umfange Landesprodukte zu Exportartikeln verarbeiten, sind zwei Albuminfabri-ken. Neben diesen sind als von mehr als lokaler Bedeutung etwa noch zu erwähnen: die Seifenfabrik, eine Holzbearbeitungsanlage, eine Getreidemühle, die Germania-Brauerei, eine Mineralwasserfabrik, eine Weißbierbrauerei und einige Unternehmen der Zie-gelei- und Zementwarenindustrie.«
Das Kolonial-Lexikon berichtet über die Industrialisie-rung auch:
»Die Schantung-Eisenbahngesellschaft hat 1914 ihr Kapi-tal um 10 Millionen Mark durch Ausgabe neuer Aktien erhöht und wird bei Tsangkou — 18 km von Tsingtau entfernt — sofort ein Hüttenwerk, zunächst mit 2 Hoch-öfen, errichten.«
Das Deutsche Kolonial-Lexikon über die »Gouverne-mentswerft. Für Tsingtau als Flottenstützpunkt und Handelshafen ist eine leistungsfähige Reparaturwerft von allergrößter Wichtigkeit. Das RMA. [Reichs-Marine-Amt] hatte zuerst beabsichtigt, die Errichtung einer solchen der Privatinitiative zu überlassen und diese nur durch vertragsmäßige Übertragung sämtlicher Repara-turarbeiten für das Kreuzergeschwader zu unterstützen. Es fanden sich aber keine geeigneten Unternehmer. Das Gouvernement mußte sich daher entschließen, ihre ei-gene, gleich nach der Besitzergreifung an der Außen-reede eingerichtete Reparaturwerkstatt nach dem gro-ßen Hafen zu verlegen und zu einer Werft auszubauen.
In der ersten Zeit war man wegen des gänzlichen Fehlens geschulter Eisenarbeiter auf Arbeitskräfte aus Schanghai und andern Vertragshäfen angewiesen. Um sich davon nach Möglichkeit unabhängig zu machen, wurden schon im April 1902 80 Lehrlinge aus Schantung eingestellt. Sie mußten sich zu vierjähriger Lehr- und zweijähriger Gesellenzeit verpflichten. Neben der prak-tischen Ausbildung durch einen deutschen chinesisch sprechenden Werkmeister erhielten sie auch Unter-richt im Deutschen, im Schreiben und Rechnen. Da sich dieses Verfahren bewährte, wurden in jedem Jahr neue Zöglinge eingestellt, 1906 wurde mit der Übersiedlung der Gouvernementswerkstatt nach dem großen Hafen begonnen. Etwa gleichzeitig war dort die Montierung des 150 t Krans beendet und die Verankerung des aus Deutschland zerlegt herausgeschickten von der Gute-Hoffnungs-Hütte gelieferten und in Tsingtau zusam-mengesetzten 16000 t Docks bewirkt worden. Um einen Stamm ständiger Arbeiter an die Werft zu fesseln, wurde eine Wohnungskolonie für sie eingerichtet. Im Jahre 1908 stellte man eine Geleisverbindung der Werft mit der Schantung-Bahn her und legte ein Kohlenlager für das Kreuzergeschwader an.
Im Etat für 1909 ist die Werft unter die „Verwaltung der Erwerbsbetriebe“ aufgenommen worden. Man nahm an, daß ihre Arbeit nach Deckung aller Unkosten einen Reingewinn für die Schutzgebietsverwaltung abwerfen werde. Um Geldmittel für den weiteren Ausbau bereit zu stellen, wurde bestimmt, daß 40% der Betriebsüber-schüsse zur Bildung eines Rücklagefonds verwendet werden sollten. Um die Höhe der Überschüsse festzu-stellen, wurde eine kaufmännische Buchführung einge-führt. Die Tätigkeit der Werft besteht in der Hauptsache in der Ausführung der jährlichen umfangreichen Über-holungsarbeiten für die Schiffe des Kreuzergeschwa-ders und die kleinen Kreuzer der Südseestation. Den Umstand, daß unsere Schiffe nicht mehr auf das Wohl- oder Übelwollen fremder Werften angewiesen sind, kann man, ganz abgesehen von der finanziellen Seite, nur begrüßen. In zweiter Linie betätigt sich die Werft im Bau kleinerer Eisenfahrzeuge wie Schlepper, Verkehrs-boote, Lotsendampfer, Kohlenleichter und ähnlichen. Gelegentlich führt sie auch andere als schiffbauliche Arbeiten aus. So sind z. B. die 4 großen Petroleumtanks in Tsingtau je 2 für die Standard Oil Company und die Asiatic Petroleum Company von ihr montiert worden. Die Werft beschäftigte im Jahre 1912 im Durchschnitt 1300 Arbeiter. Als regelmäßiger Reparaturplatz für Handelsschiffe ist Tsingtau als Anlaufhafen gegenüber Schanghai, von wo eine sehr bedeutende Küsten- und die Yangtseschiffahrt ihren Ausgang nimmt, wesentlich benachteiligt. Auf diesem Gebiet ist eine große Ent-wicklung vorläufig nicht zu erwarten. Dagegen fangen fremde Kriegsschiffe, chinesische Kreuzer und der österreichische Stationär in Ostasien an, sie regelmäßig aufzusuchen.«
Zur Gouvernementswerft bemerkt Hans Weicker, Mari-nepfarrer des Ostasiengeschwaders von 1904-1906:
»Mit 80 Knaben hat die Werkstatt 1902 den Betrieb begonnen. Daß sich damals am Tage der Aufnahme 500 Knaben aus besseren Kreisen der Bevölkerung melde-ten, zeugt auch von dem Sinn des Schantung-Chinesen für industrielle Arbeit. … Einen 150-t-Kran, so groß wie der große Kran der Kruppschen Werft in Kiel, und ein eisernes Schwimmdock von 16000 t hat in ganz Ostasien nur die Tsingtauer Werft. Auch das Kohlennehmen ist in keinem Hafen Ostasiens so bequem wie an den brei-ten Molen Tsingtaus.«
Über die Elektrizitätsversorgung von Tsingtau schreibt das Deutsche Kolonial-Lexikon:
»Elektrizitätswerk. Schon bald nach der Besitzergrei-fung richtete ein privater Unternehmer ein kleines Elektrizitätswerk ein und bot den Strom zur Straßen- und Hausbeleuchtung an. Da der Strombedarf schnell stieg, wurde schon 1900 mit dem Bau einer größeren und erweiterungsfähigen Zentrale begonnen. Noch vor Vollendung der neuen Anlage geriet die Konzessions-inhaberin, eine deutsche Aktiengesellschaft, in Kon-kurs. Um eine Unterbrechung in der Stromversorgung zu verhindern, schloß das Gouvernement mit den bei-den größten deutschen Elektrizitätsgesellschaften einen Vertrag, in dem diese sich verpflichteten, vorläufig das Werk auf Rechnung des Fiskus zu betreiben. Im Juli 1903 war die neue Zentrale fertig. Am 1. Januar 1904 wurde sie vom Gouvernement in eigene Verwaltung genommen und sofort mit einer Verdoppelung der Anlage zwecks Versorgung des Schwimmdocks und der Gouvernementswerft begonnen. Seitdem ist die Ent-wicklung dauernd kräftig fortgeschritten. Im Jahre 1912 wurden 1.266.560 Kilowattstunden abgegeben. Es waren Ende März 1913 884 Abnehmer mit 13.913 Glühlampen und 236 Motoren angeschlossen. Die Werft war mit 160 Motoren angeschlossen. Im Jahre 1912 hat sich das Elektrizitätswerk mit 4,79% verzinst. Mit der durch die Etats für 1912 und 1913 bewilligten Summe von 300.000 M wird das Elektrizitätswerk erheblich vergrößert. Es wird mit der Gouvernementswerft gemeinsam verwal-tet, und zwar nach rein kaufmännischen Grundsätzen.«