Das 1914 fertiggestellte Deutsche Kolonial-Lexikon über Abong Mbang:
»Abong-Mbang, Siedelung auf dem Hochland von Süd-kamerun am oberen Njong. Abong-Mbang liegt schon im Gebiete der Parklandschaft, aber doch nicht weit von der Grenze des Urwaldes. Seine Bedeutung verdankt es der Njongschiffahrt, die gleich oberhalb der Tappen-beck-Schnellen beginnt und über Abong-Mbang hinaus bis zum sogenannten Oberen Njong-Depot reicht. Von Abong-Mbang geht die wichtige Straße nach Dume-Station aus, wo die Dumeschiffahrt beginnt. Diese Ent-fernung beträgt nur 2 Tagemärsche (60 km), und es wird geplant, die beiden Orte durch eine Eisenbahn zu verbinden. — Abong-Mbang liegt im Gebiete der Maka, einem Bantustamm der östlichen Gruppe. Es gehört zum Verwaltungsbezirk Lomie und ist der Sitz eines Postens der Schutztruppe, einer Postagentur und 8 Faktoreien. Abong-Mbang wird in Zukunft wohl eine große Bedeutung als Umladehafen der Njong- und Dumeschiffahrt gewinnen, zumal wenn die geplante Bahn ausgeführt werden sollte.«
Im Oktober 1913 besucht Erich Robert Petersen auf der Durchreise von Kribi in das deutsche Kongogebiet Abong Mbang. Er schreibt:
»In Abong-Mbang hört der Njong auf, ein mit Kanus befahrbarer Fluß zu sein. Weiter hinauf sind die ver-schiedenen Zuflüsse nur träge rinnende Abläufe der großen Sümpfe des Makagebietes. Ungünstige Boden-verhältnisse zwangen die Ansiedler, den Platz sehr weitläufig anzulegen. Die Ortsteile liegen auf mehreren von Sumpf umgebenen Hügeln. Überhaupt genießt Abong-Mbang als Fiebernest einen schlechten Ruf. Es kommt hinzu, daß die umwohnenden Maka ein un-ruhiges Volk sind. Überfälle auf einzelne Boten und sogar ganze Karawanen sind nicht selten; jedermann weiß, daß in den entlegenen Sumpfnestern der Maka noch der Menschenfresserei gefrönt wird. Handel und Wirtschaft aber sind stärker als alle Bedenken. Abong-Mbang ist für den Gummieinkauf und als Umschlag-platz wichtig und muß darum gehalten werden. Seine Bedeutung im Hinterlande entspricht der Kribis an der Küste. Auch hier wird der gesamte Warenverkehr vom Wasserwege auf Karawanenstraßen umgeleitet.
Die Kaufleute in Abong-Mbang haben sich an Mücken-plage und Malariaanfälle gewöhnt und lassen nichts auf ihren Ort kommen. Ihre Faktoreien sind hell, groß und erfüllt von deutscher Gemütlichkeit. Einige Faktorei-leiter haben sich übrigens nebenbei der Schweinezucht zugewandt: deutsches Landschwein, allerdings stark verkleinerte afrikanische Ausgabe in verschiedenen Kreuzungsversuchen. … Es ist Oktober geworden, die Regenzeit ist auf dem Höhepunkt; jeder Tag bringt Gewitter, Regengüsse und dazwischen Stunden brüten-der Hitze. …
Ein des Lesens und Schreibens kundiger Schwarzer verwaltet die Niederlassung der G.S.K. [Gesellschaft für Süd-Kamerun] in Abong-Mbang. Er hat die mit dem Kanu von Akonolinga eintreffenden Waren einzulagern und mit den zwischen Abong-Mbang und Bimba verkeh-renden Karawanen weiterzuschicken, eine verhältnis-mäßig einfache Aufgabe, denn man kennt hier keine Trippträger, wie an der Küste, sondern verpflichtet die Träger, — vielfach die bewährten Monrovialeute, — auf ein bis zwei Jahre, was die Abfertigung der Karawanen wesentlich erleichtert.
Der Weg Abong-Mbang—Dume ist ziemlich beschwer-lich, denn er ist als Telephonstraße nach dem Kompaß durch den Urwald gehauen und schmiegt sich nicht dem Gelände an wie die alten Urwaldpfade. … übrigens wird bereits an dem Ausbau des Weges zu einer Autostraße gearbeitet.«
Ebenfalls im Oktober 1913 ist Georg Escherich in Abong Mbang. Escherich:
»Bewaldete Bodenwellen wechseln ab mit ausgedehnten Sumpfstrecken, bis wir gegen Mittag des 22. Oktober die auf einem flachen Hügel gelegene Station Abong Mbang erreichen. Die Station selbst ist nach dem Muster der bereits beschriebenen [einfachstes Bauwerk aus Lehm und Ziegeln, mit hohen Mauern und Türmen] kastell-artig im Vierecke erbaut, mit festgefügten Steinmauern umgeben und mit Schießscharten versehen. Der Bau harrt noch seiner Vollendung. Ist er aber einmal fertig, dann mag er seinen Zweck als Zwingburg für den Buschkrieg vollauf genügen. Als Forstmann hat mich das dabei verwendete Bauholz interessiert. Türen und Fensterstöcke sind aus verschiedenen hochedlen Maha-gonihölzern gefertigt; Hölzer, die bei uns heute großen Wert haben, dort aber zu Tausenden von Festmetern am Njong verfaulen.
Abong Mbang hat für den Handel Kameruns insofern eine besondere Bedeutung, als es der letzte schiffbare Platz am Njong ist. Der Verkehr von Duala nach dem neuerworbenen Sanga- und Bongagebiet [in Neukame-run] bewegt sich hauptsächlich über Abong Mbang. Freilich ist die Verfrachtung der Güter bis hierher durchaus nicht einfach. Zuerst auf der Eisenbahn, dann auf dem Landweg und erst für die letzte Strecke auf dem Njong. Der Bedeutung dieses Umschlagplatzes entspre-chend sind hier auch die wichtigsten Firmen Kameruns vertreten. Sie haben sich der Station gegenüber auf einem flachen Rücken angesiedelt. Die Hauptfaktoreien der größeren Küstenfirmen transportieren ihre Ware mit eigenen Booten, worunter sich auch neuerdings Motorboote befinden, von der Jaundestraße aus den Njong herauf nach Abong Mbang. Von hier aus wird wiederum mittels der Träger das Hinterland beliefert. Man sieht also, wie ungeheuer schwierig die Verkehrs-verhältnisse in Kamerun heute noch sind. …
Abong Mbang hat ein richtiges Telefonnetz. Alle grö-ßeren Firmen sind angeschlossen, was bei der Weitläu-figkeit der dortigen Anlagen unendlich viel Zeit und Kraft erspart. Auch ich habe dies dankbar empfunden und in wenig Stunden alles besorgt, was ich brauchte. —
Am nächsten morgen 6½ Uhr geht es schon wieder weiter. Gleich hinter der Njongbrücke beginnt ein etwa 1600 Meter langer, hoher Lehmdamm, der durch einen breiten, ungangbaren Sumpfstreifen führt. — Längs die-ses Wegdammes stehen in Wasser und Sumpf die eisernen Telegraphenstangen. …
Auf der Strecke von Abong Mbang nach Dume finden zur Zeit ausgedehnte Wegebauarbeiten statt. Es soll ein breiter Fahrweg, der auch für Automobile benutzbar ist, diese beiden wichtigen Punkte verbinden. Selbstver-ständlich macht sich der Wegeneubau in der Haupt-sache die durch die Telegraphenlinie an und für sich geschaffene Urwaldlichtung zu nutzte, wie dies auch planmäßig vorgesehen war. Die Wegbauarbeiten, deren Oberleitung ein weißer Sergeant der Station Dume hat, scheinen recht gut und zweckmäßig eingeteilt zu sein. Wir finden auf größere Entfernung verteilt geräumige, neuerrichtete Unterkunftshäuser, in denen mehrere hundert Arbeiter untergebracht sind. Es wird in kleinen Abteilungen gearbeitet, die eine gut überlegte Arbeits-teilung erkennen lassen.«
Am 28. September 1914 erreicht die Krankenschwester Grete Kühnhold mit ihren Trägern von Dume kommend Abong Mbang. Sie schreibt:
»Nach drei Tagen war Abongmbang erreicht: die Station fand ich sehr zu ihrem Vorteil verändert. Waren doch in der kurzen Zeit von zehn Monaten neue Häuser erbaut, hübsche Blumenanlagen geschaffen worden. Ich bezog das ebenfalls neue Rasthaus…«