1904 beginnt nach der Auflösung der Station Ssanga-Ngoko der Bau der Militärstation Lomie. Lomie ist der Sitz des Bezirksamtes des Bezirks Lomie im Süden Kameruns. Das Deutsche Kolonial-Lexikon vermerkt über Lomie:
»Die Zahl der Weißen im Bezirk war im Jahre 1912 84. Es sind Angehörige des Bezirksamts, der Polizeistation und der vier europäischen Faktoreien. Lomie hat eine Post-agentur. Die große Poststraße Molundu-Lomie-Ebolowa-Kribi verbindet es mit der Küste. Die Kautschukkara-wanen aus dem Südostzipfel von Kamerun gehen über Lomie zur Küste. Eine andere Handelsstraße verbindet Lomie mit der Dumestation im Norden.«
Im Oktober 1913 erreicht Georg Escherich nach mona-telangem Aufenthalt im Urwald Lomie. Escherich:
»Am 16. Oktober zeigten schon die immer besser und breiter werdenden Straßen die Nähe Lomies an. Als dann gar in einem Vordorfe uns der erste Haussa-Händler begegnet, und in einem Straßenbasar primi-tivster Art europäische Schundwaren anbietet, da mutet es uns fast wie der Anfang der Zivilisation an. Im Busch wird man außerordentlich bescheiden. —
Große Farmen liegen zu beiden Seiten des Weges, da-zwischen in weiten Abständen die Siedlungen der wei-ßen Kaufleute. Das Weichbild von Lomie hat begonnen. Auf mehrere Kilometer im Durchmesser ist der Urwald freigeschlagen, um Raum zu schaffen. …
Auf einem Hügel ein weißes Steinhaus mit Wellblech-dach, das, von einem tropischen Schlinggewächs um-wuchert, fast den Eindruck eines rebenumrankten Hau-ses unserer Heimat macht. Es ist das Bezirksgericht. Dann eine Reihe von Mattenhäusern, die ihren Ab-schluß in der burgartig erbauten Station finden. Diese ist im Stile der meisten innerafrikanischen Festen gehal-ten: einfachstes Bauwerk aus Lehm und Ziegeln, mit hohen Mauern und Türmen. So etwa, wie wir uns die Ritterburgen früherer Zeiten in ursprünglicher Form vorstellen. Nur der Wassergraben fehlt und die Zug-brücke. Für den afrikanischen Krieg aber, bei dem es sich damals nur um die Abwehr der mit den primitivsten Waffen ausgerüsteten Schwarzen gehandelt hat, sind diese Bauten vollkommen genügend. Jedenfalls bieten sie den in ihren Einzelhäusern, Farmen und Faktoreien bedrohten Weißen sichere Aufnahme und Schutz.
Als Quartier wird mir von dem gefälligen Gouverne-mentssekretär Gülholtz — der Bezirksamtmann war beurlaubt, der Assessor auf Dienstreise — ein altes, aus Lehm und Matten hergestelltes Beamtenhaus angewie-sen. Im großen, kahlen Hauptraume wird mein Feldbett aufgeschlagen und das Gepäck verstaut. Dann geht’s so rasch als möglich zum Regierungsarzte, um für die Auf-nahme des braven Ali zu sorgen.« Der schwarze Soldat Ali war bei einer Leopardenjagd von diesem angefallen worden, bis Escherich das Raubtier erschießen konnte. Der Soldat hat schwere Fleischwunden davongetragen. Er bleibt in Lomie zurück und kann dort von Dr. Bau-devin wieder vollkommen hergestellt werden.
»Am nächsten Nachmittage geht es schon wieder weiter, um noch den Regierungsposten Acka zu erreichen. Dort wollte ich Einblick in die Kassadafarmen und Gummi-pflanzungen nehmen. Der Abend brachte wieder ein-mal ein schweres Gewitter. Dem folgte ein wundersa-mes, lange andauerndes Wetterleuchten, wie ich es nie wieder gesehen habe. Der ganze Himmel stand zeitweise in Flammen. An drei bis vier Stellen gingen in weiter Ferne Gewitter nieder. Ununterbrochen durchzuckten Blitze das Firmament und dabei ist kein Ton hörbar. Lautlose Stille liegt auf dem unendlichen Urwaldmeere, trotz der in großer Entfernung tobenden Unwetter. Ein unvergeßliches Erlebnis.«