Das Deutsche Kolonial-Lexikon über:
»Ebolowa, Militärstation im gleichnamigen Bezirk in Kamerun im Bulelande, östlich vom Südkameruner Randgebirge gelegen. Mehrere kleine Bäche, die dem Mwila zuströmen, verbinden Ebolowa mit dem Fluß Kampo. Der Bezirk Ebolowa ist einer der bestbevöl-kerten in Kamerun, der Urwaldboden fruchtbar, das Klima bei 660 m Höhenlage relativ gesund. Da die Bule fleißige Landarbeiter zu werden versprechen, steht dem Bezirk eine Zukunft bevor. Der Urwald liefert reiche Erträge an Gummi; ferner führt die große südliche Handelsstraße von Molundu-Lomie über Ebolowa zur Küste nach Kribi. — Die Siedelungen von Ebolowa liegen zerstreut auf den Abhängen der Hügel und meiden die sumpfigen Bachläufe. Die ersten Ansiedler waren Missi-onare. 1900 wurde Ebolowa als Zwingburg angelegt, um die kriegerischen Bule zu unterwerfen, die ihre Raub-züge bis Kribi ausgedehnt hatten. Jetzt ist Ebolowa Militärstation, besitzt eine Postagentur und ein Lepra-heim. In Ebolowa sind zahlreiche europäische Fakto-reien.«
Ebolowa entwickelt sich zum Haupthandelsplatz für den Kautschukhandel in Südwestkamerun. Mit der Über-nahme von Neukamerun 1912/13 wird die militärische Besatzung, die 5. Kompanie der Schutztruppe von Kame-run, aus Ebolowa abgezogen, nach Neukamerun verlegt und der Bezirk wird in ein ziviles Bezirksamt umge-wandelt.
Martin Paul Samba, ein ehemaliger Soldat der Schutz-truppe, der sich in Ebolowa niedergelassen hat und dort als Handelsvertreter arbeitet, kann im Frühjahr 1914 ein Putschversuch gegen die deutsche Herrschaft nachge-wiesen werden. Samba und zwei Mitverschwörer wer-den unter dem Vorwurf des Hochverrates verhaftet. Samba wird am 8. Mai 1914 in Ebolowa erschossen und die beiden Mitverschwörer am selben Tag in Kribi ge-hängt.
Der Kolonialsachverständige Paul Rohrbach läßt über den Putschversuch im November 1914 verlauten:
»Der dumme Teufel hat den Ehrgeiz besessen, König der Bulus werden zu wollen und sich zu dem Behuf mit einigen Häuptlingen, namentlich dem zu Nkomakak im Kribi-Gebiet ansässigen Edande, und einem farbigen Lehrer der amerikanischen Mission in Nkomakak in Verbindung gesetzt. … Natürlich sollten die Weißen erst mal ermordet und zum Lande hinausgejagt werden … Ihr Putschversuch stellt meiner Ansicht nach nichts weiter dar, als die wahnwitzige Unternehmung ein paar ›Gebildeter‹.«
Die Krankenschwester Grete Kühnhold ist im Juni 1915 in Ebolowa und schreibt darüber:
»Auf dem wöchentlich stattfindenden Markte boten die Eingeborenen der näher und ferner gelegenen Ortschaf-ten die Erzeugnisse ihrer Farmen in reichen Mengen feil… Die Haussa, die Händler des Schutzgebietes, auch hier in einem besonderen Dorfe in der Nähe Ebolowas wohnend, versorgten Ebolowa damit [mit Fleisch]. Sie schlachteten allerdings nur Kleinvieh.«