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Wissenschaft und Expeditionen

Mit einem wissenschaftlichen Paukenschlag eröffnet Robert Koch 1876 den Kampf gegen die gefährlichsten Krankheiten. Ihm gelingt es, den Erreger des Milz-brands außerhalb des Organismus zu kultivieren und dessen Lebenszyklus zu beschreiben. Dadurch wird erstmals lückenlos die Rolle eines Krankheitserregers beim Entstehen einer Krankheit beschrieben.

Seit 1883 ist Robert Koch immer wieder weltweit auf Expeditionen, auch in deutschen Kolonien. 1905/06 leitet er eine Expedition nach Deutsch Ostafrika zur Untersuchung der Schlafkrankheit. Diese Reise unter-bricht er, um 1905 den Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers in Stockholm entgegenzunehmen. Koch stirbt 1910 auf einer Kur in Baden Baden, auch geschwächt durch mehrere Tropen-krankheiten, die er sich im Laufe seines Lebens zuge-zogen hat.

Berlin wird das logistische Zentrum für bahnbrechende Experimente und Expeditionen im Feldzug gegen die Krankheiten. Ob in Choleraleichen am Ganges oder in den Zecken an den Karawanenstraßen Afrikas, überall spüren »Mikrobenjäger« nach den Ursachen der Seu-chenzüge. Neue Medikamente und vorbeugende Maß-nahmen der Hygiene erleichtern das Leben in den Tropen, während Fernreisen in die Tropen und Kolo-nialwirtschaft boomen. Entschlossene Forscher vermö-gen in den Kolonien die Auslöser und Übertragungs-wege vieler gefürchteter Tropenkrankheiten aufzuklä-ren. Es ist die Grundlage für eine wirksame Seuchenbe-kämpfung auch in den Mutterländern. Die deutsche Tropenmedizin macht gewaltige Fortschritte, die der gesamten Menschheit zu Gute kommen. Vor allem deutsche Forscher leisten Pionierarbeit. Wagemutige Mediziner begeben sich auf oft abenteuerlichen Expe-ditionen zu den Ursprüngen der Seuchen. Dabei setzen diese Forscher in ihrer Begeisterung, vielleicht auch in ihrem brennenden Ehrgeiz zu wissenschaftlicher Leis-tung, nicht nur ihre Gesundheit, sondern in vielen Fällen auch ihr Leben aufs Spiel. So lassen sich manche der wissenschaftlichen Kolonialexpeditionen nur als Himmelfahrtskommandos mit ungewisser Rückkehr-aussicht bezeichnen. Doch die Ergebnisse dieser medizi-nischen Forschungsreisen – ob sie nach Afrika, Asien oder in die Südsee führen – sind bahnbrechend. Erst-mals können gezielte Gegenmaßnahmen gegen immer wieder auftretende Epidemien mit vielen Tausenden von Toten ergriffen werden. Indem man Mikroorga-nismen als Auslöser erkennt und ihre Übertragungs-wege aufklärt, müssen Seuchen nicht länger als gött-liche Bestrafung oder unabänderliches Unglück be-trachtet werden. Zudem entwickeln die Forscher viele mikrobiologische Methoden. Alle wichtigen bakteriel-len und parasitären Erkrankungen werden einer wissen-schaftlichen Untersuchung und Bekämpfung zugäng-lich. Der Tropentourismus und die Kolonialwirtschaft profitieren davon.


Der Botanische Garten in Berlin ist eine wichtige Ein-richtung für die deutschen Kolonien. Die im Botani-schen Garten im Anbau tropischer Pflanzen gewonne-nen Erfahrungen können für die Kolonialgebiete nutz-bar gemacht werden. Aufgrund mehrjähriger Verhand-lungen mit dem Auswärtigen Amt richtete der Botani-sche Garten 1891 eine »Botanische Centralstelle für die Colonien« ein. Durch die Verlegung des Berliner Botani-schen Gartens von Schöneberg nach Dahlem im Jahre 1899 kann im neuen großen Gartengelände auch der »Botanischen Zentralstelle für die Kolonien« ausrei-chender Platz eingeräumt werden. Sie verfügt über zwei mit allen technischen Einrichtungen ausgestattete Warmhäuser und eine Freifläche, auf der auch im deutschen Klima gedeihende Pflanzen der Kolonial-gebiete angepflanzt werden. Mit Hilfe der Botanischen Zentralstelle werden in den Schutzgebieten botanische Versuchsgärten ausgestattet, ständig erweitert und er-gänzt. Die botanischen Gärten in Amani (Deutsch Ost-afrika) und Viktoria (Kamerun), die Versuchsgärten in Misahöhe und Sokode (Togo) und in Rabaul (Deutsch Neuguinea) verdanken den größten Teil ihres Pflanzen-bestandes den bereits seit etwa 1890 erfolgten Zusen-dungen durch die Botanische Zentralstelle. Bis zum Jahre 1907 sind schon etwa 16.500 Exemplare lebender Pflanzen in die tropischen Schutzgebiete verschickt worden. Aufgabe der Botanischen Zentralstelle ist auch die Schulung und Unterrichtung der Gärtner, die in die Kolonien gehen, sowie aller botanisch interessierten Reisenden. Botaniker des Berliner Botanischen Gartens beteiligen sich auch an den großen Forschungsexpedi-tionen in die koloniale Welt.


Kein Staat der Welt mit einem Kolonialreich hat auf eine so intensive meteorologische Durchdringung sei-ner Kolonien hingewirkt, wie das Deutsche Reich mit seiner kolonialen Klimatologie. Insbesondere die Kai-serliche Marine ist an Daten für die Vorhersage des Wetters auf den Weltmeeren interessiert. Die Ursachen der überseeischen Wettererscheinungen liegen aber vielfach nicht allein auf dem Meer, sondern auch auf dem Festland. Deshalb wurde die freiwillige Mitarbeit der Überseedeutschen an der geophysikalischen Erfas-sung des gesamten Erdraumes eingeleitet. 1914 machen mehr als 1000 überseedeutsche freiwillige Beobachter in den Kolonien aus eigenem Interesse für ihre Pflan-zungen und Siedlungen meteorologisch Beobachtun-gen. Ausgerüstet sind sie mit Instrumenten und Anwei-sungen der Deutschen Seewarte und unterstützt vom Reichskolonialamt. Die in Hamburg beheimatete See-warte ist der Kaiserlichen Marine unterstellt. Das gewal-tige Beobachtungsmaterial wird von der Seewarte statis-tisch bearbeitet und in den Heften Deutsche übersee-ische meteorologische Beobachtungen der Deutschen Seewarte veröffentlicht.