Haben die anderen deutschen Afrikakolonien militä-rische Schutztruppen, hat das kleine Togo nur eine Polizeitruppe, die aber auch die Aufgabe einer Schutz-truppe erfüllt. Der Truppe steht ein deutscher Offizier mit einem Stellvertreter und deutschen Unteroffizieren als Polizeimeister vor. Die Mannschaften der Polizei-truppe werden als Söldner per Handschlag auf fünf Jahre verpflichtet. Besondere Funktionäre wie Hornis-ten und Handwerker dienen ein Jahr länger. Viele ver-längern ihre Dienstzeit und so gibt es auch nicht wenige Polizeisoldaten in Togo mit zehn-, fünfzehn- oder zwan-zigjähriger Dienstzeit.
Die Truppe ist zug- oder kompanieweise auf die Bezirke und Stationen verteilt. In der Hauptstadt Lome liegt der Stammverband der togolesischen Truppe in Kompanie-stärke garnisoniert. Die Truppe exerziert nach dem Dienstreglement der preußischen Armee. Die Uniform besteht im zivilen Einsatz aus einem braunem Khaki-anzug mit versilberten Knöpfen. Eine breite rote Tuch-schärpe verleiht dem Soldaten ein malerisch-schnittiges Aussehen, welches durch einen mit dem silbernen Reichsadler verzierten Tarbusch (türkischer Filzhut) eine gefällige Erhöhung erfährt. Für den Einsatz im Feld besteht die Ausrüstung des Mannes aus Leibriemen mit Brotbeutel und Feldflasche, Buschmesser, Spaten, Hak-ke oder Beilpicke. Der Tornisterbeutel, hergestellt aus braunem, ledergesäumtem Segeltuch, trägt Decke, Zelt-bahn mit Zeltschnur und Heringen. Im Busch legt der Soldat Beinwickel und Ledersandalen an, wodurch ein erhöhter Beinschutz und daraus folgernd eine bessere Marschfähigkeit der Truppe erreicht wird. Als Waffe trägt der Soldat ein Gewehr von Mauser Modell 71/84 mit Hirschfänger, also Seitengewehr.
Den letzten Einsatz der Truppe zur Sicherung der deut-schen Herrschaft führt sie im April 1900 in einem drei-tägigen Gefecht gegen den Stamm der Dagomba im Raum Jendi im Norden Togos. Das letzte Gefecht davor hatte die Truppe im Dezember 1896 ebenfalls gegen die Dagomba. Seit dem 10. April 1900 herrscht endgültig Landfrieden in Togo.
Die Verwaltung der Polizeitruppe sitzt in Lome, wo auch die Stammkompanie liegt, Die Stammkompanie in Lome steht dem Gouverneur unmittelbar zur Verfügung. Die Stammkompanie ist auch für Grundausbildung aller Rekruten der Truppe zuständig. Die Stärke der Truppe liegt bei einem Dutzend Deutschen und 550 einhei-mischen Unteroffizieren und Polizeisoldaten. Von den neun Stationsorten im Land wird 1914 bereits die erste nicht mehr von einem deutschen Unteroffizier, sondern von einem einheimischen Unteroffizier geführt, es ist die Station Atakpame im Süden Togos.
Nach Fertigstellung der Großfunkstation Kamina 1914 wird von Gouvernement in Togo bei der Reichsregie-rung in Berlin die Schaffung besonderer Verteidigungs-anlagen beziehungsweise die Aufstellung einer beson-deren Schutztruppe für die Funkstation beantragt. Im Kriegsfall dient Kamina zur Warnung der deutschen Schiffahrt im Atlantik und zur Verbindung mit den anderen deutschen Kolonien in Afrika und ist also Reichsangelegenheit und ein militärischer Schutz der Anlage müßte also auch vom Reich getragen werden, aber Berlin lehnt die Finanzierung einer Verteidigung der Funkanlage ab.
Der Staatssekretär des Reichskolonialamtes, Dr. Wil-helm Solf, besucht im Oktober 1913 Togo und im Juni 1914 der Unterstaatssekretär des Reichskolonialamtes, Dr. Peter Conze, wobei vor den beiden höchsten Beam-ten des Kolonialministeriums jeweils die Polizeitruppe in Lome paradiert.