Die Hauptverkehrswege im Land sind durch die Kara-wanenrouten bestimmt. Die Grundlage des Verkehrs in Kamerun bilden die Wege der Karawanen, die die deut-sche Verwaltung ausbaut und zusätzliche Fußwege im Lande schafft. Eine dieser deutschen Karawanenstraßen läuft von der Hauptstadt der Bumam, Fumban, nach Nordosten über die Berge von Ribao nach Banjo und ist eine beachtliche technische Anlage auch für die Verbes-serung des Verkehrs mit den Residenturen im Norden Kameruns.
Zum 10. September 1913 werden die Einfuhrzölle nach Kamerun erhöht und man nutzt diese dann zeitgleich um das Wegenetz zugunsten der Erbauung von Auto-mobilstraßen weiter auszubauen. Somit kommt das mehr gezahlte Geld allen, vor allem aber der Wirtschaft zu gute.
Der Deutsche Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahr-buch von 1914 führt in seinem Kapitel »Die Entwicklung Kameruns im Jahre 1913« aus:
Wenn das Gouvernement aus hier nicht näher darzu-legenden, aber zwingenden Gründen den lange erörter-ten Plan einer sogenannten Südbahn fallen gelassen hat, so verkennt es andererseits nicht die unabweisbare Not-wendigkeit, den Süden des Schutzgebietes durch ein ausgedehntes Wegenetz zu erschließen und an die mitt-leren, von der Bahn bedienten Bezirke anzuschließen; denn die Bedeutung des Südens für die wirtschaftliche Entwicklung Kameruns steht außer Frage. Im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel, deren wesentliche Erhöhung in Aussicht genommen ist, wurde daher auch im Berichtsjahre eifrig am Ausbau der Wege gearbeitet.
Als Ausgangslinie des ganzen Wegesystems im Süden ist die große, von Kribi über Lolodorf nach Jaunde füh-rende, 286 km lange Hauptstraße nebst ihrer Abzwei-gung nach Ebolowa anzusehen. Auf dieser Strecke ist im Laufe des Jahres der Ersatz der alten Holzbrücken durch Beton- und Eisenbetonbauten bis etwa 80 km gediehen; auch sonst sind erhebliche Verbesserungen vorgenom-men, so daß sich die Jaunde-Straße immer mehr zu einer auch für Lastautomobile brauchbaren, wenn auch noch mit einiger Vorsicht zu benutzenden Verbindung gestal-tet. Es haben sich daher auch schon mehrere Firmen zu einer Südkameruner Lastautomobil-Gesellschaft m. b. H. vereinigt. Auch die Regierung bedient sich für ihre Zwecke schon einiger Kraftwagen.
Soweit der Deutsche Kolonial-Atlas. Albert Schweitzer schreibt im August 1914:
»In Kamerun ist der Urwald durch ein ausgezeichnet unterhaltenes Wegenetz durchzogen, das dem Handel sehr zugute kommt und die Bewunderung aller fremden Kolonisten bildet. Geht diese große Arbeit aber nicht auf Kosten der Bevölkerung und ihrer vitalen Interessen? Daß man dort schon so weit ist, Weiber zur Fronarbeit für die Unterhaltung der Wege heranzuziehen, gibt mir zu denken.«
Besonders schwierig ist der Wegebau im Urwald von Südkamerun. Dort ist 1913 Georg Escherich unterwegs:
»Weiter und weiter geht der Urwaldmarsch in gleicher Eintönigkeit und Langeweile. Nur das durch die zahl-reichen Gewitter der Lateritboden besonders schlüpfrig und glatt geworden ist, und allenthalben größere und kleinere Wasseransammlungen sich gebildet haben. Ein Glück, daß in diesen Hochwassergebieten die Wege dammartig herausgehoben, und daß über alle Sumpf- und Wasserstellen Holzbrücken geschlagen sind. Eine derartige, „buschmäßig“ hergestellte Brücke über den Dscha ist mir noch in besonders guter Erinnerung. Sie ist etwa 50 m lang und ausschließlich aus Buschmaterial gebaut, ohne Zuhilfenahme irgendwelcher Eisenteile. Der Brückenbelag besteht aus mehreren Schichten dünner, höchstens fingerstarker Ruten, die übereinan-dergelegt und mit Bast an ihren Unterlagen befestigt sind. Die ursprüngliche Scheu, mit meinem Reittier [einem Maultier] diese schwankenden Brücken zu be-treten, hatte ich bald verloren, nachdem ich mich von ihrer Tragfähigkeit überzeugt hatte. Freilich müssen sie häufig nachgesehen und spätestens alle zwei Jahre er-neuert werden.
Mehr und mehr nähern wir uns der Niederung des Njong-Flusses. Dies zeigen schon das allmählich sump-figer werdende Gelände und die ausgedehnten, zur Zeit überschwemmten Raphiasümpfe, die auf kilometerlan-gen, sorgfältig erbauten Dämmen überschritten wer-den.«
Escherich beschreibt auch die »Europäer-Rasthäuser. Sie sind gewissermaßen die ursprünglichsten Anfänge von Hotels und bestehen aus einzimmerigen aus Buschmaterial hergestellten Hütten, die bestenfalls noch einen verandaähnlichen Vorbau haben. Meist sind noch ein oder mehrere kleine Hütten daneben als Unterkunft für die schwarze Begleitung und als Stall für die Reittiere. War die ganze Einrichtung auch nur buschmäßig, so hatte man doch wenigstens ein Dach über dem Kopfe und brauchte nicht Tag für Tag das Zelt aufzuschlagen. Die ganzen Anlagen standen unter dem Schutz der Bezirksverwaltung, die den Dorfältesten ver-pflichtete, sie in sauberem und stets gebrauchsfähigem Zustande zu halten. Solche Rasthäuser sind an den meisten der größeren Straßen angelegt, und zwar in Dörfern, die sich besonders als Nächtigungsplatz für eine Karawane eignen.«
Über den Bau von auch für Kraftfahrzeuge benutzbare Straßen im Jahre 1913 in Kamerun schreibt Escherich an Hand der durch den tropischen Urwald führenden Straße Dume-Abong Mbang:
»Es wird in kleinen Abteilungen gearbeitet, die eine gut überlegte Arbeitsteilung erkennen lassen. So finden wir an der Spitze der Arbeiterkolonnen den Rodungstrupp, bestehend aus den kräftigsten Eingeborenen. Ihnen fällt die schwerste Arbeit zu, nämlich das Baugelände von jeglichen Stamm- und Wurzelteilchen zu reinigen. Die nachfolgenden Arbeiterabteilungen haben die Erdbewe-gungen durchzuführen, die nächsten die Planierungs- und Beschotterungsarbeiten vorzunehmen. Andere sind mit Ziehen der Seitengräben und Festschlagen der Bö-schung beschäftigt, und am Schlusse folgen noch Frau-en zur Bepflanzung der Wegränder mit Zitronellagras. Überall wird fleißig gearbeitet, und die gut durchdachte Arbeitsgliederung zeigt deutsche Ordnung und deut-sches Organisationstalent, das sich auch im tiefsten Urwalde Afrikas nicht verleugnet.«