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Kilwa Kiwindsche

Kilwa Kiwindsche, auch Kilwa Kiwindje geschrieben, liegt an der südlichen Küste von Deutsch Ostafrika. Das Deutsche Kolonial-Lexikon:

Kilwa-Kiwindsche, das ist das Kilwa der Casuarinen, Küstenstadt in Deutsch-Ostafrika, ist Hauptstadt des Be-zirks Kilwa. 4 km nördlich mündet der Matandu und ein alter Eingangsweg ins Binnenland, der bis zur Befesti-gung der deutschen Herrschaft eine wichtige Sklaven-straße war. Die Sklavenhändler waren hier im Araber-aufstand [1888-90] besonders tätig. Der Strand von Kilwa-Kiwindsche ist sehr flach, so daß die Schiffe der Deutsch-Ostafrikalinie etwa 3 km vom Land auf wenig geschützter Reede ankern müssen. Die Dhaus gehen bei Hochwasser dicht ans Land, lassen sich dann trocken fallen. — Kilwa-Kiwindsche liegt auf einer jungen Strandterrasse, im Hintergrund erhebt sich etwa 5 km von der Küste der flache Ssinginoberg zu 167 m Höhe. Er liefert der Stadt das Wasser. Kilwa-Kiwindsche  besitzt Post, Telegraphen, Zollamt, es dürfte jetzt kaum 4000 Einwohner haben.

Die Zahl der im Jahr 1908 (seither keine Einzelangaben für Kilwa-Kiwindsche  veröffentlicht) angekommenen größeren Dampfer betrug 40 mit 117.600 Register-tonnen, ferner 53 Gouvernementsdampfer mit 12.495 Registertonnen. Der Dhauverkehr war früher von Be-deutung. Noch 1901 kamen an 875 Dhaus mit 11.032 cbm Rauminhalt; 1908 waren die entsprechenden Zahlen nur noch 360, 5477; 1912: 224, 4924. Die Einfuhr und Ausfuhr hatte 1908 einen Wert von 0,705 und 1,342, 1912 von 1,125 und 1,186 Millionen Mark. Im allgemeinen sind die Werte in den letzten 10 Jahren langsam gewachsen, allerdings viel weniger als in Deutsch-Ostafrika insge-samt. Für die Ausfuhr sind wichtig: Baumwolle, Öl-früchte als Sesam und Kopra, Lianenkautschuk, Wachs und etwas Elfenbein; bei der Einfuhr betragen die Textilwaren die Hälfte des Gesamtwertes, daneben sind Reis und Metallwaren zu nennen.

Über das 40 Kilometer weiter nördlich gelegene Kilwa Kissiwani schreibt das Kolonial-Lexikon:

Kilwa-Kissiwani, das ist Kilwa auf der Insel, Ort und Insel an der Küste von Deutsch-Ostafrika. 1. Die Insel ist etwa 18 qkm groß, besteht aus gehobenem Riffkalk, hat hübsche Vegetation, auf der Landseite Mangroven. Die Entfernung vom Festland beträgt nach Norden 1,7 km. Hier liegt ein S-förmiger Meeresarm, der überall auf 0,6 km Breite mindestens 20 m Wasser hat; er führt in den noch tieferen, sehr geräumigen Beaver-Hafen, einen Creek des Festlandes, in dessen Hintergrund der Ma-wudji mündet. Er ist wohl der beste Hafen von Deutsch-Ostafrika und der gegebene Ausgangspunkt für eine Eisenbahn zum Njassa, die den Süden von Deutsch-Ost-afrika zu erschließen hätte.

2. Der Ort Kilwa-Kissiwani ist heute ein unbedeutendes Dorf.

Das »unbedeutende Dorf«, wie das Kolonial-Lexikon 1914 schreibt, hat aber eine große Zukunft, während für Kilwa Kiwindsche die Zeit abläuft. Der Deutsche Kolo-nialatlas mit Jahrbuch 1906 schreibt: »Die Südbahn Kilwa—Wiedhafen [am Njassasee] ist zum Teil trassiert und erkundet.«

Doch die Entscheidung für den Bau der Mittellandbahn statt der Südbahn läßt das Projekt zunächst in weite Ferne entschwinden. Der Bau der geplanten Südbahn von Kilwa Kissiwani nach dem Nyassasee, wurde durch gewichtige Gründe verhindert. Der spätere Anschluß des Nyassasees an die Mittellandbahn und damit die Konzentrierung des Verkehrs nach einem Hafenplatz, muß eine Verbilligung des gesamten Umschlags zur Folge haben, und ließ deshalb das Fallenlassen der Südbahn geraten erscheinen. Damit war für absehbare Zeit das Schicksal des schönen Hafens von Kilwa Kissiwani entschieden. Die romantische Insel träumte mit ihren geheimnisvollen, lianenüberrankten Ruinen nun ihren Dornröschenschlaf weiter, aber nun ist für die wirtschaftliche Entwicklung des Südens der Kolonie der Bau der Südbahn fest eingeplant und damit könnte der Hafen von Kilwa Kissiwani die Reede von Kilwa Kiwindsche als Warenumschlagplatz ablösen. Spätes-tens seit 1912 ist aber Lindi als Ausgangspunkt der Südbahn festgelegt.