Das Deutsche Kolonial-Lexikon über: Tabora, Hauptort des zentralen Hochlandes von Deutsch-Ostafrika, Sitz des Bezirksamtes des gleichnamigen Bezirks. Der Ort Tabora liegt etwa im Mittelpunkt von Unjanjembe in einer weiten flachwelligen Mulde, die in einiger Ent-fernung von gerundeten Hügelzügen bis zu 100 m überragt wird. Alles feste Gestein ist Granit, oft in gewaltigen Felsblöcken aufgetürmt. Alles Wasser — abgesehen von der Regenzeit — ist Grundwasser. Die Einwohnerzahl des sehr weitläufigen Ortes mit seinen vielen Mangobäumen ist jetzt etwa 30.000. Die neue Lage an der Zentralbahn ist sehr bedeutsam, zumal hier bald die Ruandabahn sich abzweigen wird. Heute ist die stattliche neue Boma auf dem Uleiahügel, 90 m ins Geviert groß, der Mittelpunkt der deutschen Macht im zentralen Hochland. Hier steht die 8. Kompagnie der Schutztruppe. In der Nähe liegen die Wohnhäuser der Europäer. 110 Mann Polizeitruppe haben ihr Quartier in der Nähe des großen Marktes.
1913 waren in Tabora 26 deutsche Firmen, darunter vier Gasthäuser, eine Apotheke vertreten, ferner etwa 9 indische Firmen; noch 6 Jahre früher waren erheblich mehr Farbige, besonders auch Araber, viel weniger Europäer hier im Handel tätig. Tabora hat ein Bezirks-gericht, Hospital, Post, Telegraphen mit Draht nach Daressalam, Kigoma, Muansa, Funkenstation im Bau. Die Bahnstation liegt 848 km von Daressalam, 1199 m ü. d. M.
Soweit das Kolonial-Lexikon. Mit dem Beginn des Bahn-verkehrs von Daressalam nach Tabora im Juli 1912 er-folgt ein großer Wandel für die Stadt. Der Warenver-kehr wird auf die Schiene umgelegt und der Karawanen-handel kommt zum Erliegen. Zahlreiche deutsche Handelsfirmen werden hier im tiefen Innenland von Deutsch Ostafrika ansässig und der Handel blüht auf. 1914 sind Pläne vorgesehen für die Entwässerung und die Kanalisation von Tabora.
Spätestens seit 1912 ist in Tabora auch die Großfunk-station für Deutsch Ostafrika fest eingeplant und 1914 beginnen die Bauarbeiten an der Anlage. Auch beginnt 1914 der Bau der Bahn nach Ruanda von Tabora aus.