Der Schutztruppenoffizier Major Ludwig von Estorff schreibt 1901, nach zweijähriger Abwesenheit von Deutsch Südwestafrika: »In Windhuk sind viele neue Häuser entstanden, eine schöne Parkanlage um das neue Kriegerdenkmal herum…«
Am 19. Juni 1902 fährt der erste Zug auf der nun fertiggestellten Bahnlinie Swakopmund – Windhuk in Windhuk ein.
1904 schreibt ein deutscher Soldat über die Hauptstadt von Deutsch Südwestafrika: »Sie ist eine kleine Stadt, sehr weitläufig und ganz unregelmäßig gebaut. Hier und da zerstreut stehn ihre plattdachigen, weißen Häuser auf sandiger, grauer Erde; dazwischen stehn vereinzelt dürftige Bäume.« Weiter schreibt dieser Soldat, der im Februar 1904 aus Deutschland kommend in Windhuk eintrifft – im Januar 1904 hat der Aufstand der Herero in Südwestafrika begonnen – : »Wir keuchten in voller Bepackung [vom Bahnhof von Windhuk] durch Sand und Sonne zu der Feste hinauf, die auf einem mäßigen Hügel lag. Im Hof der Feste, der voll von buntem Leben war, traten wir auseinander.
Was war das für ein Leben das nun anging! Wir hatten vier Tage lang die Kleider nicht ausgehabt und uns nicht gewaschen. Wir hatten auch drei Tage lang keinen tüch-tigen Schluck Wasser getan. [Auf der Bahnfahrt von Swakopmund nach Windhuk.] Nun waren da Hähne an der Mauer des Hofes, aus denen warmes, fast heißes Wasser lief, das aus dem Berg kam. …
Es gingen da Schutztruppler in ihrer Korduniform, braunsamtener Rock und Pluderhose und Reitstiefel. Dazu grauer Schlapphut. Sie waren schon meist jahre-lang in diesem Lande. …
Es waren aber auf dem Hofe der Feste auch Weiber von den Feinden, von denen einige jung und nicht unschön waren, die meisten aber welk und häßlich. Sie holten sich Wäsche von den Soldaten und lungerten herum, schmutzig, eine kleine Pfeife im Munde. Es gefiel mir nicht, daß einige von uns sofort an sie herantraten und durch Gebärde und einige englische oder plattdeutsch-holländische Worte mit ihnen scherzten.
Es waren auch Buren auf dem Hof, stattliche braune, langbärtige Männer in Kord- oder Khakiuniform. Die deutsche Regierung hatte sie als Frachtfahrer angenom-men. Mächtige, vierräderige Wagen, sogenannte Kap-wagen, mit einer Leinwandplane überdeckt, standen auf dem Hof. Diese Wagen sollten morgen mit uns auszie-hen und uns Proviant und Futter in die Wildnis schlep-pen.«
Als dieser Soldat, Gustav Frenssen, nach Monaten wie-der auf der Feste von Windhuk eintrifft, »sah ich im Hof einige Kameraden mit den Weibern der Hottentotten reden und lachen, und einer ging an mir vorüber und sagte, daß alle diese Weiber uns zu jeder Zeit zu Willen wären.«
Ende Mai 1909 findet der »Erste Deutsch-Südwest-afrikanische Farmertag« in Windhuk statt und die erste »Südwestafrikanische Landesausstellung« wird eröffnet, die nun alljährlich Ende Mai in Windhuk stattfindet.
Nach dreijähriger Bauzeit wird am 16. Oktober 1910 die evangelische Christuskirche feierlich eingeweiht. Ihre Orgel stammt aus Ludwigsburg, die Fenster aus Nürn-berg, die Glocken aus Apolda. Kaiserin Auguste Viktoria hat die Bibel gestiftet.
Am 27. Januar 1912 wird der „Südwester Reiter“ in Wind-huk enthüllt. Das Reiterdenkmal ist überlebensgroß aus Bronze gegossen zum Angedenken an die deutschen Opfer der Kämpfe vom Hottentottenaufstand von 1903 bis zur Kalahari-Expedition 1908.
Die in Windhuk wohnende Clara Brockmann:
»In den großen Verkaufsläden Windhuks kann man alles erhalten, was das Herz begehrt, und Luxus wird genug gezüchtet in dem eleganten kleinen Städtchen. Es lebt sich hier wie in Deutschland. Der Gesellschafts-verkehr steht in Blüte, Sport und Toilettenfragen spielen eine Rolle…«
Frau Brockmann schreibt auch: »Würde man einen Landsmann vor unser Windhuk stellen, so wird er ohne weiteres sagen, daß es eine kleine deutsche Stadt ist.«
1914 geht die Großfunkstation Windhuk in Betrieb. Sie hat eine Empfangs- und Sendereichweite bis Berlin.
Windhuk hat 1914 11.000 Einwohner. Im Deutschen Kolonial-Lexikon findet sich über die Stadt:
Windhuk, der Hauptort des Schutzgebietes Deutsch-Südwestafrika in rund 1650 m Meereshöhe am Ur-sprung des Hauptseitenriviers des Swakop gelegen, Sitz der Regierung. Windhuk ist sowohl Sitz des Gouver-neurs wie auch der Post- und Zollbehörde (zugleich Postamt, Telegraphenamt, Zollamt in Groß-Windhuk). Es ist ferner der Sitz des Kommandos der Schutztruppe, gleichzeitig auch Garnison einer größeren Abteilung. Die Rheinische und die katholische Mission besitzen Stationen in der Hauptstadt. An Schulen für weiße Kinder sind vier vorhanden, eine Regierungs- und eine Realschule sowie eine Mädchenschule der katholischen Mission in Groß-Windhuk und eine Schule in dem unmittelbar benachbarten Klein-Windhuk. Windhuk ist Endpunkt der von Swakopmund ausgehenden Bahn-linie und Anfangspunkt der über das Auasgebirge geführten Nordsüdbahn. — Der Hauptort nimmt das Gehänge eines südnördlich gerichteten Tales ein, das nach Westen zu von den zu immer größerer Höhe hintereinander aufsteigenden Hügelwellen des Komas-abhanges begrenzt wird. Dem oberen Rande des Stadt-hügels entströmen die heißen Quellen, denen der Ort seinen hottentottischen Namen „Eikhams“ (Feuerwas-ser) verdankt. Ein niedriger Paß führt über diesen Berg-rücken nach Osten in das Tal des eigentlichen Windhu-ker Riviers; dem unteren Gehänge eines diese Senke im Süden begrenzenden Berges entströmen ebenfalls eini-ge allerdings den Sprudeln von Groß-Windhuk an Er-giebigkeit nachstehende Quellen. Dieses Tal umfaßt die Siedlung von Klein-Windhuk. Windhuk ist, Swakop-mund und Lüderitzbucht ausgenommen, der einzige Ort im Schutzgebiet, der auf den Namen einer Stadt auch im europäischen Sinne in vollstem Maße Anspruch ma-chen kann. Zudem ist es der Sitz der meisten Einzel-firmen innerhalb des Schutzgebietes und daher der Mit-telpunkt des geschäftlichen Lebens im innern Schutzge-biet, eine Stellung, die jetzt, nach Vollendung der Nord-südbahn [Windhuk – Keetmanshoop, seit März 1912 in Betrieb], sich noch mehr befestigen wird.
Der hohe Südwester Regierungsbeamte Oskar Hintra-ger schreibt über den ›Tintenpalast‹ in Windhuk:
»Auf der Anhöhe hinter der Christuskirche steht das große Zentralverwaltungsgebäude des Gouvernements, im Volksmunde genannt „der Tintenpalast“. Dieses stattliche Gebäude, das Baurat Redecker in den Jahren 1911 und 1912 erbaute, verdankt das Land dem Gou-verneur von Schuckmann. Bis zum Jahre 1910 waren die verschiedenen Teile der Zentralverwaltung in mehreren Häusern Windhuks untergebracht. Als dann die Dia-mantenabgaben große Haushaltsüberschüsse brachten, setzte Gouverneur von Schuckmann die erste Baurate in den Haushalt für 1910 ein und ernannte eine Kom-mission zur Bestimmung des Bauplatzes. Diese Kommis-sion, in der auch die Einwohnerschaft Windhuks ver-treten war, wählte einstimmig den Hügel hinter der Christuskirche. Auch Gouverneur von Schuckmann bezeichnete diesen Platz als den geeignetsten. Nachdem Gouverneur von Schuckmann abgereist [wegen Auf-gabe des Gouverneursamtes] und der Etat vom Reichs-tag genehmigt war, erhob sich in Windhuk wegen der Wahl des Platzes ein Streit, der den Baubeginn sehr verzögerte. Die Bewohner der entlegeneren Stadtteile protestierten in öffentlichen Versammlungen entschie-den gegen diesen Platz. Sie erklärten, die Entfernung und der Anstieg auf den Hügel sei für afrikanische Herzen viel zu anstrengend. Bisher hatte man nichts davon gemerkt, daß die Liebe zum Kaiserlichen Gou-vernement so groß war. Nun auf einmal wollte jeder Stadtteil das Gouvernement in seiner Nähe haben. Das Aktenstück „Zentralverwaltungsgebäude“, das Gouver-neur Dr. Seitz bei seinem Amtsantritt 1910 vorfand, wurde durch die zahlreichen Versammlungsentschlie-ßungen, Zeitungsartikel und Eingaben immer umfang-reicher. Fast ein Jahr verstrich, das Geld war bewilligt, aber mit dem Bau konnte wegen des Streits immer noch nicht begonnen werden. Als nun Gouverneur Seitz die Akten dem Kolonialamt [in Berlin] als Beschwerde-instanz zur Entscheidung vorlegte, antwortete dieses telegraphisch, das Gouvernement solle diese rein lokale Frage selbst entscheiden. Da kam ein Retter in der Not. Ein humorvoller Windhuker Bürger, Büchsenmacher Rosenthal, Vertreter der bekannten Gewehrfabrik Mau-ser, beantragte in einer Volksversammlung in später Nachtstunde, als alle müde und der langen Rede-schlacht überdrüssig waren, folgende Entschließung; „Da es nicht möglich ist, daß die Regierung das neue Verwaltungsgebäude jedem auf oder neben seinen Hof stellt, beschließen die hier versammelten Bewohner Windhuks, die Wahl des Platzes vertrauensvoll dem Kaiserlichen Gouvernement zu überlassen.“ Nach die-ser, unter allgemeiner Heiterkeit einstimmig angenom-menen Entschließung, wurde der stattliche Bau auf dem umstrittenen Hügel errichtet und im Jahre 1912 bezogen. Im Jahre 1913 tagte der Landesrat zum ersten Male im Saal des neuen Regierungsgebäudes.«