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Neu-Moschi

Als bei der Weiterführung der Usambarabahn von Tan-ga am Indischen Ozean ins Landesinnere der Sitz der deutschen Verwaltung am Kilimandscharo, Moschi, an die Bahn angeschlossen werden soll, hätten sich Schwie-rigkeiten bei einem Bau des Bahnhofs in Moschi selbst ergeben. Um Kosten zu sparen, bautechnische Probleme zu umgehen und der besseren Weiterführung der Bahn nach Aruscha wegen entscheidet man sich die Bahn nicht nach Moschi hinein zu führen, sondern in ein tie-fer gelegenes Gelände bei Moschi. So wird sechs Kilo-meter Luftlinie unterhalb des bis zu 1150 m über Mee-reshöhe gelegenen Moschi der Bahnhof auf 810 m ge-baut. Der Bahnhof als zukünftiger Verkehrsknotenpunkt der Gegend und die am Bahnhof entstehende Siedlung bekommen den Namen Neu-Moschi. Am 4. Oktober 1911 wird die Bahnstrecke nach Neu-Moschi in Betrieb ge-nommen. Mit der Eröffnung der Bahnlinie beginnt Neu-Moschi schnell zu wachsen. Wegen der guten Verkehr-sanbindung siedeln sich wirtschaftliche Unternehmun-gen in der entstehenden Stadt an.

Die Kilimandscharo- und Meru-Zeitung über Neu Moschi:

11. Januar 1913

Für den Bezirksamts-Neubau des Bezirks Moschi ist in dem Haushaltsetat des Jahres 1913 bereits die zweite Baurate angefordert, ohne dass bisher mit dem Bau des Bezirksamts begonnen, noch eine Entscheidung darü-ber, wo es errichtet werden soll, getroffen worden ist. Es wäre wünschenswert, wenn das Gouvernement baldigst eine endgültige Entscheidung über den Ort der Errich-tung dieses neuen Bezirksamts träfe, damit für die Kolo-nisten des Bezirks Klarheit geschaffen wird. Denn viel-fach wird mit der Errichtung von Neubauten in Neu-Moschi nur deshalb gezögert, weil eben der Ort für das neue Bezirksamt noch nicht entschieden ist.

Kaisers Geburtstagsfeier. Den vielfachen Wünschen der Ansiedler entsprechend wird dieses Mal die Feier des Geburtstages Sr. Majestät in Neu-Moschi stattfin-den.

Gerichtstage finden in Neu-Moschi wieder statt in den letzten Tagen des Januar.

8. März 1913

Neu-Moschi macht sich. Seit wenigen Wochen haben sich auch zwei Griechenhotels in Neu-Moschi etabliert, sodass dieser Ort jetzt vier Hotels besitzt.

22. März 1913

Gesundheitskommission. Da die Verordnung zur Bekämpfung der Stechmückengefahr auch für den Ort Neu-Moschi in Kraft getreten ist, so wurde eine aus fünf Personen bestehende Gesundheitskommission gebil-det, der folgende Personen angehören: Stabsarzt Dr. Höring, Polizeiwachtmeister Weckauf, Spediteur Feyer, Kaufmann Siebler und Inder Ismael Ibrahim. (!!!)

Der Wirtschaftliche Verband vom Kilimanjaro hielt am 16. März in Neu-Moschi eine Generalversammlung ab.

10. Mai 1913

Unterkunft für fremde Arbeiter. Verfolgt man eini-germassen den Zustrom fremder Arbeitskräfte und Träger aus dem Innern nach Neu-Moschi, so kann man die Beobachtung machen, dass es diesen Leuten dort fast durchweg an einem ordentlichen Unterkommen mangelt. Es handelt sich hierbei hauptsächlich um Um-bulu-, Umbugwe- und Kondoa-Irangi-Leute die mit Las-ten nach Neu-Moschi kommen, mit der Absicht, dort wieder Lasten zur Heimkehr mitzunehmen. Da die Ein-geborenen stets mehrere Tage in Neu-Moschi bleiben, so fehlt es gerade unter den indischen Kaufleuten nicht an Genies, die sich die Unbeholfenheit der fremden Eingeborenen zu Nutze ziehen und diese zuguterletzt übervorteilen. In dieser Hinsicht braucht man Näheres nicht zu erwähnen. Es würde sich empfehlen, wenn seitens des Bezirksamts Moschi Unterkunftsräume für fremde Eingeborene errichtet werden, in denen sämt-liche Neu-Moschi berührenden, aus anderen Bezirken stammenden Eingeborenen Unterkunft fänden, wofür diese ein geringes Entgelt zu leisten haben nach Art der früher an der Küste bestandenen Karawansereien. Sind von Interessenten Träger oder Arbeiter notwendig, so haben sie sich an das Bezirksamt zu wenden, das die vorhandenen Leute abgibt, selbstverständlich unter Be-rücksichtigung ihrer Wünsche. Durch eine solche be-hördliche Ueberwachung der fremden Eingeborenen würde einer Uebervorteilung derselben vorgebeugt wer-den und die Behörde selbst hätte auch eine Kontrolle über dieselben. Auch für die nach den Plantagendistrik-ten reisenden angeworbenen Arbeiter, die Neu-Moschi berühren müssen, wäre es angebracht, dass sie diese vom Serkal [Regierung] zu errichtende Unterkunfts-räume benutzen. Vielleicht zieht man diesen Vorschlag an zuständiger Stelle in Erwägung.

Stadtbahn. Seit dem 1. April hat Neu-Moschi auch seine Stadtbahn, nach dem Muster der Tangabahn, auf der Frachten- und Personenbeförderung vorgenommen wird. Selbst die Post wird auf dieser Bahn in einem gefällig aussehenden und gelb angestrichenen geschlos-senen Postwagen vom Zug zur Post und umgekehrt be-fördert. Die Gleise der Bahn sind meist durch die Haupt-strassen der weit auseinandergezogenen Stadt gelegt worden. Da vorerst ein ausgedehnterer Wagenverkehr in den unbeschotterten Strassen Neu-Moschis nicht in Frage kommt, so wird die Stadtbahn sicherlich mit der Zeit einen ganz erheblichen Zuspruch erfahren.

Kilimanjaroschützen. Am 13. April hielt das Kiliman-jarofreikorps in Neu-Moschi eine Generalversammlung ab, wobei beschlossen wurde dem Korps den Namen „Kilimanjaroschützen“ zu geben, analog den Meru-schützen- und Usambaraschützen. Am 16. Juni findet auf dem Schiesstand in Neu-Moschi das erste Uebungs-schiessen statt, das von jenem Tage ab regelmässig mo-natlich einmal stattfinden wird.

Kirchenbauverein. In dem rasch aufblühenden Mo-schibezirk fehlt es den zahlreichen katholischen Ansied-lern an einem Versammlungshaus, wo sie sich zur Ab-haltung gemeinsamer Gottesdienste zusammenfinden können. Bisher musste man sich zu diesem Zwecke zur Not mit Privaträumen behelfen. Es haben sich nun vor einigen Wochen einige Ansiedler zusammengefunden und einen Kirchenbauverein gegründet, zu dem Zwek-ke, sobald wie möglich den Bau einer katholischen Kir-che in Angriff zu nehmen. Ihren Platz soll die Kirche in Neu-Moschi erhalten, da dieser Ort überall vom Bezirk aus schnell erreichbar ist.

Ungleiches Mass. Als vor zwei Jahren in Neu-Moschi die Bauplätze vergeben wurden, hatte man bekanntlich an die Abgabe der Bauplätze auch Bedingungen ge-knüpft. Man setzte die Baufristen für Europäer auf zwei Jahre fest, in welcher Zeit ein Steinhaus errichtet wer-den müsse. Den Indern jedoch gab man, wie jetzt be-kannt wird, eine Baufrist von fünf Jahren, sodass diesel-ben heute nach fast zwei Jahren, noch weitere drei Jahre ihre Blechbuden in Neu-Moschi stehen lassen können, ehe sie an die Errichtung von Steinhäuser denken wer-den. Warum man dies ungleiche Mass hier angewendet hat, ist nicht zu verstehen. Das Beispiel Aruschas zeigt doch, dass sich auch die Herren Inder den Anordnun-gen der Behörde anbequemen und Steinhäuser bauen, wenn es verlangt wird.

24. Mai 1913

Ungleiches Mass. Zu der unter dieser Spitzmarke in der letzten Nummer erschienenen Notiz wird uns von inte-ressierter Stelle mitgeteilt, dass die indischen Bau-grundbesitzer wohl versucht haben, eine Verlängerung der Baufrist auf fünf Jahre zu erreichen, jedoch mit ihrem Ansinnen abgewiesen wurden. Wir wollen vor-läufig dieser Mitteilung Glauben schenken. Da eine Baufrist von 2 Jahren zum Bau eines steinernen Hauses seinerzeit bei Versteigerung der Baugrundstücke zur Bedingung gemacht wurde, so dürfte sich demnächst in Neu-Moschi eine rege Bautätigkeit entfalten?? Denn Ende November ds. Js. ist die Baufrist abgelaufen und die Zahl der zu bebauenden Grundstücke übersteigt 50.

5. Juli 1913

Eine kleine Markthalle ist seit wenigen Wochen auf der Bahnstation in Neu-Moschi errichtet worden, damit dort, in erster Linie für das reisende Publikum, die not-wendigsten Produkte, wie Fleisch, Butter, Eier etc. feil-gehalten werden können. In Anbetracht der weiten Ent-fernung der Markthalle Neu-Moschis von der Bahn-station ist diese Neueinrichtung des Herrn F. X. Roth-bletz nur zu begrüssen.

30. August 1913

Reichliche Viehzufuhr. Während noch vor kurzem ein ausserordentlicher Mangel an Schlachtvieh in Neu-Mo-schi und am Kilimanjaro konstatiert werden konnte, ist in den letzten Wochen der Markt mit Schlachtvieh überreichlich versorgt. Besonders die Masai lassen es sich jetzt sehr angelegen sein, regelmässig Schlacht-ochsen auf den Markt zu bringen, wo sie ihr Vieh zu annehmbaren Preisen an den Mann bringen.

22. November 1913

Mit dem Bau der neuen Boma in Neu-Moschi soll nun-mehr zu Beginn des nächsten Jahres begonnen werden. Die Lieferung von Baumaterialien hierzu ist bereits öf-fentlich ausgeschrieben worden.

6. Dezember 1913

In einem längeren Artikel steht in der Kilimandjaro- und Meru-Zeitung unter anderem: Ein 70 m hoher Hügel dicht bei Neu-Moschi ist für Anlage der neuen Boma bereits reserviert und eignet sich hervorragend dafür. Warum also immer noch warten? Der Handel spielt sich in erster Linie bei den Schauris ab — das weiss jeder Eingeweihte und die Inder wollten wieder nach Alt-Moschi zurück, aber das Bezirks-Amt verwei-gert dies. Der Grund, dass die Beamten nicht aus Alt-Moschi heraus wollen, kann nur der sein, dass sie da oben ungestörter sind und weniger zu arbeiten haben. Jeder Bezirks-Chef sagt beim Scheiden aus dem Amt: Die Boma gehört natürlich nach unten zwischen den Ver-kehr und ich werde das Meinige tun, dass die neue Boma sobald wie möglich gebaut wird. Der neue Chef dagegen sagt: Vorläufig bleiben wir oben in Alt-Moschi. Mich wundert es bloss, dass sich das die Europäer und Inder gefallen lassen. Die Meisten haben eben Angst, aus Geschäfts-Interessen, es mit der Boma zu verderben und erheben keinen Protest.