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Moschi

Als 1898 die Ugandabahn in Britisch Ostafrika bis Voi eröffnet wird, hat auch Moschi über den Weg Voi-Ta-veta-Moschi eine Bahnverbindung. Am 19. August 1907 wird die Reichstelegrafenstation in Moschi eröffnet und somit besteht eine ständige Verbindung über das Kabel mit der Hafenstadt Tanga am Indischen Ozean und je näher der Bau der Usambarabahn von Tanga auf Moschi voranschreitet, desto besser wird auch die Verkehrsan-bindung, bis schließlich Moschi selbst von der Bahn er-reicht wird und am 4. Oktober 1911 der Bahnverkehr am Bahnhof von Moschi – Neu Moschi – beginnt.

Das Deutsche Kolonial-Lexikon über Moschi:

Moschi — 1. Der Ort Moschi liegt gut 300 m über der den Berg [Kilimandscharo] umgebenden Steppe an sei-nem Südhang auf ziemlich steil abfallendem Boden. Am obern Ende des Ortes auf 1150 m Meereshöhe liegt die Boma, einst Militärstation, dann Bezirksamt. Das Klima ist gesund. Moschi ist Sitz einer Forstverwaltung, hat Vermessungsbureau, Post und Telegraph, Gasthof; es befinden sich hier etwa 12 Kaufläden. 1910 hatte der Ort ungefähr 800 Einwohner. Wie sich die Zukunft des Ortes unter dem Einfluß der benachbarten Bahnstation gestalten wird, ist noch unklar. Moschi soll Sitz des Bezirksgerichts werden. — 2. Die Bahnstation Moschi wird auch Neu-Moschi genannt; sie liegt in Luftlinie gut 6 km unterhalb des vorigen Ortes Moschi und blüht, zumal als neuer Amtssitz und bisheriger Endpunkt, künftiger Ausgangspunkt für die Verlängerung der Usambarabahn mächtig auf. Aber [Neu-]Moschi liegt mit 810 m Meereshöhe in quellenreicher Gegend, in der Nachbarschaft des sumpfigen Rauwaldes vorläufig we-nig gesund. Doch haben sich bereits eine größere Zahl von Firmen hier niedergelassen. —

Die Kilimandscharo- und Meru-Zeitung schreibt in ei-nem Artikel »Moschi-Reise« am 6. Dezember 1913 über Moschi:

Moschi-Reise

Tanga — Moschi, Abfahrt 6 Uhr 15 Minuten früh, Billet 1. Klasse Rupie 31,20— ein enormer Preis für 350 Kilome-ter. Dafür hat man aber das Vergnügen 14 ganze Stunden sich in dem Eisenbahn-Wagen der Usambara-Eisenbahn aufhalten zu dürfen. Es waren nur wenige Europäer, die dieselbe Reise machen — bei den augenblicklich nie-drigen Kautschuk-Preisen bleibt eben jeder, der nicht reisen muss, daheim und trinkt Wasser verdünnt mit etwas Whisky.

Schon 100 km von Moschi kann man bei klarem Wetter den Kilimanjaro sehen, besonders den weissen Kopf des Kibo. Abends um 9 Uhr langt man endlich in Moschi an. Wer Glück und Mondschein hat, der kann gleich das herrliche Panorama bewundern, das sich gegen das Fir-mament streckt. Es ist etwas Wunderbares, was es auf der ganzen Welt nicht gibt. Was ist Moschi doch für ein schönes Fleckchen Erde. Diese grünen aufsteigenden Fluren, die bebauten Felder und Bananenhaine, der dunkle Urwald und darüber von Wolken umzogen das gewaltige Gebirge.

Nicht immer ist der Ausblick auf die Berge frei, meist bei Sonnen-Aufgang und bei -Untergang und dann nur für etwa 1 Stunde. Es gibt auch Tage, wo man garnichts sieht und man kann sich freuen, wenn man nur hin und wieder die Spitzen des ausgezackten Mawensi, gleich-sam wie eine Insel zwischen den Wolken, herauskom-men sieht. Moschi — von den einheimischen Europäern der Nachbarschaft kurz Loch genannt, weil es so tief wie ein Loch liegt, was wahr ist oder wahrscheinlich, weil die verschiedenen Getränke, die in Moschi genossen wer-den, gleichsam, wie in einem Loch verschwinden — was noch mehr wahr ist — ist ein richtiges Dorf — hier ein Haus, dort ein Haus — dazwischen Gras; Hähne krähen, Hunde lungern umher, Katzen sonnen sich. Es ist wenig Verkehr auf den braunen, staubbedeckten, ungepflas-terten Strassen. Hin und wieder sieht man einen Reiter oder eine kleine Karawane mit wenigen Lasten auf dem Kopf, oder eine Viehherde. In dem Kilimanjaro-Hotel ist man ganz gut aufgehoben, nur wundert man sich, dass es in diesem Kaffee-Land so schlechten Kaffee zu trin-ken gibt und dass man condensierte, gezuckerte Milch, die vorher mit Wasser aufgelöst ist, noch dazu be-kommt. Die Wurst, die man vorgesetzt erhält, stammt aus Kwai und ist tadellos. Butter und Käse, die wohl jeder mit besonderem Vergnügen isst, ist Erzeugnis der Kilimanjaro-Pflanzer. … Man spricht hier davon, dass die liebe Usambara-Bahn am Kilimanjaro demnächst eine Brauerei eröffnen und bei Zeiten schon auf gute hohe Bier-Preise halten will.

Da ich mich in dem „Loch“, um als Einheimischer zu reden, ein wenig umsehen wollte, lud ich einen Bekann-ten … nach einer anderen Kneipe ein, deren es noch zwei in dem Dörfchen gibt. Wir setzten uns auf die grosse Veranda an der Strasse, nachdem wir über einen grossen Haufen frischen Pferdemist gesprungen waren. Nach dem Abendbrot fand sich gewöhnlich eine kleine Gruppe Europäer zusammen und dann wurde, nachdem die Politik in Europa gründlich sämtliche verlorenen und gewonnenen Siege der Türken, Serben, Griechen und Bulgaren noch gründlicherer erörtert worden wa-ren, die afrikanische Politik vorgenommen: 1. Der Bezirk Moschi hat kein Geld. Ganz unverständlich ist es, wa-rum die Boma von Alt-Moschi, die dem Verfall nahe ist, immer wieder geflickt wird und kleine Neubauten statt-finden — trotzdem das Geld für die neue Boma in Neu-Moschi bereits bewilligt und zum Abheben bereit liegt. Die jetzige Boma liegt zwei Stunden von der Eisenbahn entfernt und wenn jemand zum Schauri nach oben geht dann verliert er einen ganzen Tag, abgesehen von den Unkosten, die damit verbunden sind. Die Boma gehört so schnell wie möglich nach Neu-Moschi mitten in den Verkehr und an die Eisenbahn. … Der Handel spielt sich in erster Linie bei den Schauris ab — das weiss jeder Eingeweihte…

3. Die Aruscha-Eisenbahn, die zur Entwickelung des Aruscha-Bezirks und zur Rentabilität der ganzen Usam-bara-Eisenbahn notwendig ist, muss von Moschi aus gebaut werden. Vorgesehen ist eine Schleife, die von Moschi ausgeht. Durch den Weiterbau der Aruscha-Bahn wird Moschi an Wichtigkeit verlieren, weil die Europäer des Aruscha-Bezirks in Zukunft die Bahn be-nutzen für Personen- und Fracht-Beförderung unter Umgehung von Moschi. Die Eisenbahn sollte auch so schnell wie möglich gebaut werden, um Geld in das Land zu bringen. Gerade bei der schlechten Geschäfts-lage, die durch die europäische Krisis und den niedrigen Kautschuk-Markt bewirkt ist, ist Bargeld — das durch den Weiterbau der Eisenbahn an Ort und Stelle gezahlt wird, — sehr viel wert. Augenblicklich kann man Bar-geld nur mit Zuschlag erhalten. Im Umlauf werden meistens „chettis“ geschrieben.

4. Durch die Aruscha-Bahn wird Moschi an Wichtigkeit unbedingt verlieren und ist es daher notwendig, dass Moschi als Endpunkt für Touristen-Verkehr sofort ins Auge gefasst wird. Am Kilimanjaro hat man die Bedeu-tung in dieser Hinsicht noch nicht erkannt. Wer viel in der Welt gereist ist und gesehen hat und zum ersten Mal den Kibo und Mawensi erblickt und die leichten Besteigungs-Möglichkeiten erwägt, der ist entzückt. Es gibt in ganz Afrika nur zwei Sehenswürdigkeiten, wie sie in dieser Grossartigkeit nirgends mehr auf der Welt existieren, das sind: die Zambesi-Fälle und der Kili-manjaro. Bei richtiger Reklame werden hundert und tausend Fremde zum Kilimanjaro reisen und Geld und neue Ideen ins Land bringen — aber es muss etwas ge-schehen, damit die Fremden sich wohl fühlen und ei-nige Zeit im Hochland bleiben können. Also eine Chaus-see von Moschi bis Marangu für Automobil-Verkehr. In Marangu ein oder zwei grosse Hotels oder Sanatorien mit allem Komfort, warme und kalte Bäder. Photogra-phisches Atelier, Ausbau der schon vorhandenen Rast-häuser und Schutzhütten. Ausbesserung der Wege. Ge-schulte Bergführer. … Viele von den Fremden würden sich am Kilimanjaro oder in der Nähe ankaufen und ständig wohnen bleiben.