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Die Menschen XII

Das 1914 gedruckte Deutsche Kolonial-Lexikon schreibt über die einheimische Bevölkerung:

»Eingeborenenbevölkerung. Kamerun ist in der letz-ten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der Schauplatz großer Wanderungen und Völkerverschiebungen gewe-sen. Es stoßen hier 3 verschiedene Wanderrichtungen zusammen, und die Wanderungen sind heute noch nicht ganz zum Stillstand gekommen. Es kommt daher oft vor, daß Nachrichten älterer Reisender über Wohn-sitze von Stämmen heute nicht mehr stimmen. Die drei in Frage kommenden Wanderrichtungen sind folgende: die erste, wahrscheinlich älteste Völkerbewegung kam aus Süden oder Südosten, veranlaßt von den in Ostafrika nach Süden drängenden Völkerschaften. Es sind dies die Bantustämme. Die zweite Wanderstrasse benutzte wahr-scheinlich die Nil-Kongowasserscheide und hat eine direkt ostwestliche Richtung. Es sind das die Fangvölker. Und die dritte Richtung ist ein nordsüdliche, im allge-meinen das Bestreben der Saharavölker, in die fruchtba-ren Gebiete des Sudans einzudringen.«

Sind die Bantustämme die klassische afrikanische Negerbevölkerung und die Saharavölker arabischen Ursprungs, so findet sich über die Fang im Kolonial-Lexikon

»Die Fang. Dieses Volk, das erst in jüngster Zeit sich in die Gebiete der Bantuneger eingedrängt hat, spricht ei-ne Bantusprache. Es sind aber ursprünglich Sudanneger und zwar aus dem Nilgebiet, wo sie den Niam Niam nahestehen. Sie sind, bis sie in ihr jetziges Gebiet ka-men, weit herum gekommen. Es wird angenommen, daß sie auf ihrer Wanderung erst zum Ubangi kamen, dann nach Norden drängten und darauf von den Fulbe [Ara-ber] nach Süden getrieben wurden. Dabei haben sie alle unterwegs angetroffenen Völker vernichtet oder aufge-nommen.«

Zur ursprünglichen Bevölkerung Kameruns schreibt das Kolonial-Lexikon:

»Die Bagielli. Dieses Pygmäenvolk bewohnte früher vor der Einwanderung der eigentlichen Neger den ganzen afrikanischen Kontinent. Jetzt lebt es zurückgezogen im Urwald. Wir finden sie in Kamerun wohl im ganzen Urwaldgebiet. … Sie sind 1,45 bis 1,50 m hoch, haben lange Arme, sind brachyzephal und prognath, haben wolliges Haar, relativ helle Hautfarbe. Sie wandern als Elefantenjäger weit umher und tauschen das Fleisch bei den Bantus gegen Maniok und Bananen ein. Die Elefan-ten töten sie mittels großer Assagaien, die sie ihnen in den Leib stoßen. Ihre Hütten sind armselig, aus Laub und Zweigen gebaut und zwischen Felsen oft versteckt. Sie sollen von sanften Sitten sein, Blutvergießen ver-abscheuen und auch ziemlich hohe religiöse Begriffe haben.«