Die von der Kölner Firma Felten & Guilleaume 1899 zusammen mit der Deutsch-Atlantischen Telegraphen-gesellschaft gegründeten Norddeutschen Seekabelwer-ke in Nordenham an der Weser liefern die Kabel für das deutsche Seekabelnetz.
Im Juni 1907 verleiht Spanien Felten & Guilleaume das Kabellandungsrecht auf der Kanareninsel Teneriffa. Langstreckenkabel brauchen Verstärker, um die durch-geführten Signale einwandfrei beim Empfänger ankom-men zu lassen. So sind die vor Afrika liegenden Kanaren ein guter Stützpunkt für die Signalverstärkung für deut-sche Kabel nach Südamerika und Afrika.
Am 27. August 1908 wird in Köln, wo alle deutsche Seekabelunternehmungen ihren Sitz haben, die Deutsch-Südamerikanische Telegraphengesellschaft ge-gründet. Im Sommer 1909 wird das Kabel Borkum-Teneriffa vom Kabelleger Stephan der Norddeutschen Seekabelwerke verlegt. Am 26. August 1909 geht das 3500 Kilometer lange Kabel in Betrieb.
Die nächste Verstärkerstation für deutsche Kabel nach Südamerika und die deutschen Kolonien in Afrika ist die von französischem und britischem Einfluß freie »Neger-republik Liberia« an der westafrikanischen Küste. Am 21. März 1910 wird die Kabellinie von den Kanaren nach Monrovia in Betrieb genommen und ist das erste deutsche Kabel nach Afrika. In der Hauptstadt Monrovia von Liberia ist die von deutschen Beamten betriebene Verstärkerstation aufgebaut und am 29. März 1911 nimmt das Kabel von Monrovia nach Pernambuco in Brasilien seinen Dienst auf.
Alle deutschen Kabel sind wie die Reichspostdampfer-linien vom deutschen Staat subventioniert für ihren Betrieb. So würden auch die Kabel zu den afrikanischen Kolonien noch nicht wirtschaftlich arbeiten können ohne Staatshilfe, aber von Reichsseite ist aus politischen Gründen die Verlegung von Seekabeln dorthin dringend erwünscht.
1912 erscheint als 4. Heft des Jahres der Zeitschriften-reihe Meereskunde das Heft Die deutsche Seekabel-politik zur Befreiung vom englischen Weltmonopol. Darin steht:
»Die Gesellschaft [Deutsch-Südamerikanische Telegra-phengesellschaft] wird ferner das Kabel, von Monrovia (Liberia) aus über Togo und Kamerun bis nach Deutsch-Südwestafrika (Swakopmund) weiterführen, und zwar nach Togo und Kamerun spätestens bis 1. Februar 1913 und nach Swakopmund spätestens bis 1. April 1919.
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Die Erreichung der westafrikanischen Kolonien Deutschlands durch ein national-deutsches Kabel wird einen großen nationalen und politischen Erfolg dar-stellen. Bisher sind wir in dieser Hinsicht noch voll-ständig auf die britischen Linien angewiesen, die zwar in friedlichen Zeiten vortrefflich und zuverlässig arbeiten, die aber in politisch erregten oder gar kriegerischen Epochen rücksichtslos im national-englischen Interesse auch gegen neutrale Mächte ausgenutzt werden…
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Möglich freilich ist es, daß auf diese westafrikanischen Küstenkabel jenseits von Monrovia doch noch verzich-tet wird, falls sich etwa herausstellen sollte, daß die funkentelegraphischen Stationen, die jetzt in den Kolo-nien errichtet werden sollen, imstande sind, die noch fehlenden Kabelverbindungen mit absoluter Zuverläs-sigkeit zu ersetzen. Man wird die funkentelegraphi-schen Anlagen ihrer sehr viel größeren Billigkeit wegen den Seekabeln stets vorziehen, sobald man die Gewiß-heit hat, daß sie ihnen in Bezug auf die Zuverlässigkeit und die etwa nötige Geheimhaltung der Nachrichten nicht nachstehen. Diese Gewißheit fehlt bisher, und des-halb kann auch an ein Aufhören im Ausbau des deut-schen Kabelnetzes noch nicht gedacht werden. Doch wird man sich damit, wie die oben erwähnten Termine beweisen, nicht sehr beeilen, um hinreichend Zeit zu weiteren Studien zu haben. Sollte jedenfalls die draht-lose Telegraphie die in sie gesetzten Erwartungen und Hoffnungen nicht oder nicht ganz erfüllen, so kann jetzt keinem Zweifel mehr unterliegen, daß in wenigen Jah-ren das deutsche Seekabelnetz bis nach Deutsch-Süd-westafrika hinunterreichen wird. Technische und poli-tische Schwierigkeiten stehen dem heut nicht mehr im Wege.
Eine Weiterführung des Kabels nach Deutsch-Ostafrika würde hingegen ohne Anlaufen von britischen oder portugiesischen Zwischenstationen nicht möglich sein; doch sprechen auch noch verschiedene andere gewich-tige Gründe gegen eine derartige Verlängerung, nicht zum wenigsten die Tatsache, daß im Süden des Kaps der Meeresboden für die Verlegung von Kabeln höchst un-geeignet ist, so daß an dieser Stelle die britischen Kabel, die sonst fast die ganze Welt umspannen, unterbrochen sind und durch eine Landlinie Kapstadt-Durban (Natal) ersetzt werden. – Wie unter diesen Umständen das Problem der unabhängigen deutschen Kabelverbindung nach Deutsch-Ostafrika einmal gelöst werden könnte, unbestritten das weitaus schwierigste, das die deutsche Kolonialpolitik überhaupt zu bewältigen hat, muß einst-weilen vollständig im Zweifel gelassen werden.
Doch ist auch auf diesem Gebiet starke Hoffnung vor-handen, daß die drahtlose Telegraphie alle noch schwe-benden Sorgen mit einem Schlage schwinden machen wird. In welcher Weise dies möglich sein könnte, wird daraus hervorgehen, daß in Bukoba und Muanza am Viktoria-See in Deutsch-Ostafrika bereits weitreichende Funkenstationen vorhanden sind und daß in Duala in Kamerun eine andere sehr große Funkenstation zur Zeit gebaut wird, die dereinst die ersehnte nationale Ver-bindung mit Deutsch-Ostafrika voraussichtlich herzu-stellen vermag.«