Aus dem Deutschen Kolonial-Lexikon bringen wir über die einheimische Bevölkerung folgendes in Erfahrung:
Nauru wird von zwei Bevölkerungselementen bewohnt, den bodenständigen Melanesiern und den seit langer Zeit eingewanderten Polynesiern. Das erste wird durch einen groben, dunkelfarbigen, behaarteren Typ mit lok-ker krausem, schwarzem Haar repräsentiert; das zweite ist feiner, hellbraun und hat schlichtes, schwarzes Haar. Zwischen diesen beiden Extremen bestehen die mannig-fachsten Übergänge; außerdem machen sich in der 1400 Köpfe zählenden Bevölkerung die Bluteinschläge von Weißen und Negern stark bemerkbar, die sich seit dem Jahre 1830 auf der Insel aufhielten. Auffallend ist an bei-den Geschlechtern der übermäßig große Fettansatz, der zum Teil durch eine Art Zwangsernährung gefördert wird und größere Körperkräfte vortäuscht, als die Leute wirklich besitzen. Geistig sind die Leute ungemein rege; sie besitzen einen großen Schatz von Überlieferungen, Sagen, Märchen, Gesängen, Liedern. Nauru zählt 12 Sip-pen. Jede Sippe zerfällt noch in eine Reihe von Familien. Diese Sippen verteilen sich auf vier rangverschiedene Klassen, welche die Landbesitzer bilden; daran schlie-ßen sich die zwei besitzlosen Klassen der Hörigen. Eine Anzahl Dörfer bilden einen Gau. Allgemeinbesitz des Gaues und der Sippen sind große Landkomplexe im In-nern der Inseln, deren Bestände an Bäumen der ge-meinsamen Nutznießung der Gaugenossen unterliegen. Süßwasser wird aus Brunnen gewonnen, die tief in den Boden getrieben und ausgemauert werden. Die Fische-rei wird im großen Stile betrieben. Das Boot ist ein segel-loses, aus einzelnen Brettern kunstvoll zusammenge-nähtes Auslegerfahrzeug. Es wird weiß bemalt und be-sitzt am Heck und Bug einen charakteristischen horn-artigen Aufsatz. Es wird nur zu Fischfangfahrten in aller-nächster Nähe des Riffes benutzt und mit Paddeln fort-bewegt.
Der Inlandsee Arinebek wird auch für den Fischfang genutzt. Die ganze Wasserfläche des 500 m langen und 150 m breiten Sees ist durch aus Baumstämmen her-gestellten Dämmen in kleine Parzellen eingeteilt, die Fischgründe der Eingeborenen. Am Seeufer liegt male-risch unter Palmen ein Dorf, das einzige im Inneren der Insel, alle übrigen Dörfer der Eingeborenen liegen am Strand.