Aus dem Deutschen Kolonial-Lexikon erfahren wir, daß am 1. April 1906 die Marshall-Inseln auf Grund einer Allerhöchsten Verordnung vom 18. Januar 1906 ihren Status als Schutzgebiet, also als eine eigenständige Kolonie des Deutschen Reiches, verloren haben und als Kaiserliches Bezirksamt an die Verwaltung der Karo-linen, Palauinseln und Marianen angegliedert und mit diesen dem Kaiserlichen Gouverneur von Deutsch Neuguinea unterstellt werden. Von da ab besteht die Bezirksverwaltung für die Marshall-Inseln aus einem Bezirksamtmann, einem Sekretär, einem Hafen- und Polizeimeister, einem Regierungsarzt und einer Regie-rungskrankenschwester, die sämtlich ihren Sitz auf Jaluit haben. Die bezirksrichterlichen Geschäfte werden im Nebenamt vom Bezirksamtmann wahrgenommen. Bei der Vereinigung der Marshall-Inseln mit dem Bezirk der Ostkarolinen tritt an Stelle des Obergerichts in Jaluit dasjenige in der Hauptstadt von Deutsch Neuguinea.
Mit dem 1. April 1911 erfolgt eine weitere Vereinfachung der Verwaltung. Das Bezirksamt Marshall-Inseln wird zu einer Station herabgestuft und dem Bezirksamt in Ponape/Ostkarolinen angegliedert. Durch die Verfü-gung des Reichskanzlers vom 17. Januar 1911 wird mit dem gleichen Zeitpunkt das Bezirksgericht Jaluit auf-gehoben und der bisherige Gerichtsbezirk, die Mar-shall-Inseln und Nauru umfassend, dem Bezirksgericht Ponape zugeteilt. Die Marshall-Inseln bilden somit seit diesem Zeitpunkt keinen selbständigen Verwaltungs-bezirk mehr. Das Personal auf der Station ist aber im übrigen das gleiche geblieben, nur daß an Stelle des Bezirksamtmannes der Stationsleiter getreten ist. Die standesamtlichen Geschäfte sowie die Eingeborenen-gerichtsbarkeit werden vom Stationsleiter wahrgenom-men.
Die Missionierung der Insel erfolgt durch die katholi-schen Missionare der Gesellschaft vom Heiligsten Her-zen Jesu, die eine besondere Präfektur für die Marshall-Inseln eingerichtet hat. Außerdem ist schon seit 1857 auf den Inseln eine amerikanische Mission, die methodis-tische sogenannte Boston Mission tätig. Die beiden ge-nannten Missionsgesellschaften unterhalten auf ihren einzelnen Stationen dem vorhandenen Bedürfnis ent-sprechend Knaben- und Mädchenschulen.
Die weiße Bevölkerung im Bezirk der Marshall-Inseln beträgt am 1. Januar 1911 (seit diesem Berichtsjahre besteht eine getrennte Statistik für die Marshall-Inseln nicht mehr, sie ist vielmehr mit der der Ostkarolinen vereinigt) 172 Personen. Nichteingeborene Südseein-sulaner sind zu diesem Zeitpunkt 435 vorhanden. Die Eingeborenenbevölkerung beträgt zu Anfang 1913 9569 Personen, darunter 3698 Männer, 3355 Frauen, 1347 männliche und 1169 weibliche Kinder. Gegenüber der vorherigen Zählung hat sich die eingeborene Einwoh-nerschaft um 406 Köpfe vermehrt.
Im Deutschen Kolonial-Lexikon findet sich über das katholische Vikariat der Marshallinseln:
»Marshallinseln, apostolisches Vikariat. Seit 1905 ist es selbständiges Vikariat der Missionare vom heiligen Herzen Jesu. Die Erfolge der erst spät eintretenden katholischen Mission sind numerisch verhältnismäßig gering, aber qualitativ gute zu nennen; die Schwierig-keiten liegen im Charakter und in den Sitten der Bevölkerung. Juli 1913 waren 6 Patres, 5 Brüder und 14 Schwestern im Vikariat. 5 Hauptstationen (Jaluit, Arubo, Menen, Likieb, Arno) und 3 Nebenstationen beher-bergen 676 Christen und 72 Katechumenen; in 11 Schu-len sind 247 Kinder gesammelt. Augenblicklich sind 6 Pensionate mit 45 Knaben und 79 Mädchen vorhanden. Das Deutsche wurde hier bald Unterrichts- und Bil-dungssprache. In Krankenpflege wird sowohl von den Schwestern als von den Missionaren viel getan; die Missionsgesellschaft ließ in den letzten Jahren gegen 50 Missionare speziell dafür ausbilden.«
Ein Missionsboot des Vikariats verbindet die drei Sta-tionen Jaluit, Likieb und Arno miteinander. Die katho-lische Schule auf Jaluit ist bei den Marshall-Insulanern sehr geschätzt und kann schließlich 80 Schüler unter-richten.