Nur wenige weiße und japanische Händler sind auf den Palauinseln tätig. Der geringe Handel auf den Inseln er-streckt sich in der Hauptsache auf Kopra, die von den Eingeborenen aufgekauft wird. Abgesehen von der Deutschen Südsee-Phosphatgesellschaft auf Angaur bestehen eigentliche europäische Unternehmungen, so vor allen Dingen Plantagen, nicht. Die Inseln der Palau-gruppe sind nicht sonderlich fruchtbar, sodaß Kokospal-men nicht gut wachsen und deshalb europäische Han-delsfirmen kein Interesse an den Inseln haben. Die Aus-nahme bildet die weit im Süden der Hauptinseln liegen-de Insel Angaur, die aber wegen ihres Phosphatreich-tums bedeutend ist und nicht wegen einer land- oder forstwirtschaftlichen Nutzbarkeit.
Die Deutsche Südseephosphat-Aktiengesellschaft in Bremen baut das Phosphat auf Angaur ab. Diese Gesell-schaft wurde auf Grund einer Verständigung mit der deutschen Reichsregierung im Jahre 1907 durch den Norddeutschen Lloyd und die Deutsche Nationalbank in Bremen, sowie die Tellus-A.-G. für Bergbau und Hütten-industrie in Frankfurt a. M. und Wilhelm Müller & Co. in Rotterdam gebildet, das sich die Erforschung der Süd-seeinseln auf das Vorkommen von Mineralien, insbe-sondere Phosphaten, zur Aufgabe stellte. Die zu diesem Zwecke unter der Führung des Regierungsbaumeisters a.D. Schönian entsandte Expedition stellte auf verschie-denen Inseln Phosphatvorkommen fest, doch wurden abbauwürdige Lager nur auf Angaur in der Palauinseln und Feis in den Westkarolinen vorgefunden.
Die vorhandene Phosphatmenge auf Angaur wird auf 2½ Millionen Tonnen geschätzt. Für die Gewinnung und Verarbeitung des Phosphates beschäftigt die Gesell-schaft ca. 800 bis 900 Eingeborene, welche mit einem eigenen Dampfer in den Ost- und Westkarolinen ange-worben werden. Als Handwerker sind jeweilig ca. 70-90 Chinesen auf Angaur tätig. Da das Phosphat an der Oberfläche liegt, sind Abbau und Gewinnung einfach. Das Phosphat wird wie etwa in der Sandgrube mittels Hacke und Schippe ausgegraben. Alsdann wird das Phosphat, um ihm einen Teil seines natürlichen Was-sers zu entziehen, gelagert und schließlich in Trocken-öfen an Ort und Stelle noch völlig getrocknet. Als Heiz-material werden Kohlen verwendet. Nachdem das Phos-phat getrocknet ist, ist es fertig zur Verschiffung. Die Verladung erfolgt durch mechanische Verladeanlagen, die eine Leistungsfähigkeit von ca. 400-500 t pro Stunde haben. Die ersten Jahre sind Baujahre gewesen. Jetzt ist die Anlage ausgebaut, und man kann nun mit einer Ver-schiffung von ca. 100000 t pro Jahr rechnen. Die Produk-tion betrug im Jahre 1912 ca. 60000, 1913 ca. 90000, 1914 ca. 100000 t.
Ein beträchtlicher unterschied zum Phosphatabbau auf Nauru liegt darin, daß das Phosphat auf Angaur wesent-lich mehr Feuchtigkeit enthält als jenes auf Nauru, weil es zum Teil sogar aus sumpfigen Gelände herausgeholt werden muß. Infolgedessen sind erheblich mehr künst-liche Trocknungsanlagen erforderlich.