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Verkehr XI

Auf Saipan ist eine Postanstalt. Die einheimischen Post-beamten der Kaiserlichen Post bekommen entspre-chende Mützen zum Zeichen ihres Dienstes.

Verkehrsmittel sind Kanus (Einbaum), europäische Boote, auf dem Lande der Reitochse und die mit Ochsen bespannte careta, die als Personen- und Lastenfahrzeug verwendet wird. Bezirksamtmann Georg Fritz läßt für den Landverkehr Straßen bauen.

Der Haupthafenplatz der deutschen Marianen liegt auf Saipan etwas nördlich von Garapan bei Tanapag. Durch die natürlichen Gegebenheiten der Nähe Japans ist Ja-pan die wirtschaftlich aktivste Nation in der Inselwelt. Jahrelang sind die Deutschen sogar auf die halbwegs regelmäßigen japanischen Schiffsverbindungen ange-wiesen, und Yokohama ist die Verbindung zur Welt. Die vom Reich subventionierte Linie der Jaluit-Gesellschaft wird 1903 erweitert, sodaß sie Deutsch Mikronesien mit Hongkong und Sydney verbindet, aber die Linie ver-kehrt nur dreimal jährlich. Seit Ende 1904 läuft der Reichspostdampfer Germania Saipan jährlich sechs-mal an und verbindet die Marianen mit Deutsch Neu-guinea, Hongkong und Sydney.

Zwar läuft der Reichspostdampfer Germania die Mari-anen regelmäßig an und transportiert auch Fracht, aber die Frachtkosten von den Marianen bis nach Europa und Deutschland sind wegen der riesigen Entfernungen unverhältnismäßig hoch. So berichten die Mitteilungen der Gesellschaft für Erdkunde und Kolonialwesen zu Straßburg im Elsaß für das Jahr 1913:

»…die Marianen entbehren zufriedenstellender Fracht-verbindungen noch ganz und sind in der Hauptsache auf Segelschiffe der japanischen Gesellschaften Nanjo Boeki und Koshin Co. zu Tokio angewiesen (die auch nach Palau zu fahren pflegen); infolgedessen liegt der ganze Handel in japanischen Händen, und so wird es bleiben müssen, bis es etwa den Bemühungen der Verwaltung gelingen wird, ein kapitalkräftiges deut-sches Unternehmen ins Leben zu rufen. Freilich werden die großen Entfernungen, die relative Kleinheit der bearbeitbaren Flächen der einzelnen Inseln und noch mehr die geringe Zahl arbeitsfähiger und -williger Männer auf den Marianen eine große Erschwerung für die Erreichung einer nennenswerten Rentabilität eines solchen Unternehmens bilden.«

Wegen der geringen wirtschaftlichen Leistung und Be-deutung der Inseln ist eine Änderung der bestehenden Verkehrslage nicht abzusehen, da sich eine deutsche Reederei bei so geringer Aussicht auf Gewinn für ein Engagement in den Marianen wohl nicht finden wird.