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Die Menschen VII

Dazu leicht gekürzt das Deutsche Kolonial-Lexikon:

Bevölkerung. Die Palauinseln sind dünn, doch von ei-nem kräftigen, schönen, ziemlich einheitlichen Men-schenschlag bevölkert. Von allen Karolinern sind die Palauinsulaner die hellfarbigsten. Die Frauen sind er-heblich heller als die Männer. Das Haar ist braun-schwarz und überwiegend langwellig, doch fehlt es auch nicht an kraushaarigen Individuen. Es sind sehr intelli-gente Leute, die, sauber, arbeitslustig und -willig, auf einer relativ hohen Kulturstufe stehen. – Der Archipel ist in acht Landschaften (pelu) eingeteilt, die voneinan-der unabhängig sind und ehemals fast in steter Fehde lebten. Die Landschaft Ngarkldeu mit Koror als Haupt-ort hat vor allen übrigen den Vorrang. Jede pelu besteht aus der Gemeinschaft von etlichen Familien, die jede von einem Oberhaupt nach außen hin vertreten wird. Diese Familien sind im Rang untereinander verschie-den. Die Familienoberhäupter und ihre Frauen führen besondere Titel. Diese Titel machen sich auch nach außen hin bemerkbar. So bestehen Unterschiede in der Kammtracht, in der Anordnung der Sitze in den Ver-sammlungen, der Größe der Sitzbänke, in dem Recht zum Betreten der hohen Plätze usw. Jede Familie hat ihr eigenes Totem, einen Fisch oder das Krokodil. In jeder pelu ist das Familienoberhaupt der ersten Familie gleichzeitig als aibedul der Oberhäuptling sämtlicher Männer; die älteste Frau dieser aibedul-Familie ist der weibliche Oberhäuptling aller Frauen, so daß die Frauen ihre eigene Regierung besitzen, in welche sich die Män-ner nicht zu mischen haben. Die jungen Leute tun sich zu Bünden, Kriegergemeinschaften, Klubs zusammen. Jeder Klub hat sein Versammlungshaus (bai), deren jede Gemeinde eins oder mehrere besitzt. Die männliche Bevölkerung, Junggesellen und Verheiratete, verteilt sich nachts in diese bai. Verheirateten Frauen derselben Gemeinde ist der Zutritt verboten. Der aibedul hat abso-lute Gewalt über Leben und Eigentum seiner Land-schaftsangehörigen, die er nach Belieben bestrafen kann. Er bewahrt auch den Staatsschatz auf. Staatsan-gelegenheiten werden gemeinsam im bai beraten, die Entscheidung in wichtigen Angelegenheiten ruht bei den Priestern, die als Vertreter der befragten Gottheit den Ausschlag geben. Die Priester sind gleichzeitig Ärzte und Zauberer. Überhaupt bilden die religiösen Anschau-ungen die Grundlage der gesellschaftlichen und politi-schen Einrichtungen der Palau. Diese Anschauungen beruhen in dem Glauben an übernatürliche Geister, deren Sitz in Tieren, Steinen, Bäumen gedacht wird. Ferner besitzt jeder Eingeborene noch einen besonde-ren Schutzgeist, auch jeder Ort und Platz im Lande hat einen speziellen kalit. – Das äußere Leben der Eingebo-renen und der Verkehr der Staaten unter sich wird durch eine große Anzahl von Gesetzen geregelt, welche die Sitten vorschreiben und sich ebenfalls auf religiöse Anschauungen stützen. Frauen genießen den ganz be-sonderen Schutz dieser Gesetze. Fast sämtliche Verge-hen, politische, soziale, religiöse, werden mit Geldbußen gesühnt. Die Strafgelder gehen in den Besitz des Häupt-lings über. Dieses Geld (audod) regiert in Palau alles und bedeutet alles, in seinem Besitz verkörpert sich der Reichtum. Es besteht aus gelben oder rotbraunen ge-brannten Erden, ein- und mehrfarbigen Glasflüssen, die in regelmäßige Formen geschliffen werden. Der Geld-verkehr ist so hoch ausgebildet, daß man sich ausge-zeichnet auf Leih-, Wechsel- und Zinsgeschäfte ver-steht. – Jede Familie hat ein eigenes Totem. Die Eltern suchen für den Sohn ein Mädchen, bei dem Geld und gute Familie den Ausschlag geben. Sehr vornehme Mäd-chen können sich ihre Ehemänner selbst aussuchen. Der Mann muß das Mädchen kaufen. Im übrigen muß der Ehemann seine Frau für jeden Beischlaf bezahlen. Kinder sind geschätzt; namentlich sind Töchter will-kommen, weil damit der Wohlstand der Familie geho-ben wird. Schon in frühster Jugend lernt das Mädchen, sich gegen Bezahlung mit Knaben und Männern einzu-lassen. Bei Vollendung der Pubertät verläßt es die Hei-matgemeinde und geht zu einer anderen Dorfgemein-schaft, wo es als Hausgenossin (armengol) in einen Männerklub eintritt. Ein Klubmitglied hält das Mädchen aus, doch verkehrt es auch mit den übrigen Männern. Diese Hetärenzeit der armengol gilt als Schulzeit. Erst danach heiratet das Mädchen, wenn es nicht vorzieht, für immer armengol zu bleiben. – In den letzten Jahren, wo die [deutsche] Regierung gegen das Hetärenwesen einschreitet, bessern sich die Verhältnisse, und die Geburtenziffer nimmt zu. – Die Siedlungen der Palau-leute sind Haufendörfer. Mehrere Gehöfte bilden ein solches Dorf, eine Anzahl Dörfer eine Landschaft. Ein Staat besteht aus mehreren Landschaften. Die einzelnen Dörfer sind durch saubere, gute, zum Teil gepflasterte Wege miteinander verbunden. Besonders schöne breite Straßen durchziehen die Hauptdörfer, in deren Mitte sich auf künstlichen, mit Steinen bekleideten Werften die großen Versammlungshäuser erheben. Solch ein Haus hat zuweilen Abmessungen von 20×5 m im Geviert und 7-8 m Höhe. Ein gewaltiges Mattendach mit vorn-überhängenden spitzen Giebeln deckt das Haus; an den Seiten hängt es bisweilen bis zum Erdboden herab. An den Giebelwänden, an den Bindern und Querbalken im Hause wird reicher ornamentaler Bilderschmuck ange-bracht, der in kunstvollen und naturgetreuen Flachre-liefs die einzelnen Begebenheiten im Palaulande, Sagen und Märchen, erotische Darstellungen festhält. Lebens-große weibliche Figuren mit gespreizten Beinen werden über der Giebeltür angebracht, daneben hängen Phalli. – Die einzelnen Familien wohnen in Gehöften, die aus ei-nem oder zwei zierlich gebauten Familienhäusern (blai), etlichen Wirtschaftsgebäuden und gelegentlich einem Geisterhaus bestehen. – Jedes große Dorf besitzt an der Seeseite einen langen, aus Korallensteinen erbauten Landungssteg, dessen Länge sich der Macht und dem Ansehen der Ortschaft anpaßt. – Eine Arbeitstrennung ist nur teilweise durchgeführt. Frauensache ist der Taro-anbau, die Pflege der Gelbwurz, Mattenflechten, Her-stellung der Schurze, Töpferei; Männer betreiben die Pflege der Betel-, Kokospalmen und Tabakpflanzungen, ernten die Brotfrüchte, üben den Fischfang aus, stellen Geräte aller Art und Waffen her, doch gibt es besondere Handwerker für den Haus-, den Bootbau und die Her-stellung des hölzernen Geschirrs. Männer bereiten auch die tägliche Nahrung. Als Genußmittel stehen Tabak, Betelnuß und Betelpfeffer in gleichem Ansehen. – Spiel und Sport sind sehr beliebt und werden mit dem Tanz gern ausgeübt. Viele Festlichkeiten. – Betriebsamkeit und Fleiß der Palauleute haben zur Ausbildung eines regelrechten Handels geführt. So verhandelt z.B. der Norden Palaus die dort hergestellten Schmucksachen über die ganze Gruppe. Die vulkanischen Inseln versor-gen die weniger reichen südlichen, meist gehobenen Koralleninseln der Gruppe mit Taro gegen Textilpro-dukte, Matten und Segel. – Die geistige Kultur steht in Palau in hoher Blüte. Von Mund zu Mund lebt dort eine unerschöpfliche Menge von Liedern, Epen, Erzählungen profanen und religiösen Inhalts fort. – Auch die materi-elle Kultur ist reich. An allen Gegenständen und Gerä-ten ist ein hoher Kunst- und Formensinn der Eingebo-renen zu beobachten. Allerdings haben schon viele japa-nische und europäische Waren aller Art bei den Palau-leuten Aufnahme gefunden. Der Betelkorb. Er ist der unzertrennliche Begleiter von Jung und Alt in Palau. Betelnüsse, Betelblätter, Kalkbehälter und für alte Leute Nußspalter, Stößel und Mörser bilden seinen Inhalt. – Lampen, in denen Kokosöl in Dochten verbrannt wird. – Mit primitiven Geräten stellte man ehemals die Gebrauchsgegenstände aller Art her. Heute gebraucht man eiserne Werkzeuge. – Schleuder und Speer sind die Hauptwaffen der Eingeborenen; der Bogen wird fast nur zur Vogeljagd verwendet. Einen ähnlichen Gebrauch macht man von dem durch die Spanier eingeführten Blasrohr. – Als Verkehrsmittel sind dreierlei Fahrzeuge im Gebrauch: flache Bambusflöße, die mit Stangen vor-wärts bewegt werden; Paddel- und Segelkanus. Diese Kanus sind Einbäume mit Auslegern versehen. Sie sind rot und weiß bemalt und werden in verschiedenen Grö-ßen, vom Einsitzer bis zum 40 Mann fassenden Kriegs-kanu gebaut. Die Segelkanus führen außer Paddeln, Mast und dreieckige Mattensegel.