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Verwaltung VII

Am 19. September 1907 lehnt der Bezirksamtmann von Karibib es ab, dem Farmer Rapp von der Farm Neu-Schwabenland weiterhin einheimische Arbeiter zuzutei-len. In seiner Begründung schreibt der Bezirksamtmann an Rapp: »… muß ich Ihnen zu meinem Bedauern eröffnen, daß ich nicht mehr in der Lage bin, Ihnen von Amts wegen Arbeitskräfte zu überweisen. Sie selber wissen, daß die Arbeitsverhältnisse auf Neu-Schwaben von jeher Gegenstand meiner ernsten Fürsorge waren. Nachdem Ihnen die zu wiederholten Malen überwiese-nen Hereros sämtlich nach recht kurzer Zeit entlaufen waren, habe ich es in Anbetracht der ausdrücklichen Vorschriften des Kaiserlichen Gouvernements nicht mehr verantworten können, Ihnen Kriegsgefangene [aus den Aufständen von 1904-07] zu überweisen, und habe mich nach Kräften bemüht, freie Kaffern für sie zu gewinnen, denen gegenüber ich ein Zwangsmittel, um sie zur Arbeit an einem bestimmten Platz anzuhalten, nicht habe. Ich habe große Mühe aufgewandt, die Leute zur Arbeitsaufnahme bei Ihnen zu bewegen, denn ich erachte mich als verpflichtet, einen jungen Farmer tun-lichst zu unterstützen. Zu meinem Bedauern gelang es Ihnen nicht, die Leute an sich zu fesseln und so all-mählich einen festen Stamm Arbeiter zu erziehen. Immer wieder entliefen Ihnen die Leute und es ist charakteristisch, daß sie sich häufig nicht im Felde ver-bargen, sondern zur Polizei kamen, um sich hier zu stel-len. Durchweg klagten die Leute über die Behandlung, insbesondere über Mangel an ausreichender Kost.

Ich habe durch Vernehmungen versucht, den wahren Ursachen der ungünstigen Arbeitsverhältnisse auf den Grund zu kommen und habe auf Grund dieser Ermitt-lungen s. Zt. den Herrn stellvertretenden Gouverneur Regierungsrat Dr. Hintrager in Ihrer Anwesenheit Vor-trag gehalten. Die Ihnen damals gegebenen Direktiven haben Sie offenbar nicht befolgen können, denn immer wieder entliefen Ihnen Leute. Aus dem ganzen Stande der Dinge muß ich entnehmen, daß Sie es noch immer nicht gelernt haben, mit Eingeborenen unzugehen. Es kommt dazu, daß nach ärztlicher Ansicht die Ernäh-rungsverhältnisse auf Neu-Schwaben von den auf ande-ren Farmen erheblich abzuweichen scheinen. Unter-stützt wird diese Annahme durch Zeugenaussagen.

Ich habe noch einmal am 16. 8. 07, als Sie fast ganz ohne Arbeitskräfte waren, mich schweren Herzens entschlos-sen, Ihnen 8 Kriegsgefangene zu überweisen. Auch diese Leute haben bereits einen vergeblichen Flucht-versuch gemacht, und Sie haben sich nicht gescheut, die Weiber dieser Leute durchzuprügeln, also eine Hand-lungsweise, zu begehen, die nicht einmal von Amts wegen vollzogen werden darf.

… wenn Eingeborene bereits so verzweifelt sind, daß sie der Polizei erklären, lieber wollen sie im Gefängnis bleiben und täglich geprügelt werden, als daß sie nach Neu-Schwaben gingen, wenn sie ferner erklären, im Falle zwangsweiser Zuführung würden sie bestimmt wieder entlaufen, und zwar ins Feld, nicht mehr zur Polizei, weil sie da keinen Schutz fänden, so muß es in der Tat mit der Eingeborenen-Fürsorge auf Neu-Schwa-ben schwach bestellt sein. Wie es vornehmlich zwar meine Pflicht ist, den Interessen der Farmer zu dienen, so ist es andererseits auch meine Obliegenheit, die Menschen-Rechte auch der Eingeborenen zu schützen.«