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Anecho/Klein Popo

Klein Popo, auch Klein-Popo oder Kleinpopo geschrie-ben, wird 1905 in Anecho umbenannt, daher die beiden Namen der Stadt. Grand Popo liegt in der benachbarten französischen Kolonie Dahomé, ist aber kleiner als Klein Popo. Von den in Grand Popo 1902 ansässigen sieben Firmen sind fünf deutsche und nur zwei französische.

Klein Popo liegt auf einer zwei Kilometer langen und gut hundert Meter breiten Nehrung zwischen Meer und Lagune. 1902 hat der Ort etwa 40 weiße Bewohner und mehrere tausend Schwarze, die in 600 bis 800 dicht gedrängt stehenden Eingeborenenhütten leben, welche aus dunklem Lehm gebaut sind, mit Schilf gedeckt und nur durch winklige Quergäßchen voneinander getrennt sind, die so eng sind, daß zwei Menschen sich in ihnen kaum ausweichen können, und in denen man nicht aufrecht zu gehen vermag, ohne mit dem Kopf an die von beiden Seiten überhängenden Schilfdächer zu sto-ßen. Sowohl auf der Seeseite als auch auf der Lagunen-seite lassen die Hüttenkomplexe nur einen schmalen, unbebauten Streifen frei, auf dem sich aller Verkehr abspielt. Hie und da gibt es zwischen den einzelnen Häusern einen kleinen, unsauberen Hof, der als Koch-, Wasch- und Arbeitsplatz für die Frauen und als Spiel-platz für die Kinder dient. Hühner, Enten, Tauben, Zie-gen und Schweine vollenden die Szenerie.

Meistens mitten zwischen den Negerhütten liegen die Europäerhäuser. Für die Europäer erwächst allerdings durch die unmittelbare Nachbarschaft mit den Einge-borenen die erhöhte Gefahr der Malaria. Die engen, dunklen Gassen, die niedrigen Hütten mit den Stroh-dächern sind bevorzugte Schlupfwinkel der Moskitos. Scherben, alte Flaschen, Blechgefäße, Töpfe mit abge-standenem Wasser in den Negerbehausungen sind für die Stechmücken ebenso willkommene Brutplätze wie die Lagunentümpel.

Am westlichen Ende des Ortes liegt abseits der Neger-niederlassungen das Nachtigal-Krankenhaus. Von son-stigen Regierungsgebäuden findet sich am entgegen-gesetzten Ende des Platzes das Zollamt und die Post; dazwischen verteilen sich die Faktoreien der sieben hier vertretenen Firmen und zwei Missionsanlagen, jede mit einem Kirchlein; sowohl eine katholische als eine wes-leyanische sind vertreten. Letztere ist trotz ihres eng-lischen Ursprungs mit einem deutschen Missionar be-setzt.

Der Arzt Ludwig Külz wohnt einige Kilometer vom Kasi-no entfernt im Nachtigal-Krankenhaus und hat außer Gesprächen mit seinen Patienten und dem gelegent-lichen spätnachmittäglichen Besuchs eines Europäers oder des Bezirksamtmanns des Küstenbezirks Klein Popo, der im benachbarten Sebe sitzt, auch nur das Kasino als Treffpunkt:

»Der abendliche Weg dorthin im Dünensande gehört nicht zu den angenehmsten Promenaden, besonders nicht, wenn der Mond fehlt, und Moritz [ein 12jähriger Diener] ihn mit einer vorausgetragenen Laterne erset-zen muß. Außerdem benutzt der Neger mit großer Vor-liebe gerade dieses Terrain zur Verrichtung aller seiner Bedürfnisse, und der Seewind pflegt nachdrücklich ge-nug der Nase des Passanten diese Tatsache in Erinne-rung zu bringen. Das Beste am ganzen Kasino sind die sich ihm anschließende Kegelbahn und eine dort auf-bewahrte Bibliothek. Was an Kasinoabenden geboten wird, sind außer schlechten Getränken schlechte Witze – gute macht nur der dicke Postmeister H. – und neben den höheren Gesichtspunkten des »Küstenklatsches« die schwerwiegendsten Fragen der Kolonialpolitik. Was da in kurzer Zeit alles für Weisheit ausgekramt wird, namentlich dann natürlich, wenn der unvermeidliche Alkohol der Zunge und den Gedanken die Zügel gehörig gelockert hat!«


Die städtische Siedlung Klein Popo hat 1902 mit dem Nachtigal-Krankenhaus das einzige Europäerkranken-haus in Togo. Benannt ist das Krankenhaus nach dem 1885 verstorbenen Afrikaforscher Gustav Nachtigal.

Der zweite Arzt der Kolonie ist in der Hauptstadt Lome ansässig. Zu den Aufgaben der Ärzte gehört auch – wie überall an Hafenplätzen – Schiffe, die den gelben Quarantänewimpel gesetzt haben, zu besuchen und nach Besichtigung von Besatzung und Passagieren über gefährliche Krankheiten wieder frei zu geben oder die Quarantäne über das Schiff zu verhängen.

Das Krankenhaus in Klein Popo ist von einem großen, mit vielen Vögeln belebten Garten mit Tropenbäumen, hauptsächlich Kokospalmen, umgeben. Das Gebäude ist zweistöckig, luftig gebaut, mit breiter, rundherum lau-fender Veranda, weißem Anstrich bis auf die grünen Fenster und Türen, mit großen hellen Räumen. Die frische Seebrise, die den größten Teil des Tages über recht stark weht, trifft das Nachtigal-Krankenhaus in voller Stärke und trägt viel dazu bei, die tropische Hitze erträglich zu machen. Allerdings bringt sie auch reich-liche Feuchtigkeitsmengen mit, so daß alle Eisenteile rasch rosten und selbst die chirurgischen Instrumente sich nur unter dauerndem Ölüberzug einigermaßen unversehrt halten lassen. Leder verschimmelt, Glas be-schlägt vom salzhaltigen Wasser, und die Uhren versa-gen nach kurzer Zeit ihren Dienst.

Ludwig Külz schreibt im August 1902 als neuer Chef über das Nachtigal-Krankenhaus, in dem er nun tätig ist, daß die Patienten »außer ihrer körperlichen Genesung auch eine psychische Erfrischung mit von dannen neh-men können. Augenblicklich bilden fünf Europäer den Patientenbestand, die hoffentlich sämtlich in nächster Zeit ihre Tätigkeit wieder aufnehmen werden.

Außer den drei Schwestern setzt sich mein Hilfsper-sonal nur aus Schwarzen zusammen. Ihr Senior ist der Koch, eine würdige Gestalt, die über dem stattlichen Bauche stets eine saubere, weiße Schürze trägt. Er ist seit dem Bestehen des Krankenhauses [1895] in ihm tätig und scheint seine Sache gut zu machen. Max und Moritz sind zwei ungefähr 12jährige Bengel, die als Die-ner für die Zimmer der Kranken und des Arztes tätig sind. Außer ihnen versieht August, ein etwa 20jähriger Neger, Krankenwärterdienste, und Hans, in ungefähr dem gleichen Alter, hat die Instandhaltung des unteren Stockwerkes als Ressort zugewiesen erhalten. Zwei klei-ne Mädchen von etwa 10 Jahren, Hulda und Farfara, Waisenkinder aus dem Togohinterlande, helfen beim Säubern des Geschirres in der Küche, beim Putzen und beim Servieren bei Tisch. Für die Pflege des Gartens, seiner Anlagen und Wege, haben zwei weitere Einge-borene zu sorgen: Kwasi und Mensah. Ihre Haupttätig-keit besteht im Wassertragen für die neuen Anpflan-zungen, für Gemüse- und Blumenbeete, die hier in der trockenen Zeit täglich früh und abends begossen wer-den müssen. Ein schwarzer Waschmann mit seinen Gehilfen vervollständigt das Personal der Eingeborenen.

Zehn Minuten hinter dem Krankenhause sendet die Lagune einen schmalen Arm ins Land hinein. Dorthin pilgere ich öfters nach beendeter Chirurgie am Spät-nachmittage, vertausche das Operationsmesser mit der Jagdflinte, rufe Moritz als Begleiter, der in Ermangelung eines Jagdhundes die erlegte Beute apportieren muß, und suche das Menü der Krankenhausküche zu be-reichern.

Auch die Verpflegung steht auf der Höhe. Leider sind wir zu einem großen Teil auf Konserven aus der Heimat angewiesen, die uns in monatlichen Lieferungen ge-schickt werden.«

Zu den drei Schwestern des Roten Kreuzes bemerkt Külz: »Eine der Schwestern weilt schon 1½ Jahr im Lande, und die Spuren schwerer überstandener Fieber sind ihr deutlich anzusehen; aber sie setzt ihren Ehrgeiz darein, volle zwei Jahre – so lange läuft ihre Verpflich-tung – auszuhalten.«

Über das Krankenhaus für die Schwarzen in Klein Popo schreibt Külz:

»Die schwarze ›Stadtpraxis‹ wickelt sich zum größten Teile in der ›Poliklinik‹ ab. Unter diesem stolzen Namen verbirgt sich eine vorläufig noch recht primitive Einrich-tung, die aber trotzdem von unschätzbarem Werte ist. Diese Poliklinik liegt einige Minuten vom Nachtigal-Krankenhause entfernt inmitten des Negerdorfes. Vor etwa einem Jahre [1901] wurde sie von Dr. Sch. schüch-tern ins Leben gerufen, anfänglich auf eigene Verant-wortung und Kosten des Gründers, weil das Gouverne-ment dieser neuen Einrichtung zunächst mit Mißtrauen begegnete. Jetzt ist sie schon Hunderten von Kranken Eingeborenen eine willkommene Zufluchtsstätte gewor-den. … Die innerlich Kranken bekommen in der Poli-klinik ihr Rezept, mit dem sie zur Krankenhausapotheke pilgern, wo ihnen das verordnete Medikament von einer Schwester verabfolgt wird. Erforderliche Operationen nehme ich stets im Operationsraum des Hospitals vor; nach beendetem Eingriff werden die Patienten in einer Tragbahre zur Weiterbehandlung in die Poliklinik zu-rückgebracht. Ich glaube, daß gerade die ärztliche Hilfe-leistung unter den Eingeborenen besonders geeignet ist, sie dem Weißen näherzubringen, Vielleicht ist es für sie vorläufig das einzige Geschenk der Regierung, für dessen Wert sie schon jetzt volles Verständnis besitzen.

Im Dienste der Poliklink sind zwei schwarze Hilfskräfte beschäftigt, Dovi und Heinrich. Ersterer ist ein flinker, geweckter und wohl auch gewissenhafter Mensch, un-gefähr 25 Jahre alt. Er war jahrelang im Dienste eines meiner Vorgänger, des 1899 verstorbenen Oberstabs-arztes Wicke, tätig. Seine Ausbildung hat er zum Teil in Deutschland erhalten. Deutsch und Englisch beherrscht er vollkommen in Sprache und Schrift, und bei Ope-rationen leistet er sehr gute Assistenz.«




Auf dem jenseitigen Ufer der breiten Lagune liegt, in dreiviertelstündiger Wasserfahrt zu erreichen, der Ort Sebe mit dem Bezirksamt für den Küstenbezirk Klein Popo und der Regierungsschule. Der zweite Küstenbe-zirk von Togo ist der Bezirk Lome.

Ludwig Külz schreibt über eine nächtliche Fahrt vom Nachtigal-Krankenhaus nach Sebe im August 1902:

»Ich saß an meinem Schreibtisch, als plötzlich zwei Schwarze zu mir hereingestürmt kamen und mich ba-ten, so schnell wie möglich nach Sebe zu kommen. Ein Kanu läge für mich am Ufer bereit. Ein schwarzer Soldat sei von einer Giftschlange gebissen worden! Ich nahm aus der Apotheke ein Taschenbesteck, eine Injektions-spritze, Kalium hypermanganicum und eine Dosis des vorrätigen Calmetteschen Schlangenserums zu mir. Da-mit eilte ich zum nahen Lagunenstrande und stieg ins Kanu, das Platz genug für einen Stuhl bot.

Es war meine erste nähere Bekanntschaft mit der Lagu-ne, diese Nachtfahrt im hellen afrikanischen Mond-schein. Im Schilfe des Ufers zirpten zahllose Grillen, Tausende kleiner Leuchtkäfer tauchten im feuchten Grase auf und nieder, Fledermäuse jagten ihrer Beute nach, und bisweilen scheuchte das Geräusch des fah-renden Kanus einen schlafenden Wasservogel auf, der, mit müdem Flügelschlage über unsern Köpfen hinweg-fliegend, im dichten Buschwerk des Ufers verschwand. Die drei Neger, die mit langen Stangen das Kanu vor-wärtstrieben, ermunterten sich durch Gesang und Zu-rufe zu rascher Fahrt, und in einer halben Stunde waren wir am Ziel.

Der Gebissene lag bei meiner Ankunft in tiefem Schlafe, schwer berauscht von großen Mengen Schnaps, die man ihm eingefüllt hatte. Offenbar gilt auch hier der Alkohol als wirksames Gegenmittel gegen Schlangengift.«

Der Patient, der von einer Puffotter gebissen worden war, überlebt, hat aber am nächsten Tag einen schweren Kater.

Külz schreibt auch noch: »Trotz ihres häufigen Vorkom-mens soll die Puffotter verhältnismäßig selten den Men-schen beißen, und für Erwachsene ist ihr Biß nicht unter allen Umständen tödlich. Von Europäern ist überhaupt in Togo bisher noch keiner einem Schlangenbiß zum Opfer gefallen, so daß die Gefahr der Giftschlangen für sie nicht groß zu sein scheint.

Von sonstigen Giftschlangen findet sich im Küstenbe-zirk noch die Spuckschlange mit stahlblauem Rücken und zinnoberrotem Bauche, schlank gebaut und im Gegensatz zur trägen Puffotter äußerst beweglich. Sie besitzt die Fähigkeit, ihren Oberkörper vom Erdboden zu erheben und blitzschnell ihrem Angriffsobjekte eine Portion ihres ätzenden Giftes entgegenzuspucken. Trifft es das Auge eines Tieres, so ist eine rasche Erblindung die Folge. Von den zahlreicheren ungiftigen Schlangen-arten des Lagunengebietes ist die imposanteste der Python, der eine Länge bis zu 5 m erreicht.«




Ludwig Külz 1902: »Für die Handelsfirmen Kleinpopos ist die Lagune die natürliche Zufuhrstraße des größten Teiles ihrer Exportprodukte, namentlich des Palmöls und der Palmkerne, die in den Kanus angebracht und in den Faktoreihöfen aufgestapelt werden, bis sich Gele-genheit findet, sie auf einem Dampfer zu verschiffen. Was nach Lome bisher ausschließlich auf dem Kopfe des Negers zur Küste transportiert werden kann, gelangt hier weit bequemer auf dem Wasserwege ans Ziel. Es war deshalb wohlbegründet und berechtigt, daß Klein-popo, der von der Natur bevorzugte Ort, anfangs auch zum Sitze des Gouvernement erwählt wurde.

Doch jede Medaille hat ihre Kehrseite. Gegenüber gro-ßen Vorzügen hat die Nähe der Lagune namentlich für den Europäer schwere Nachteile: sie gilt als Quelle der Malaria. Das Leben der Europäer war gerade in Klein-popo mehr gefährdet als an anderen Orten Togos; man sah, daß hier Fiebererkrankungen häufiger, die Verluste an Menschenleben zahlreicher waren. Es gab zwei We-ge, dieser Gefahr zu entgehen: entweder das von der Natur zum Handelsplatz prädestinierte Kleinpopo assa-nieren oder es zu verlassen und unter Verzicht auf seine Vorzüge einen anderen Ort zum Regierungssitz zu ma-chen.

Der letztere Weg wurde gewählt, und Lome entstand.«

Weiter schreibt Külz: »Lome ist dafür zur Regierungs-zentrale Togos erhoben worden, und wenn auch vor-läufig der Export Kleinpopos den Lomes noch übertrifft, so wird letzteres doch endlich auch Handelszentrale werden, sobald es außer der im Bau befindlichen Lan-dungsbrücke auch noch gute Zufuhrwege und eine Eisenbahn nach dem Hinterlande erhalten hat – alles Vorteile, die Kleinpopo versagt bleiben müssen.

Es liegt eine gewisse Schicksalstragik darin, daß Klein-popo, der Ort, der über die Hälfte aller Einnahmen des Schutzgebietes aufbringt, es geduldig über sich ergehen lassen muß, daß diese Einnahmen dazu verwendet wer-den, seinen Rivalen Lome zu fördern und seine eigene Entwicklung, wenn nicht zum Rückschritt, so doch zum Stillstand zu bringen. So ist heute Kleinpopo, der ein-stige Sitz des Gouvernements, unter allen Bezirken To-gos derjenige, der zwar die höchsten Einnahmen ab-wirft, aber dabei die weitaus niedrigsten Summen, sei es für Straßenbau, sei es für öffentliche Arbeiten – ganz zu schweigen vom hygienischen Gebiete –, zur Verfügung bekommt.«

Mit dem Aufstreben der Hauptstadt Lome, die westlich von Klein Popo rund 50 Kilometer Weges am Meeres-strand entlang liegt, verliert die Handelsstadt Klein Popo ihre Bedeutung; insbesondere nach der Eröffnung der Landungsbrücke in Lome 1904 und dem Ende von Klein Popo als Hafenplatz durch die Sperrung seiner Reede im Juli 1905. Gleichzeitig wird aber die 44 km lange Bahn Anecho-Lome in Betrieb genommen und die Waren der Händler von Anecho werden umsonst auf der neuen Bahn transportiert, dafür entfällt der um-ständliche Warenverkehr von den Schiffen auf der Reede durch die Brandung zum Strand mit seinen Warenverlusten; alle Waren und Menschen für und von Anecho werden nun über die Landungsbrücke von Lome umgesetzt.


Bis zur Fertigstellung der Bahn erfolgt der Transport der Weißen auf der Strandstrecke zwischen Klein Popo und Lome in der Hängematte, sofern sie nicht das Zufuß-gehen bevorzugen. An einer starken Stange aufgehängt, an deren Enden je ein Querholz befestigt ist, legen sich vier Eingeborene, zwei am Kopf-, zwei am Fußende die Stange mit der Hängematte auf den Schädel. Um den Druck zu vermindern, drehen sie ein Tuch ihrer Beklei-dung zu einem Knäuel und schieben ihn zwischen Holz und Kopf. Von Zeit zu Zeit wechseln sie mit vier anderen Trägern ab. Ebenfalls auf dem Kopf befördern die Neger die Koffer, Kisten und sonstige Lasten der Weißen. Eine Beförderungsmethode wie sie auch auf anderen Strek-ken in Togo benutzt wird.


Das Deutsche Kolonial-Lexikon:

Anecho, auch Klein-Popo (Little Popo) genannt, nächst Lome der wichtigste Ort an der Küste Togos, Hauptstadt des gleichnamigen Das Verwaltungsbezirkes. In A., das den Endpunkt der Küstenbahn Lome-A. bildet, befindet sich ein Regierungsarzt, ein Krankenhaus, welches nach dem verstorbenen Generalkonsul Dr. Nachtigal Nachti-galkrankenhaus benannt wird, eine Regierungsapo-theke sowie eine Post- und Telegraphenanstalt. Mit dem Krankenhaus ist eine Regenmeßstation verbunden. Der Sitz der Lokalverwaltung befindet sich in der Nähe von A. in Sebe.

(Sebe, kleiner, an der Nordseite der Lagune gelegener Ort bei Anecho in Togo, Sitz der Lokalverwaltung des Verwaltungsbezirks (Bezirksamts) Anecho. In Sebe be-findet sich eine Regierungsschule und eine Regierungs-versuchspflanzung. Sebe war bis 1897 Sitz der Zentral-verwaltung des Schutzgebietes; seit ihrer Verlegung nach Lome wird auch das Beamtenviertel in Lome vom Volksmund Sebe genannt.)

Die katholische Steyler Mission (Gesellschaft des Gött-lichen Wortes) unterhält in Anecho eine von Europäern besetzte Hauptstation mit Kirche und eine Schwestern-niederlassung; die wesleyanische Methodistenmission hat dort ihren Hauptsitz und eine Kirche. Zahlreiche europäische Handelshäuser unterhalten in A. Fakto-reien, vielfach unter Leitung von Europäern. — A. zer-fällt in verschiedene Stadtteile, deren jeder einen beson-deren einheimischen Namen führt. Einige Stadtteile, einschließlich der Europäerniederlassungen, liegen auf einem schmalen Dünenstreifen zwischen dem Meeres-strand und der Lagune, der infolge des beschränkten Raumes äußerst eng bebaut war. Die flachen Ränder der Lagune und zahlreiche Tümpelbildungen begünstigten die Entwicklung von Stechmücken; da auf dem schma-len Dünenstreifen die Europäerniederlassungen zwi-schen den eng aneinandergebauten, äußerst starkbeleg-ten Hütten der Eingeborenen zerstreut lagen, so traten in A. unter der Europäerbevölkerung öfters Gelbfie-berepidemien auf. In neuerer Zeit sind die hygienischen Verhältnisse durch Aufschütten des Lagunenrandes und Verbreiterung des Bebauungsraumes sowie durch Verlegung eines Teiles der Eingeborenen nach der A. gegenüberliegenden Laguneninsel Adjido, welche mit A. durch einen festen Damm verbunden wurde, ganz wesentlich verbessert worden. — Die Ein- und Ausfuhr über die Seegrenze erfolgt seit 1905 ausschließlich über Lome durch Vermittlung der Küstenbahn. Die handels-politische Bedeutung A.s liegt in dem Produktenreich-tum seines Hinterlandes. Die von A. ausgeführten Men-gen von Ölpalm-Produkten sind bedeutend; in einzelnen Jahren ist auch die Ausfuhr von Mais recht erheblich gewesen. Von Wichtigkeit für die Entwicklung des Anechohandels sind auch die Lagunen, welche günstige Wasserwege nach verschiedenen Produktenmärkten und nach den Produktionsgebieten am unteren Monu bieten.