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Pläne für das deutsche Kolonialreich

Die Inseln Annobon und Fernando Poo gehören zur Kolonie Rio Muni, sind aber nicht Bestandteil des Vor-kaufsrechts für Rio Muni von Frankreich aus dem Jahre 1900, das 1911 von Deutschland übernommen wurde, da Annobon und Fernando Poo erst 1909 von Spanien mit Río Muni und den vorgelagerten Inseln zu Spanisch Mu-ni (Territorios Españoles del Golfo de Guinea) vereinigt wurden.

Die deutsche Hoffnung, im deutsch-französischen Ver-trag vom November 1911 das Vorkaufsrecht für ganz Spa-nisch Muni erwerben zu können, entfiel, es wurden aus-drücklich nur die Inseln nahe dem Festland, also Coris-co und die beiden Elobey-Inseln, als Teil des Vorkaufs-rechts angegeben, so wie es im spanisch-französischen Vertrag von 1900 vorgesehen ist.

Annobon liegt 350 Kilometer vor der afrikanischen Küs-te im Atlantik und ist mit seinen 17 qkm und vielleicht 1000 Einwohnern vollkommen unwichtig. Fernando Poo dagegen liegt in Sichtweite vor Kamerun 35 Kilometer vor der deutschen Kolonie mit 2017 qkm und 10.000 Ein-wohnern. Die fruchtbare Insel hat bedeutende Kakao-kulturen, die jährlich für drei bis vier Millionen Mark Kakaobohnen liefern. Von den fünf größten Kakaopflan-zungen von 600 bis 1000 Hektar sind drei in portugiesi-schen, eine in spanischen und eine in deutschen Hän-den. Die Insel hat eine monatliche Dampferverbindung mit dem Mutterland Spanien, welche fast die ganze Aus-fuhr von Kakaobohnen nach Spanien befördert, wäh-rend in der Einfuhr nur die Hälfte aus Spanien kommt und die andere Hälfte ziemlich zu gleichen Teilen aus England und Deutschland.

Der Anbau von Kakao auf Fernando Poo erreicht 1913 5250 Tonnen. Erschwerend dabei ist der Mangel an Arbeitskräften. Das einheimische Volk der Bubi wurde durch Krankheiten, Zwangarbeit und den großen Auf-stand von 1910 der Bubi gegen die Zwangsarbeit auf den Plantagen, bei dem schätzungsweise 15.000 Bubi ums Leben kamen, schwer dezimiert. So ist die Kakaoinsel abhängig von importierten Arbeitskräften. 1914 wird ein Vertrag mit der westafrikanischen Republik Liberia un-terzeichnet, der der deutschen Reederei Woermann er-laubt bis zu 15.000 Arbeiter von Liberia nach Fernando Poo zu bringen.

Klar ist, daß Deutschland bei nächster Gelegenheit Fer-nando Poo an sich bringen will. Entweder zusammen mit Muni, durch das bestehende Vorkaufsrecht auf Muni und einem Zusatzabkommen, das Fernando Poo mit ein-schließt, oder unabhängig von der Erwerbung von Muni. Annobon kommt dabei nur deshalb in Betracht da die kleine Insel genau in einer Linie nach Südosten von Fernando Poo liegt, die über die portugiesischen Inseln Sao Thome und Principe führt. Die beiden portugiesi-schen Inseln gehören seit dem August 1913 durch einen deutsch-englischen Vertrag zur deutschen Einflußsphä-re und werden in absehbarer Zeit dem deutschen Kolo-nialreich eingefügt. Von Fernando Poo liegt Principe et-wa 180 Kilometer entfernt, Sao Thome liegt weitere 140 von Principe weg und nochmals 180 Kilometer hinter Principe kommt Annobon. Diese in einer Linie hinter-einander aufgereihten Inseln ergeben sich automatisch als eine Verwaltungseinheit, eingegliedert in die Kolo-nie Kamerun.