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Spanisch Muni

Während der Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich anläßlich der zweiten Marokkokrise wird im Sommer 1911 vom deutschen Außenminister Alfred von Kiderlen-Waechter Wert darauf gelegt, daß bei der Festlegung der deutsch-französischen Grenze in Westafrika der Grenzverlauf südlich der spanischen Ko-lonie Muni liegt, weil die »Umklammerung der spani-schen Kolonie Rio Muni von Bedeutung ist«, wie Kider-len am 11. August 1911 schreibt. Durch die »Umklam-merung« wäre Muni bis auf seine Meeresseite voll-ständig von deutschem Gebiet umgeben und für die geplante deutsche Übernahme wirtschaftlich und poli-tisch einfacher ›einzukassieren‹.

Durch den Marokkovertrag vom November 1911 zwi-schen Frankreich und Deutschland kommt es wie von Kiderlen gewollt und Muni ist vollständig von der Ko-lonie Kamerun umgeben. Außerdem überträgt Frank-reich sein Vorkaufsrecht auf die spanische Kolonie vom Juni 1900 an Deutschland. Das Vorkaufsrecht beinhaltet das festländische Muni mit 26.000 qkm, die vor der Küs-te liegenden Inseln Corisco mit 14 qkm und die Große (Elobey Grande) und die Kleine Elobey-Insel (Elobey Chico) mit zusammen 2 qkm.

Das Hinterland von Muni ist nicht von der spanischen Kolonialverwaltung unterworfen und die Kautschukbe-stände im Hinterland werden von Kamerun aus ausge-beutet. In den drei Häfen Bata, Benito und Klein Elobey hat sich ein lebhafter Handelsverkehr entwickelt, der zum weitaus größten Teil in den Händen des Hamburger Hauses Woermann liegt, zu einem kleineren Teil in englischen Händen. Spanien ist fast überhaupt nicht an der wirtschaftlichen Nutzung von Muni beteiligt. Die Ausfuhr besteht hauptsächlich aus Palmkernen, Palmöl, Kautschuk, Elfenbein, Rotholz, Mahagoni und anderen wertvollen Holzarten.

Das zur Westafrikanischen Station der Marine gehörige Kanonenboot SMS Eber verläßt nach einem Werftauf-enthalt Ende Juni 1913 Wilhelmshaven wieder mit ei-nem Vermessungs-Detachment an Bord für Vermes-sungen des Golfs von Guinea. Dazu gehört nicht zufällig auch die Vermessung der Küste von Muni, wofür eine Sondererlaubnis der spanischen Regierung eingeholt wurde.

1913 ist auch der wirtschaftspolitische Referent von Ka-merun im Grenzgebiet gegen Spanisch Muni unterwegs und eine deutsche Expedition erkundet 1913 das Hinter-land von Muni.

Das vollständig von der Kolonie Kamerun umgebene Land ist nach der Tatsachenlage Teil der deutschen Kolonialwirtschaft.

Das jährliche staatliche Defizit Spaniens durch den Be-sitz von Spanisch Guinea beträgt 1½ bis 2 Millionen Mark. Es ist abzusehen, daß Deutschland Muni vom ar-men Spanien, wie 1899 die spanischen Inseln im Pazifik, kaufen wird. Von deutscher Seite ist bereits der Verwal-tungsbezirk Muni eingerichtet, der zunächst die südlich vom spanischen Muni liegenden deutschen Gebiete ver-waltet.