Die Tschechen Jiri Hanzelka und Miroslav Zikmund reisen 1947/48 im Wagen durch Afrika. In Tanga-nyika/Deutsch Ostafrika treffen sie einen Tschechen, den grauhaarigen Herrn Stocký, der ihnen erzählt:
„Die Anfänge waren schwer. Ich glaube, daß mich der ewige Kampf mit den Deutschen, an den ich mich be-reits in Wien, wo ich als Schlosser in der Lehre war, gewöhnt habe, mein ganzes Leben verfolgt hat. Auch hier in Afrika. Ich kam nach Tanganjika, als das Land einen neuen Herrn bekam, aber während der ganzen folgenden Jahrzehnte sah ich, daß die Deutschen eigent-lich nie aufhörten, hier die wirklichen Herren zu sein … Nie …? Heute haben sich die Verhältnisse geändert. Jetzt, wo ich’s schon nicht mehr nötig habe, bin ich auf einmal die Konkurrenz los.“
Hanzelka/Zikmund: »Die deutsche Kolonie wurde zer-stückelt [Ruanda und Urundi an Belgien / ›Tanganyika‹ an England / Kigoma-Dreieck an Portugal], aber die Deutschen blieben. Sie hatten den größten Teil des Han-dels und der Industrie in der Hand, und ihre Solidarität untereinander machte auch unter den neuen Verhält-nissen ihre Stellung unerschütterlich. Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lebten in Tanganjika mehr als drei-tausend Deutsche. Es waren alteingesessene Siedler, die vor Jahrzehnten nach Afrika gekommen waren. Sie tra-ten wieder an die Öffentlichkeit, als die Nazis die Rück-gabe der ehemaligen deutschen Kolonien forderten. Die offizielle und geheime Unterstützung, die den Volksge-nossen in Tanganjika vom Dritten Reich zukam, förderte die Errichtung einer starken Organisation, die nur auf eine passende Gelegenheit wartete.
Umfassende Vorbereitungen zu einer Aktion, deren Ziel die Machtergreifung war, wurden getroffen. Munitions-lager und Listen der künftigen Befehlshaber der einzel-nen Distrikte bewiesen, daß die Nazis in Tanganjika nicht müßig waren. Die Methoden waren die gleichen, im tschechoslowakischen Grenzland wie in Tanganjika.
Aber auch die Briten schliefen nicht. Und so wurden beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges durch das energische Eingreifen der Sicherheitsbehörden alle Na-zis in Tanganjika im Lauf einer Nacht verhaftet und einige Stunden vor Beginn der vorbereiteten Aktion alle bewaffneten Zentren zerschlagen und die Waffenlager beschlagnahmt. Unter dem Belastungsmaterial, das die Entscheidung über die Zukunft der Tanganjika-Deut-schen beschleunigte, befanden sich schwarze Listen, in denen die Namen einer Reihe von Personen verzeichnet waren, die nach Wiedererrichtung der deutschen Kolo-nie „unerwünscht“ waren. Der tschechische Name Sto-cký stand darin mit an erster Stelle.
Vor einiger Zeit legten die Deutschen, die auf ihre Aus-siedlung aus Afrika warteten, bei der UNO Protest gegen ihre Ausweisung ein, aber vergebens. Sie mußten in Gruppen nach Deutschland zurückkehren, und das Wirtschaftsleben von Tanganjika bekam ein anderes Gesicht.
Den geringsten Nutzen von dieser Änderung haben jene, die das größte Anrecht auf ihr Land haben – die Schwar-zen. Sie bleiben weiterhin von jeder Entscheidung über das Schicksal ihres Landes ausgeschlossen, nur das die Ergebnisse ihrer Arbeit in andere Hände fließen als früher.
Die Engländer schaffen sich dabei unter dem Deckman-tel ihrer Entnazifizierung mit einem Schlag die deutsche Konkurrenz vom Hals.«
Als General Paul von Lettow-Vorbeck, der im Ersten Weltkrieg die deutschen Kolonialtruppen in Ostafrika geführt hat, 1953 Daressalam besucht, begrüßen ihn hunderte seiner ehemaligen Soldaten und bitten ihn, einige Tage länger als geplant als ihr Gast in Tansania zu verweilen.
Zur Unabhängigkeitsfeier Tansanias in Daressalam am 9. Dezember 1961 ist Lettow-Vorbeck auch anwesend und gleichzeitig sind deutsche Firmen in den Start-löchern für die Eroberung des Marktes des jetzt freien Landes wie der nun ehemalige englische Kolonialbe-amte in Tanganjika, John David Bee, anmerkt.
Da General Lettow-Vorbeck gegen Kriegsende seinen afrikanischen Soldaten nur noch Schuldscheine statt Sold auszahlen konnte, begleicht 1964 die Bundesrepu-blik Deutschland den noch lebenden ehemaligen afrika-nischen Soldaten der Schutztruppe in Ostafrika ihre Schuldscheine und zahlt ihnen seither alljährlich einen Ehrensold von 50 DM im Jahr und seit 1984 einen Ehrensold von 100 DM im Jahr.
Das von der deutschen Kolonialverwaltung in Ostafrika verbreitete Suaheli ist heute die Landessprache von Tan-sania und noch immer fährt die Goetzen, heute unter dem Namen Liemba, auf dem Tanganjikasee. 1913 im Auftrag der deutschen Ostafrikanischen Eisenbahn-Gesellschaft auf der Meyer Werft in Papenburg als Passagier- und Frachtschiff erbaut, wurde das zerleg-bare Schiff in 5000 Holzkisten verpackt und nach Afrika verschifft. Über die Mittellandbahn wurde die Goetzen von Daressalam nach Kigoma am Tanganjikasee gefah-ren und wieder zusammengebaut. Auch heute fährt das Schiff auf dem zweitgrößten See Afrikas und in dem als deutsche Hafenstadt erbauten Kigoma steht der deut-sche Bahnhof ebenso wie das Jagdschloß für den deut-schen Kaiser Wilhelm dem Zweiten.