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Kamerun III

Harry Rudin, der in den 20er Jahren Kamerun bereist und dann 20 Jahre an der Universität Yale als Professor tätig ist, schreibt im Kapitel VIII in seinem Werk Germans in the Cameroons, 1884-1914:

»Es war ein Glück für mich einen großen Teil des Inneren von Kamerun bereist zu haben. Woimmer ich hinkam hörte ich die Einheimischen die exzellente deut-sche Verwaltung loben. Die öfters gemachte Bemerkung über die Deutschen war, daß sie sehr streng manchmal hart, aber immer gerecht waren. Das ist eine hohes Lob; und ein noch größeres Lob liegt in der Zuneigung die Eingeborene für einzelne deutsche Beamte fühlten. Eine Nation kann nicht eine höhere Würdigung ihrer aus-gezeichneten Verwaltung erbitten als solche Meinun-gen von den von ihr verwalteten Menschen. Diese Meinungen wurden unter allen möglichen Umständen gegeben ohne Anweisungen oder Vorschlägen von mir. Ich wurde tatsächlich kritisiert, wenn ich Eingeborene auf vorgekommene Brutalitäten hinwies. Die entschie-denste Kritik der deutschen Herrschaft kam von deut-schen Händlern, die viel über die kleinlichen Verord-ungen und Einmischungen von amtlicher Seite in ihren Handel klagten und über die Inspektionen von den Gesundheitsinspektoren.«


Seit 1926 dürfen wieder deutsche Schiffe das französisch besetzte Kamerun anlaufen und deutsche Staatsbürger den französischen Teil von Kamerun betreten. Neben Reichsdeutschen und anderen Deutschsprachigen sind hauptsächlich Deutsch-Schweizer in Französisch Kame-run aktiv. Die Franzosen sind allerdings bemüht deut-schen Aktivitäten in der ehemaligen deutschen Kolonie soviele Steine wie nur möglich in den Weg zu legen.

In der Phase der Umstellung von deutscher auf die bri-tische und französische Verwaltung verdammt man die deutschsprachige Elite zur Untätigkeit. Von französi-scher Seite ist die Unterdrückung besonders stark. Zu Beginn befreit Frankreich die Arbeiter von den deut-schen Plantagen. Aber bald wird Zwangsarbeit einge-führt und selbst ihre eigenen unwürdigen Gesetze für die Kolonialvölker, der Code de l’indegénat, wird, wie überall in ihren Kolonien, von den Franzosen auch noch mißachtet. Die Arbeiten an der zentralen Eisenbahn-linie enden in einem wahren Blutbad: Die 38 km von Ndschok bis Makak kosten tausenden von Menschen das Leben. Die Arbeitsbedingungen sind oft einfach nur schrecklich und unmenschlich.

Die Franzosen bauen den Hafen von Duala weiter aus, um den Aufschwung in der Kakao-, Kaffee-, Palmöl- und Kautschukproduktion bewältigen zu können.

Die französische Mandatsregierung hat nur die deut-sche Kolonialherrschaft abgelöst, bringt aber keinerlei Verbesserung für die einheimische Bevölkerung. Im Gegenteil tritt eine sich verschärfende Verschlechte-rung der Verhältnisse für die Kameruner Bevölkerung ein. Die Gesundheitspflege für die Bevölkerung ist völlig unzureichend. Das öffentliche Unterrichtswesen be-ginnt erst 1939 mit einer Realschule in Jaunde.


Der Südafrikaner John Carlin bereist Mitte der 30er Jahre mit der deutschen Völkerkundlerin Gulla Pfeffer Kamerun. In Nkongsamba, der Endhaltestelle der Bahn von Duala, findet er einen von seiner Arbeit in einem Regierungsversuchsgarten begeisterten französischen Gartenbaubeamten. Er beschäftigt sich experimentell und wissenschaftlich mit tropischer Bodenwirtschaft und zeigt Carlin und Pfeffer seinen Garten. Carlin: »Unser Führer war der einzige begeisterte Staatsdiener, den wir in Kamerun getroffen haben.«

Bei dieser geistigen Einstellung fast aller französischen Kolonialbeamten in der Kolonie kann natürlich von ei-ner Entwicklung des Landes keine Rede sein.

Carlin beschreibt weiter, daß das in Französisch Äquato-rialafrika gelegene Fort Lamy als nächsten brauchbaren Hafen Duala hat. »Duala besitzt nämlich Kaie, von denen aus Truppen und Kriegsmaterial unmittelbar auf die Transportdampfer verladen werden können. Krane für gewöhnliche Schiffsfracht sind dagegen nicht vorhan-den, und von Handelsdampfern werden die dortigen Kaie kaum benützt, weil alle Schiffe, außer den fran-zösischen Postdampfern mit verheerenden Gebühren belegt werden. Die Autostraße selbst [nach Fort Lamy] hat nur wenig Verkehr – ich habe einmal in sechs Tagen einen Durchschnitt von nicht mehr als einem Lastwagen pro Tag festgestellt –, aber manchmal rast eine mili-tärische Kolonne von acht bis zehn Lastautos mit Sol-daten und Vorräten in nördlicher Richtung durch, und das ganze Jahr über werden an der Küste senegalesi-sche Truppen ein- und ausgeschifft. Mir hat einmal eine schwerarbeitende kleine Französin in Duala erzählt, daß sie für sich und ihr Kind auf dem Dampfer keine Kabine bekam, weil die verfügbaren Plätze für die Negersolda-ten benötigt wurden. Sie mußte mit dem Kleinen auf Deck nächtigen.«