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Die Lebensmittelversorgung

Zur Friedenszeit war ein großer Teil der Lebensmittel für Weiß und Schwarz in die Kolonie eingeführt worden, während umgekehrt Nahrungsmittel aus der Kolonie ausgeführt wurden. So wurde hochwertiger Reis aus Deutsch Ostafrika nach Indien exportiert, während die-selben Schiffe Reis von minderer Güte aus Indien in die Kolonie zurückbrachten, der von den Indern an die schwarze Bevölkerung der Küste verkauft wurde. Auf jeden Fall wurden etwa 50 % mehr Lebensmittel in die Kolonie eingeführt als ausgeführt. Zu den wichtigsten für die Weißen eingeführten Lebensmitteln zählten Reis, Weizenmehl, Zucker, Salz, Milchprodukte, Gemü-se, und Fleischkonserven; die wichtigsten importierten Genußmittel waren alkoholische Getränke und Tabaks-waren.

Für die im August 1914 vorgesehene Landesausstellung mit ihren vielen Besuchern waren von den Kaufleuten besondere Mengen von Konserven in Deutschland ge-ordert worden – Konserven waren ein sehr wichtiger Lebensmittellieferant für die Weißen – die auch vor der geplanten Eröffnung der Ausstellung in der Kolonie ein-trafen und diese beiden Schiffe, die Tabora und die Feldmarschall, hatten auch noch weitere Mengen an Konserven für andere Kolonien an Bord, die aber wegen des Kriegsausbruchs nun in Deutsch Ostafrika bleiben, und so halten die Bestände an Konserven bei einem sparsamen Verbrauch bis Anfang 1916. Durch die An-kunft des Blockadebrechers Marie im März 1916 werden noch einmal bedeutende Mengen an Konserven und europäischen Genußmitteln in die Kolonie gebracht und auch aus der Beute von geschlagenen gegnerischen Truppen kommen europäische Lebens- und Genußmit-tel ins Land wie etwa von den im September 1916 in den Süden der Kolonie eingedrungenen Portugiesen, die im November unter Erbeutung vieler ihrer Vorräte, die aus englischen Lieferungen an die Portugiesen bestanden, zurückgeschlagen werden, was zudem zum ersten gro-ßen Einmarsch deutscher Truppen in Mosambik führt.

Durch den Mehranbau von Lebensmitteln in der Kolo-nie kann die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung gesichert werden. Für die Weißen werden mehr Weizen und Reis angebaut. Der Reis soll auch die importierten Kartoffeln ersetzen. Als Kartoffelersatz wird im großen Maße die wohlschmeckende Muhogo (Maniok) ange-baut. Eine anspruchslose Pflanze, die auf fast allen Bö-den schnell wächst. Nach 4-5 Monaten können 10-20 armdicke Wurzelknollen von der Pflanze abgeerntet werden. Auch Süßkartoffeln, Mtama (Hirse), Kunde, eine Bohnenart und Schirokko, eine Linsenart, werden nun auch von den Weißen gerne gegessen.

Die Banane ist ein wichtiges Nahrungsmittel und Bana-nenmehl ersetzt so weit möglich Weizenmehl als Wei-zenmehl nicht mehr zur Verfügung steht.

Früchte sind ein wichtiger Bestandteil der Europäer-verpflegung. Bananen, Mangos, Ananas und Apfelsinen sind in großen Mengen vorhanden. Im Krieg wird eine große Anzahl weiterer Früchte zur Ernährung der Wei-ßen genutzt, die ihnen bis dahin unbekannt waren oder als Eingeborenenverpflegung angesehen wurden. Früchte werden auch getrocknet, gedörrt oder zu Marmelade verarbeitet vom Land in die Städte und zur Truppe gesandt. Aus Bananen wird außerdem auch noch ein guter Essig gewonnen.

Das von den Weißen so begehrte Konservenfleisch wird im Krieg durch Frischfleisch, gesalzenes oder gedörrtes Fleisch ersetzt. Fleisch für die Truppe und die weiße Bevölkerung kann in genügenden Mengen in den vieh-reichen Gebieten der Kolonie angekauft und mit der Bahn durch die Tsetsegebiete zu den Verbrauchern geschafft werden. Die farbige Bevölkerung ißt vorwie-gend vegetarisch und ist nicht so sehr auf Fleisch ange-wiesen. Für die Träger der Schutztruppe sieht man aber, wenn möglich, auch Fleischrationen vor.

Dem Vieh- und Wildreichtum in Ostafrika steht das Problem des Transportes durch tsetseverseuchte Gebie-te zu den Konsumenten in den Städten und im Krieg auch noch zu den Fronttruppen gegenüber. Deshalb war im Frieden einfach Schlachtvieh über See antranspor-tiert worden. Jetzt, im Krieg, können die Truppen im Felde durch Wild wie Elefant, Nilpferd und Giraffe ver-sorgt werden, für die Stadtbevölkerung wird dagegen auf die auch für die Tropen gesündere vegetarische Er-nährung übergegangen. Auch die einheimische Bevöl-kerung lebt ja überwiegend vegetarisch. Selbst die vieh-züchtenden Stämme nutzen hauptsächlich die Milch ih-rer Tiere und schlachten sie nicht.

Die vermehrte Gewinnung von Salz, Zucker und Ölen wird von der Regierung eingeleitet und ihre Heran-schaffung in die Städte, in die Militärmagazine für die Verpflegung der Truppe, und in die Verpflegungsmaga-zine für die weiße Bevölkerung, veranlaßt. Außerdem werden Aufkaufposten für Lebensmittel von den Einhei-mischen von der Regierung eingerichtet. Durch all diese Maßnahmen braucht keine Rationierung von Lebens-mitteln eingeführt werden.

Mit dem Ende der Versorgung mit Milchprodukten aus der Dose sind Butter, Milch und Käse nur noch in Gebieten mit Viehwirtschaft erhältlich. Erfolgreich sind dann aber die Versuche für deutsche Kranke, Frauen und Kinder in Tsetsegebieten tsetsesichere Viehställe mit Stallfütterung zu bauen, um die Versorgung mit Milch wenigstens der Kranken und kleinen Kinder zu gewährleisten. Nach dem Aufbrauch der Milchkonser-ven ist Milch so auch in den Tsetsegebieten weiterhin ausreichend vorhanden und die Versorgung mit Milch für Kranke, Frauen und Kinder gesichert.

Die Verschickung von Butter in verlöteten Blechdosen von Farmen und Meie-reien an Frauen, Kinder und Lazarette in vieharme Ge-biete muß mit dem Ende der Blechvorräte eingestellt werden.

Mit dem kriegsbedingten Ende der Butterlieferungen aus Europa und Indien beginnen einheimische Vieh-züchter ihre Art von Butter – Samli genannt – für das Einfetten von Körper und Kleider als Ersatzbutter an die Weißen zu verkaufen. Diese von den Eingeborenen her-gestellte haltbare Butter wird nun auch von den Weißen verwendet und bald übernehmen indische Händler den Zwischenhandel für Samli.

Als Speisefett wird auch bald hervorragendes Sesamöl gewonnen, da die Sesampflanze schon 4-5 Monate nach der Aussaat erntereif ist. Aus Erdnüssen, Kokospalmen, Ölpalmen und anderen Pflanzen wird ebenfalls bald Speiseöl gewonnen. An tierischen Fetten wird schließ-lich das Fett von Flußpferden und das als besonders gut geltende Fett von Elefanten gewonnen.

Salz und Zucker wurden zur Friedenszeit weitgehend importiert. Der Salzbedarf kann aus der Saline Gottorp im Inneren der Kolonie und aus der verstärkt genutzten Gewinnung aus Salzpfannen an der Küste gedeckt wer-den. Zucker ist schwieriger in der Herstellung. Aus ih-ren großen Zuckerrohrpflanzungen stellten die Araber unreinen Melassezucker und Zuckersyrup für die schwarze Bevölkerung her. Nach Kriegsbeginn werden alle einheimischen Ressourcen genutzt. Der bisher nur für den Verbrauch der einheimischen Bevölkerung an-gebaute Zuckerrohr, der manchmal in der Qualität als brauner Zucker, oft aber nur als schwarzer klebriger Block angeboten, wird durch den Bau zweier Zentrifu-gen – eine am Pangani und eine am Rufiji – nun raffiniert und aus dem Rohzucker wird für Europäer genießbarer brauner Zucker. Dazu wird als Ersatz für weißen Zucker auch Honig von wilden Bienenschwärmen verwendet.

Auch die Truppe im Felde gewinnt nun, wie die schwar-ze Landbevölkerung, den Honig wilder Bienenschwär-me. Die Schwarzen hängen für die Honiggewinnung im ganzen Land hohle Baumstämme in die Bäume als Nist-gelegenheit für die Bienen und auch die selbst ange-legten Nester der wilden Bienen sind leicht zu finden, denn der spatzengroße Honiganzeiger gibt der Truppe auf Safari den Hinweis auf das nächste Nest. Mit der Plünderung des Nestes bekommt auch der Honiganzei-ger seine Beute: Die Bienenbrut.

Doch trotz der langen Erhaltung weißer Eßgewohnhei-ten durch Lagerbestände, Beute und einem Versor-gungsschiff gibt es aber schließlich kaum noch einen Unterschied in der Verpflegung von Weiß und Schwarz im Schutzgebiet. Die etwa 6000 Weißen in der Kolonie müssen nach Aufbrauch der für sie importierten Le-bensmittel ihre Eßgewohnheiten umstellen auf einhei-mische Küche, sofern nicht noch im Lande angebauter Reis und Weizen zur Verfügung steht, und man beginnt selbst Gemüse anzupflanzen als solches aus Europa aus der Dose zu essen. Gemüse wurde zu Friedenszeiten als Konserven importiert und nur in geringen Mengen selbst gezogen, da von den meisten Gemüsearten in den Tropen eine Saatzüchtung nicht möglich ist. Schon im Frieden waren die Missionsstationen mit ihren Gärten Hauptlieferanten für frisches Gemüse. Die Vielfalt afri-kanischer Sorten wird dabei von den Missionen berück-sichtigt und gepflanzt. Das im März 1916 eintreffende Versorgungsschiff Marie hat dann die aus der Heimat erbetene Gemüsesaat dabei und Gemüse kann wieder in größeren Mengen angebaut werden. Viele dieser Säme-reien europäischer Gemüse sind allerdings auf dem Transport unbrauchbar geworden, und auch die Vertei-lung von den noch brauchbaren Samen an die Missio-nen und Pflanzungen braucht seine Zeit.

Kaffee ist aus den Kaffeepflanzungen in Usambara und am Kilimandscharo reichlich vorhanden und vom wenig angebauten Kakao kann immerhin Schokolade für die Weißen hergestellt werden. Die Versorgung mit Kaffee und Kakao ist über die eigentlich für den Export gedach-ten Plantagen im Norden der Kolonie mehr als gedeckt. Dazu stellt die landwirtschaftliche Versuchsstation Amani aus entölten Kakaobohnen, Zucker und Erdnußöl eine sehr gute Schokolade her, die besonders von der Truppe als Patrouillenverpflegung geschätzt wird.

Im landwirtschaftlichen Institut Mpapua, für die Be-kämpfung von Viehkrankheiten eingerichtet, werden im Krieg unter anderem auch Medikamente hergestellt.

Mit dem Verlust von Anbaugebieten von Reis und Wei-zen seit dem Frühjahr 1916 durch die feindlichen Offen-siven wird die Umstellung auf einheimische Nahrungs-mittel unumgänglich und man entdeckt vorher nur den Schwarzen bekannte Nahrungsmittel ausgezeichneter Qualität und stellt aus einheimischen Pflanzen Mehl für das alltägliche Brot her. Die schwarzen Köche der Trup-pe und der Weißen können nun ungehindert von deut-schen Eßgewohnheiten auf die Vielzahl einheimischer Früchte zurückgreifen. Trotzdem verschlechtert sich seit 1916 durch den Verlust von landwirtschaftlichen Anbaugebieten in einigen Gegenden der Kolonie die Ernährungslage. Die Ankunft der Marie im März 1916 mit ihren Nachschubgütern entlastet die Lage ganz ein-deutig. Zum Abtransport der 50.000 Trägerlasten von der Marie werden von ihrem Ankerplatz in der Sudi-Bucht im Süden der Kolonie nach Daressalam und zu einem Lager auf dem Noto-Plateau im Landesinneren Etappenstraßen mit allen Einrichtungen wie den Nacht-lagern für die Träger gebaut.

Der schon vor dem Krieg unbedeutenden Fischerei wird erst im Krieg und sehr spät Beachtung geschenkt. Schließlich werden an den kleinen Binnenseen für die Versorgung von Schwarz und Weiß Fischfangkomman-dos eingerichtet, die den gefangenen Fisch auch trok-knen und so transportfähig machen für den Verbrauch bei der Truppe.

Der Unterschied in den Eßgewohnheiten zwischen den Weißen und den Schwarzen verschwindet im Laufe des Krieges immer mehr. Schließlich unterscheidet nur noch die Art des Verzehrens die Rassen. Wenn aber bei der Truppe im Feld ein Weißer im Kampfgeschehen sein Eßbesteck verloren hat, sind die Eßgewohnheiten zwischen Weiß und Schwarz vollends gleich. 

Aus Sicht der Deutschen ist ihr Hauptproblem nach der Lebensmittelversorgung Tabak und Alkohol. Beides ist bei Kriegsbeginn reichlich in der Kolonie vorhanden und wird, da man nicht mit einer langen Dauer des Krieges rechnet, ausgiebig verbraucht. Als das Versor-gungsschiff Marie im März 1916 in der Kolonie eintrifft, und noch einmal einen kleinen Vorrat an Alkohol und Tabak mitbringt, sind die Vorräte an beidem an Vor-kriegsware in der Kolonie für die 4000 Männer der wei-ßen Bewohnerschaft nahezu verbraucht. Bald nach Kriegsbeginn wird natürlich schon mit der zu Friedens-zeiten illegalen Herstellung von Alkohol in unzähligen privaten Brennereien, und in den Städten auch in Fabriken, begonnen. Aufgrund der besonderen Lage des Krieges, und auch wegen der Unmöglichkeit einer wirklichen Kontrolle im Krieg, sehen die Behörden über diese Selbstversorgung der Bevölkerung mit Schnaps hinweg. Die Behörden würden sich bei der Bevölkerung, ob Schwarz ob Weiß, bei einer strengen Verfolgung auch nur unbeliebt machen. Allerdings werden Schnapsbrennereien von Goanesen, oft portugiesisch-indische Mischlinge aus der portugiesischen Kolonie Goa in Indien, von Griechen und von Indern dichtge-macht, wenn ihr Fusel für die Schwarzen allzu gesund-heitsgefährdend ist.

Guten Alkohol, Wein und Spirituosen aus Friedenszei-ten können die Inder noch lange, dann aber zu astrono-mischen Preisen, an die Weißen verkaufen. Sie halten die kostbaren Flaschen in ihren Moscheen versteckt. Der Krieg trägt ohne Zweifel zu dem im Frieden schon stark verbreiteten Alkoholismus unter den Weißen bei. Doch der Alkohol an sich geht nicht aus. Aus allen mög-lichen Pflanzen wird Alkohol hergestellt in natürlich unkonzessionierten Kleinbetrieben. Die deutsche Brau-erei Schultz in Daressalam kann bis in das Jahr 1916 wei-ter produzieren, bis ihr die Hopfenvorräte ausgehen und sie auf Whisky-Herstellung umsteigt.

Unter den Kriegsverhältnissen werden nun fast alle Männer Raucher und Rauchwaren aus Europa werden beizeiten Mangelware. Für den Tabakanbau in der Kolo-nie waren im Frieden schon vielversprechende Versu-che gemacht worden und der Anbau hatte begonnen. Jetzt wird der Anbau forciert, wobei auch Lehrgeld durch unsachgemäße Bearbeitung des Tabaks gezahlt werden muß. Die Einheimischen rauchen aber auch die-se für Europäer zu starken Tabake gerne. Im Kiliman-dscharo-Gebiet wird auch ägyptischer Tabak angebaut und von Goanesen und Indern zu hervorragendem Ta-bak für Zigaretten verarbeitet. In den Städten entstehen Fabriken zur Herstellung von Zigaretten, die sowohl die Städte selbst wie auch die Armee versorgen. Pfeifenta-bak ist überall erhältlich und wird auch über die Grenze von Portugiesisch Ostafrika hereingebracht.