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Gesundheit

Da die Gesundheitsfürsorge in der Kolonie für Schwarz und Weiß ausgezeichnet ist geht dieses vorbildliche Behandlungssystem nahtlos in die Kriegszeit über. Es gibt zwar nur zwei Zahnärzte in der Kolonie, die aber zu Friedenszeiten ausreichten und nun auch in der Kriegs-zeit reichen. Die Schwarzen pflegen ihre durchweg gu-ten Zähne ausgiebig mittels eines an einem Ende zer-fasertem Holzstab.

Die deutschen Frauen in Ostafrika, in Verbänden wie dem Roten Kreuz oder dem Frauenbund organisiert, richten Komitees für verschiedenen Aufgaben ein. Dazu gehört auch die Einrichtung für die Lazarette, für die sich viele auch als Krankenschwestern melden und ohne die im Krieg die Versorgung der Verletzten und Kranken nicht zu bewerkstelligen wäre.

Das gesundheitliche Hauptproblem ist die Versorgung der weißen Bevölkerung mit Chinin, dem bewährten Mittel gegen Malaria. Große amtliche und private Vor-räte und der Kauf von Chinin über das lange noch neu-trale Portugiesisch Ostafrika strecken, mit größter Spar-samkeit am Verbrauch des wichtigen Stoffes, die Zeit bis zur Herstellung von genügend Chinin in der Kolonie selbst. Kriegsbeute an Chinin und eine wenn auch gerin-ge Menge an Bord der Marie bringen weiteres Chinin ins Land. Schon im Frieden waren Chinarindenbäume auf zwei Versuchspflanzungen gesetzt worden und brin-gen nun ausgezeichnete Ergebnisse an Chinin. In Frie-denszeiten war Chinin preisgünstig hauptsächlich aus Java importiert worden, sodaß an eine wirtschaftliche Ausbeutung der Pflanzungen nicht herangegangen wor-den war. Nun erweisen sich die eigentlich überflüssigen Chinarindenbaumpflanzungen als Glücksfall für die Ko-lonie. Dank der Chemiker und Apotheker in der Kolonie kann genug Chinin aus Chinarinde gewonnen werden für die gesundheitliche Aufrechterhaltung von Truppe und Schutzgebiet gegen die Malaria, da ansonsten auf-grund von hohen Personalausfällen durch die Krankheit die Kolonie nicht zu halten wäre.

Die Ärzte und Apotheker in der Kolonie können aus der Vielzahl an Pflanzen im Lande alle benötigten Heilmittel herstellen und auch Mundwasser, Zahnpasta und Ra-sierseife kann der Regierungsapotheker gebrauchsfer-tig bereitstellen.

Die hervorragende deutsche Seuchenbekämpfung in den Kolonien hat selbstverständlich auch seine Wohlta-ten bei Weiß und Schwarz in Deutsch Ostafrika getan. Leider werden durch die kriegsnotwendige Heranzie-hung von Trägern aus verseuchten Gebieten Tropen-krankheiten wieder in gereinigte Gebiete verschleppt. Durch scharfe Vorschriften für die Lagerplätze der Trup-pe wie niemals einen Lagerplatz ein zweites Mal benut-zen, Anlage von Latrinen weg vom Lagerplatz, zuschüt-ten der Latrinen beim Abbruch des Lagers und einer Reihe weiterer Vorschriften, wie zum Beispiel das Ver-bot in Eingeborenenhütten zu schlafen, kann die Ver-breitung von Krankheiten in der Truppe verhindert wer-den, zumal Verluste der Truppe durch Krankheiten bei einer schon vorhandenen Unterzahl von 10 : 1 gegenüber den Gegnern auf keinen Fall in Kauf genommen werden können.

Ein Problem, das schon im Süden der Kolonie durch die zu geringen Regenfälle 1913/14 Mitte 1914 aufgetreten war, wird durch die ebenfalls zu geringen Regenfälle 1914/15 im Süden durch den Krieg, der wirksame Maß-nahmen schon im Herbst 1914 behinderte, da Transpor-te über See von Daressalam nach Lindi unmöglich ge-worden sind durch die englische Seeblockade, und bei Landtransporten die Träger beim Transport und der Rückkehr vom Zielort mehr Lebensmittel selbst ver-brauchen würden als sie überhaupt tragen können, noch verschärft: Die Hungersnot besonders im Bezirk Lindi. Das Bezirksamt Lindi schätzt die Zahl der Hunger-toten im Bezirk auf 2000.

Ein anderes Problem des Trägertransportes sind Ge-schwüre und Entzündungen bei Trägern, besonders beim Durchqueren von Sumpfgebieten. Sehr schlimm kann sich die Gesundheitslage der Träger bei plötzlich notwendigen Trägertransporten bei schnellen Frontver-schiebungen ergeben wie das in der zweiten Kriegshälf-te durch den Vormarsch der Feindkräfte in Deutsch Ostafrika zeitweise der Fall ist. Bei diesen Operationen des Bewegungskrieges müssen Träger zwangsweise aus-gehoben werden und durch ihre Überforderung kommt es zu hohen Todesraten unter ihnen, nicht anders wie bei den Trägern der Gegnermächte Deutschlands auf dem Kriegsschauplatz Ostafrika.