Der Norddeutschen Lloyd (NDL) kauft im Jahre 1900 die Scottish Oriental Steamship Company und die East Indian Steamship Company; zusammen 27 Dampfer mit etwa 36.000 BRT. Dazu werden 1900 und 1901 neun weitere Schiffe für den ostindischen Küstendienst an-gekauft oder in Auftrag gegeben für den ostindischen Küstendienst. Der sowieso schon große deutsche Han-delseinfluß in Südostasien und Südchina wird durch diese Übernahme der beiden britischen Reedereien und den Einschub neuer Schiffe in den hinterindischen Raum nochmals beträchtlich erweitert. Dazu kommt durch die Ausweitung des deutschen Küstendienstes in Ostindien und Ostasien die starke Verbesserung des Zulieferdienstes der Reichspostdampferlinie nach Ost-asien, die alle vierzehn Tage unterwegs ist, und stärkt auch die Reichspostdampferlinie nach Australien.
Mit dieser südostasiatischen Küstenflotte des NDL, die ohne staatliche Beihilfe des Reiches betrieben wird, wer-den in den folgenden Jahren eine Reihe von Zubringer-linien zu den Reichspostlinien aufgebaut oder erweitert. Dazu gehören unter anderem folgende Zweiglinien:
Bangkok-Bombay-Karachi, Singapur und Penang zur Ostküste Sumatras, Singapur-Bangkok, Singapur-Briti-sch Nordborneo, Singapur nach Sulawesi und zu den Molukken, Singapur-Manila, eine Zweiglinie auf dem Jangtsekiang zwischen Schanghai und Hankau, meh-rere verschieden laufende Linien zwischen Hongkong und Bangkok, die Verlängerung der Linie Australien-Hongkong nach Japan, der Lokalverkehr von Rabaul in Deutsch Neuguinea aus und die Aufnahme der neu ent-stehenden deutschen Handelsstadt Tsingtau auf dem chinesischen Festland in den Fahrplan.
1905 betreibt der NDL in diesem ostindischen und chi-nesischen Raum 17 verschiedene Küstenlinien mit 1906 51 deutschen Dampfern. 1905 gibt der Norddeutsche Lloyd für die Linie Singapur-Britisch Nordborneo bei der Werft Henry Koch in Lübeck zwei neue Fracht- und Passagierdampfer in Auftrag. Im Juli 1906 schreiben die Lloyd Nachrichten über diese Schiffe:
»Bei der Errichtung dieser Dampfer werden für die Pas-sagierräume alle neuesten Erfahrungen verwertet wer-den, so daß die modernsten, für die Tropenfahrt beson-ders geeigneten Akkomodationen geschaffen werden. Die Räumlichkeiten für 20 Passagiere erster und 9 Pas-sagiere zweiter Klasse, die jeder der beiden Dampfer erhalten soll, werden sämtlich auf dem Promenaden-deck untergebracht werden, damit sie eine möglichst luftige Lage bekommen. Die Dampfer werden 1500 Brut-to Registertonnen und eine Tragfähigkeit von 1750 Tons erhalten. Die stündliche Geschwindigkeit wird 11 Meilen betragen. Neben einer Reihe von Sicherheitseinrichtun-gen werden die Dampfer auch Schlingerkiele erhalten, die eine möglichst ruhige Fahrt gewährleisten.«