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Wirtschaft VII

In den Jahrzehnten um die Jahrhundertwende stellt die deutsche Industrie immer neue Höchstleistungen in al-len Bereichen der Wirtschaft auf. Stahlindustrie, Ma-schinenbau und Schiffbau, Elektroindustrie und Chemi-sche Industrie boomen und kein Land stellt mehr Nobelpreisträger als Deutschland. So kann Deutschland von 1880 bis 1913 seinen Anteil an der Weltproduktion von 8,5 auf 14,8 Prozent erhöhen. 1913 hat der deutsche Außenhandel ein Volumen von 22,5 Milliarden Mark und der von England 28,6 Milliarden Mark. Wegen seiner verhältnismäßig geringen Landwirtschaft, auch bedingt durch die Mißwirtschaft der preußischen Jun-ker auf ihren Landgütern, muß Deutschland ein Drittel seiner Lebensmittel einführen, kann diese Importe aber mit Leichtigkeit aus seinen Exporterlösen aus dem Ver-kauf von industriellen Waren bezahlen.

Schon 1910 wird 70 % des deutschen Außenhandels über See abgewickelt. 1914 besitzt Großbritannien mit allen angeschlossenen Staaten (Kanada, Südafrika, Australien und Neuseeland) und den Kolonien seines Weltreiches 18,9 Millionen Bruttoregistertonnen (BRT) an Handels-schiffen, an zweiter Stelle der Rangliste der Weltschif-fahrt steht Deutschland mit 5,4 Millionen BRT und an dritter Stelle die USA mit 2,1 Millionen BRT.

Deutschland hatte seine ersten Maschinen in England, dem Mutterland der Industriellen Revolution, gekauft. 1913 ist ein Selbstversorgungsgrad in der Maschinen-herstellung von 95 % erreicht, während der Englands nur mehr 88 % beträgt.

Die wachsende Wirtschaftskraft Deutschlands ermög-licht ein ständiges Steigen der Einkommen der Massen und eine immer bessere soziale Versorgung der Bevöl-kerung. Deutschland ist weltweit führend in Wohlfahrt und Wohlstand des Volkes. Dabei ist die Zahl der Beam-ten gering und die Kosten des Bürgers für den Staat leicht tragbar. Die Steuern sind niedrig und das Reich nimmt einen großen Teil seiner Einnahmen durch Zölle ein.

Der Jahreslohn von Industriearbeitern und Handwer-kern im Deutschen Reich beträgt 1890 711 Mark, 1900 843 Mark und 1910 1063 Mark und ohne daß es eine Inflation gegeben hätte.

Die Steuerlast liegt 1913 in Deutschland mit 54,62 Mark auf jedem Bürger, in Frankreich mit 72,10 Mark und in England mit 89,92 Mark. Die Staatsschulden belaufen sich 1912 in Deutschland auf 20,5 Milliarden Goldmark gleich 310 Mark Verschuldung je Einwohner. In Frank-reich sind es 658 Mark je Einwohner und in England 324 Mark auf den einzelnen Bewohner an Staatsschulden. Die Schulden der deutschen Bahnen sind im deutschen Gesamthaushalt mit eingerechnet. In England ist die Bahn nicht Bestandteil des Staatshaushaltes. Ohne die Bahnschulden beträgt die deutsche Pro-Kopf-Verschul-dung 167 Mark.