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Welthandel

England ist der beste Partner im Gesamtaußenhandel Deutschlands. 1901 beträgt sein Anteil am deutschen Export 20,3 %, doppelt so viel wie der des nächstbesten Kunden, Österreich-Ungarn. Im deutschen Import steht England mit 11,5 % an vierter Stelle hinter den Verei-nigten Staaten, Rußland und Österreich-Ungarn. 1913 nimmt England immer noch als bester Käufer 14,2 % der deutschen Ausfuhr ab. Vom englischen Export nimmt Deutschland 1911 10,2 % ab und steht damit an zweiter Stelle hinter den Vereinigten Staaten.

Die Haupthandelsströme beider Länder verlaufen im Welthandelsverkehr in so verschiedenen Richtungen, daß es keine gegenseitige Handelskonkurrenz gibt. Der deutsche Export geht 1911 zu drei Vierteln nach Europa und nur zu einem Viertel nach Übersee (6,066 Mrd. Mark gegenüber 2,036 Mrd. Mark). Afrika, Asien und die Südsee, die Hauptbetätigungsgebiete der deutschen Weltpolitik, nehmen 8,1 % des Exports ab, der größte Teil des deutschen Überseeexports (16 %) geht nach Nord- und Südamerika. Bei England wickelt sich der Außenhandel umgekehrt in erster Linie in Übersee ab.

Die deutschen Kolonien sind dem englischen Handel geöffnet, und in den englischen Kolonien und Domi-nions ist Deutschland der schärfste Konkurrent Eng-lands. Doch das schnelle Wachstum der deutschen Wirtschaft und des deutschen Welthandels ist keine Gefahr für die britische Wirtschaft und ihren Welt-handel. 1913 beträgt der deutsche Außenhandel 22,5 Milliarden Mark und der Außenhandel von England beträgt 28,6 Milliarden Mark.

1905 ist der Höhepunkt des wirtschaftlichen Konkur-renzkampfes zwischen England und Deutschland über-wunden als das Flottenwettrüsten beginnt. Die Flotten-rüstung ist also nicht ein Ausdruck von wirtschaftlicher Konkurrenz.