Kategorien
Koloniale Außenpolitik

Während der Marokkokrise von 1911 trifft am 1. Juli 1911 das Kanonenboot Panther in Agadir ein. Mit dem »Panthersprung nach Agadir« nimmt das Ringen zwi-schen Deutschland und Frankreich eine neue Dimen-sion an. Am 4. Juli wird die Panther in Agadir vom Kleinen Kreuzer Berlin abgelöst. Die Frage lautet vor Ort ob Südmarokko deutsch oder französisch wird. Am 15. Juli schreibt der Kommandant der Berlin einen Bericht, in dem zu lesen steht:

»Dem mir erteilten Befehl gemäß, die dem Zeigen der Flagge innewohnende friedliche Absicht zu dokumen-tieren, versuchte ich zunächst das Zutrauen der Bevöl-kerung Agadirs zu gewinnen. Von hier aus mußte sich dieses mit Hilfe des Marktgeredes strahlenförmig fort-pflanzen und mit den an die Kaids [Islamische Adelige] gesandten Briefen zusammen wirken.«

Der Kommandant der Berlin empfängt den Kalifen von Agadir und andere Würdenträger. Geschenke werden ausgetauscht und der Kommandant und seine Offiziere machen Gegenbesuche an Land. »Am 10. Juli abends ließ ich mit Hilfe von Scheinwerfern, Signalsternen und Raketen ein Feuerwerk veranstalten, das von der ge-samten Bevölkerung sehr beifällig aufgenommen wur-de. Auf der gewonnenen Grundlage soll in der Folgezeit weitergegangen werden.«

Die mündlichen und schriftlichen Verhandlungen des Kommandanten des deutschen Kriegsschiffes fassen sich in drei Punkten zusammen:

»1. Gewährt uns Deutschland Schutzherrschaft?

2. Deutsche Kriegsschiffe sollen immer hier bleiben.

3. Kommen auch die Franzosen nicht hierher?«

In seinem Bericht hat der Kommandant der Berlin auch »die enorme Angst vor den Franzosen« bei den Würden-trägern festgehalten und schreibt vom »deutschen Grundbesitz (der hier groß ist)«.

Am Konferenztisch kommt dann fast ganz Marokko an Frankreich – bis auf einen kleinen Teil, der an Spanien fällt – und sofort beginnt der Widerstand gegen die Franzosen, der am 13. November 1914 in einer Schlacht mit 613 toten französischen Soldaten gipfelt, der die Franzosen überlegen läßt, das Protektorat über Marok-ko wieder aufzugeben.


Seit 1912 finden Verhandlungen mit Portugal statt, Teile des südlichen Angola, und zwar das portugiesische Am-boland, an Deutsch Südwestafrika gegen Entschädigung abzutreten. Das Gebiet umfaßt das Dreieck nördlich der deutsch-portugiesischen Grenze bis zu den Flüssen Ku-nene und Kubango. Mit der Vereinigung des portu-giesischen Ambolandes mit dem deutschen Amboland würde auch das Arbeitskräftepotential des portugie-sischen Teils vollständig der Wirtschaft von Südwest zugute kommen.

Der Staatssekretär der Reichskolonialamtes, Wilhelm Solf, wünscht bei den Verhandlungen auch noch einen Hafen in Südangola aufzunehmen, für eine besse-re Eisenbahnverbindung der Kupferminen in Otavi im Norden Südwestafrikas mit dem Atlantik zur Ver-schiffung des Erzes, und eine in die Ambolande zu bauende Straße.

Von Vorteil für die deutsche Verhandlungsseite ist die Ablehnung der portugiesischen Verwaltung durch die Ovambostämme im portugiesischen Amboland und die Unfähigkeit der Portugiesen, diese entfernte Gegend wirksam zu verwalten.