In der Ausgabe vom 26. März 1914 der Sozialistischen Monatshefte, einer SPD-nahen Zeitschrift, schreibt der SPD-Reichstagsabgeordnete Ludwig Quessel, »daß die wachsende Produktion von Gebrauchswerten in den Kolonien sich möglichst ohne Mehrwerterzeugung [Gewinn ohne Arbeit] vollzieht. Daß dies möglich ist, zeigt uns Togo, wo der Plantagenbetrieb fast gar keine Rolle spielt. Gerade deswegen ist Togo aber auch die blühendste der deutschen Kolonien, das tropische Musterländle… Bei den Eingeborenenkulturen ist die Mehrwerterzeugung ausgeschlossen, sofern die Ver-waltung dafür sorgt, daß die farbige Bevölkerung nicht von wucherischen Händlern ausgebeutet wird. Togo mit seinen blühenden Eingeborenenkulturen weist keine Abnahme der Bevölkerung auf, obwohl dort mangels ausreichender Eisenbahnen das mörderische Träger-wesen zahlreiche Opfer fordert. – Obwohl ich damit rechnen muß, daß meine Ansicht, die Heranziehung der Eingeborenen zu einer mäßigen Steuer sei sowohl im proletarischen wie im kulturellen Interesse gerecht-fertigt, bei vielen Genossen Widerspruch hervorrufen wird, kann ich jedoch nicht umhin, sie besonders zu betonen. – Wobei zu beachten ist, daß die eingehenden direkten und indirekten Steuern der Eingeborenen sehr wohl in einer Weise Verwendung finden können, die zum Wohl der Negerbevölkerung ausschlägt. Ich er-innere hier nur an das Sanitätswesen, an wasserwirt-schaftliche Arbeiten, Verkehrsanlagen, Aufrechterhal-tung des Landfriedens usw. Daß der Neger die Notwen-digkeit aller dieser Dinge nicht einzusehen vermag, ist allerdings richtig; aber das war vor 100 Jahren bei der ländlichen Bevölkerung Deutschlands auch noch viel-fach der Fall…«
Kategorien