Am 30. Juni 1911 erreicht die SMS Cormoran Ponape. Der Hauptgrund für das Erscheinen des Kriegsschiffes ist eine nochmalige Machtdemonstration gegenüber der einheimischen Bevölkerung nach dem Aufstand der Jokojs ein halbes Jahr vorher. Doch die Lage hat sich voll-kommen beruhigt und die Cormoran wird vom Bezirks-amtmann für eine anderweitige Angelegenheit ge-braucht, die aber auch im Zusammenhang mit dem Aufstand steht. Durch die Deportation der Dschokadsch-Leute auf die Palau-Inseln ist die dem Hafen von Ponape vorgelagerte Insel nun fast entvölkert und Bezirksamt-mann Regierungsrat Dr. Kersten will nun zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und die von Taifunen bedroh-ten Bewohner von kleinen Atollen nach Dschokadsch umsiedeln und so die Bewohner vor den Naturkatastro-phen schützen und gleichzeitig die Dschokadsch-Insel wieder besiedeln. Da die Umsiedlung freiwillig erfolgen soll sind Häuptlinge der östlich von Ponape liegenden kleinen Atolle Pingelap und Mokil beim Bezirksamt anwesend und haben sich erboten, einen Teil ihrer Stammesangehörigen zur freiwilligen Übersiedlung zu veranlassen. Es fehlt aber an Fahrgelegenheiten und so bittet Kersten den Kommandanten der Cormoran diese Aufgabe zu übernehmen. Paul Ebert, der Kommandant von Cormoran:
»Angesichts der Wichtigkeit der Angelegenheit ent-schloß ich mich, der Bitte des Bezirksamtmanns zu entsprechen und den Transport mittels Cormoran zu bewerkstelligen. Am Sonnabend, den 1. Juli, nahm ich im Bezirksamt an einer Versammlung teil, in der der Bezirksamtmann den Häuptlingen von Pingelap und Mokil in meiner Gegenwart die letzten Anweisungen gab; die Abfahrt dorthin wurde auf Dienstag, den 4. Juli, acht Uhr festgesetzt. Ein malerisches eigenartiges Bild, diese Versammlung: In der Mitte, auf Stühlen sitzend, der Bezirksamtmann und ich, zur Seite der Dolmetscher; am Boden im Halbkreis mit untergeschlagenen Beinen hockend die Häuptlinge, mit klugen, aufmerksamen Augen an den Lippen des Sprechers hängend, im Hin-tergrunde auf den Stufen der offenen Veranda der weib-liche Anhang der Abgesandten.«
Am 6. Juli holt die Cormoran 77 Umsiedler von den drei Inseln des Pingelap-Atolls ab. Mit ihren Kanus vollbe-laden mit Hausrat, Hunden, Schweinen und Hühnern steuern sie das Kriegsschiff an. Der Kommandant:
»Von nervigen Fäusten hilfsbereiter Matrosen wurde nach und nach die ganze braune Gesellschaft an Bord des Cormoran gezogen, wo sich das fröhliche Völkchen unter dem an Deck aufgespannten Sonnensegel bei gegenseitigem Necken und Scherzen bald unbefangen häuslich einrichtete. Der Sorge um die Verpflegung der Leute war ich enthoben, weil sie sich ihre aus Früchten bestehende Nahrung verabredungsgemäß selbst mitge-bracht hatten. Die Bekleidung der Frauen bildete meist das unter dem Einfluß der Missionare eingeführte, scheußliche Hemdkleid, bei den Männern ein europäi-sches Hemd und Hose; doch begnügten sich verschie-dene, besonders unter den jüngeren Leuten beiderlei Geschlechts, mit der ihnen weit bequemeren und im Hinblick auf das feuchte Klima auch gesünderen, Ober-körper und Beine freilassenden Lendenbekleidung.«
Auch die Kanus der Leute werden an Deck geholt.
Erst nach Einbruch der Dunkelheit kann die Cormoran die 14 Übersiedler von den drei Inseln des auch kaum aus dem Wasser ragenden Mokil-Atolls aus ihren drei Kanus an Bord nehmen. »Froh, glücklich an Bord ge-langt zu sein, gesellten sie sich zu ihren Freunden von Pingelap.« Am nächsten Morgen ist das Schiff wieder in Ponape-Hafen und entläßt seine Gäste in die neue Hei-mat.
Anfang Januar 1913 ist die Cormoran nach einer Tour durch die deutsche Südseeinselwelt wieder auf Ponape. Kommandant Paul Ebert: »Meine erste Sorge war, mich nach dem Ergebnis der Überführung der Leute von Pin-gelap und Mokil, die Cormoran bei unserem letzten Besuche durchgeführt hatte, zu erkundigen und die von den Einwanderern auf Dschokadsch angelegten Dörfer zu besuchen. Ich fand vier dieser Dörfer auf Dscho-kadsch vor. Die Dörfer machten einen sauberen, ordent-lichen Eindruck, der Wegebau war auf der Insel gut gefördert, die letztere selbst mit der Hauptinsel durch einen Fahrdamm verbunden. Allerdings hatten die Leu-te ein gewisses Heimweh nach ihrer Heimartinsel noch nicht überwunden, so daß mit einer wechselseitigen Hin- und Rückwanderung einzelner Ansiedlergruppen gerechnet werden mußte.«