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Aufstand auf Ponape

Als am 12. Oktober 1899 auf Ponape die offizielle Über-gabe der Ostkarolinen von Spanien an das Deutsche Reich stattfindet, flüstert zum Ende der Zeremonie der spanische Gouverneur seinem deutschen Amtskollegen zu, daß er glücklich sei die Insel zu verlassen, und wenn der neue deutsche Gouverneur seine Haut retten wolle, solle er auf sein Schiff zurückkehren und sofort abfah-ren.

Hatte die spanische Verwaltung auf Ponape 800 Solda-ten stationiert, im ständigen Kleinkrieg der Inselstäm-me gegen die Besatzer, so will die deutsche Verwaltung nach dem Kauf der Karolinen von Spanien 1899 die ge-gen die Weißen aufgebrachte Bevölkerung durch fried-liche Mittel gewinnen. Nur 46 farbige Polizeisoldaten werden auf Ponape stationiert und die spanische Fes-tung im Hauptort Kolonia wird für die Inselbevölkerung zum freien Zutritt geöffnet.

1908 glaubt die deutsche Verwaltung nun den nächsten Schritt gehen und die Insel im westlichen Sinne er-schließen zu können.

Georg Fritz, der bereits viele Jahre Erfahrung in der Ver-waltung der deutschen Südseeinseln gesammelt hat, ist ab April 1908 Bezirksamtmann für den Bezirk der Ostka-rolinen mit Dienstsitz auf der Insel Ponape. Die Bevölke-rung der Insel ist in rivalisierende Gebiete und Fraktio-nen gespalten; zudem gibt es erhebliche Auseinander-setzungen zwischen Katholiken und Protestanten. Gou-verneur Albert Hahl will das bislang geduldete einhei-mische Herrschaftssystem abschaffen und eine deut-sche Lokalverwaltung einführen. Die beschleunigte wirtschaftliche Erschließung Ponapes will er unter an-derem durch den Bau von Straßen fördern. Die für den Straßenbau vorgesehene Zwangsarbeit stößt auf den Widerstand der Einheimischen. So sieht die Ober-schicht Ponapes durch die deutschen Pläne auch ihre Privilegien gefährdet. Fritz will die Maßnahmen einver-nehmlich und in Verhandlungen durchsetzen. Zugleich fordert er aber auch zwei Kriegsschiffe des Ostasien-geschwaders an, um die Opposition einzuschüchtern. Als Fritz katholischen Missionaren vorwirft, die Unruhe zu schüren, wird dies im Reichskolonialamt mißbilligt, da es den politischen Katholizismus in Deutschland ge-gen die Kolonialpolitik aufbringe.

Zunächst muß ein Wegenetz auf der Insel angelegt wer-den, um die wirtschaftliche Erschließung des Inselin-neren zu ermöglichen. Die einheimische Bevölkerung soll diese Arbeiten durchführen, die ihnen ja auch selbst zugute kommt, und dafür wird sie steuer- und arbeits-pflichtig gemacht. Als erstes soll eine Schneise von der Nordküste zur Südküste geschlagen werden. Die Pona-pesen in ihrem Südseeparadies sind allerdings längeren anstrengenden körperlichen Arbeiten abgeneigt und verweigern den Dienst. Um den Willen der deutschen Verwaltung durchzusetzen wird Ende Oktober 1908 das Kanonenboot Jaguar nach Ponape entsandt mit dem Auftrag, dort »Flagge zu zeigen, um die aufmüpfigen Ponapesen zur Raison zu bringen«. Das Kriegsschiff hält sich mit kleineren Unterbrechungen etwa fünf Monate an der Insel auf. Seine Anwesenheit und die Märsche seines Landungskorps im Inselinneren reichen, um den Arbeitseinsatz der Ponapesen beim Bau der Nord-Süd-Wegeschneise zu erzwingen. Auch die Polizeitruppe wird vorsichtshalber auf 150 Mann verstärkt.

Im Oktober 1909 wird Georg Fritz in Ponape abgelöst und übernimmt auf Jap das Amt des Bezirksamtmanns der Westkarolinen. Während Fritz im Konflikt in Pona-pe kompetent, sorgfältig und verständnisvoll gewirkt hat, ist sein Nachfolger aus seiner vorherigen Amtstätig-keit in Deutsch Ostafrika eine härtere Gangart gewohnt. Regierungsrat Carl Boeder will die Maßnahmen auf Ponape gewaltsam durchzusetzen. Als im Juli 1910 das Ostasiatische Kreuzergeschwader mit seinen vielfach größeren und mächtigeren Schiffen als es die Jaguar ist, die Insel besucht, scheint alles friedlich auf der Insel. Der unterschwellige Haß auf die Deutschen mit ihrem Arbeitszwang für den Wegebau macht sich aber bald Luft.

Auf der kleinen Felseninsel Dschokatsch, die der Nord-küste Ponapes vorgelagert und von dieser nur durch ei-nen schmalen Meeresarm getrennt ist, wird im Sommer 1910 mit dem Bau eines Uferweges begonnen, der Dschokatsch über eine Holzbrücke mit der Hauptinsel verbinden soll. Das Vorhaben geschieht im Rahmen des Inselerschließungsplans, der vorsieht entlang der Küste Ponapes Wege anzulegen, da sonst ein Verkehr zwi-schen den fast ausschließlich an der Küste liegenden Dörfern nur mit Booten möglich ist. Besonderen Wert legt Boeder dabei auf die Verkehrsanbindung der bisher schwer zugänglichen Dschokatschinsel, »von jeher Tummelplatz des unruhigsten Stammes der Jokojs und die Zufluchtsstätte unzufriedener Elemente«, die hier, in den Felsenhöhlen der Insel, ihre geheimen Sitzungen abhalten. Unzufrieden mit der Zwangsarbeit sind die nun schon seit einigen Wochen am Bau dieses Weges tätigen Jokojs. Sie verrichten diese Arbeit zur Abgeltung der ihnen von der Verwaltung auferlegten Steuern. Der Weg soll die Missionsstation auf Dschokatsch mit der Holzbrücke verbinden, welche den Übergang über den schmalen Sumpfkanal nach Ponape ermöglicht.

Am 17. Oktober 1910 verweigert eine Gruppe der Jokoj-Leute sich den beiden deutschen Wegebauaufsehern Hollborn und Häfner. Bezirksamtmann Boeder, der zu-vor in Afrika im Kolonialdienst gewesen war, glaubt sich am Besten durch scharfes Durchgreifen Respekt ver-schaffen zu können und läßt dem aufsässigsten Jokoj zehn Stockschläge verpassen. Damit beginnt am nächs-ten Tag der Aufstand, bei dem auch Boeder umkommt, der gleich nach Erhalt der Nachricht von der Unbot-mäßigkeit bewaffneter Jokojs am Morgen des 18. sich unbewaffnet mit seinem Sekretär Braukmann auf einem Ruderboot zur Insel Dschokatsch begibt, um „auch hier wie in Afrika durch persönliche Tapferkeit die Leute einschüchtern zu können.“ Doch Boeder wird gleich erschossen und Braukmann, Hollborn und Häfner und die als Arbeiter angeworbenen Ruderer von den Mort-lockinseln in Boeders Boot werden auch erschossen oder mit Haumessern niedergemacht. Nur ein Ruderer Boeders kann fliehen.

Der Pater Gebhardt der Missionsstation auf der kleinen Insel Dschokatsch und dessen Besucher, ein weiterer Missionspater, werden von den Frauen der Jokojs vor der Ermordung durch die Krieger errettet.

Die ›Kolonie‹ ist das deutsche Wohngebiet innerhalb der alten spanischen Festungsmauer und nun wird als erstes von den Deutschen die weitgehend geschleifte spanische Festung in Kolonia verteidigungsbereit ge-macht. Zwei Drittel der Mauern sind abgetragen, Tore und Zugbrücken verschwunden, die Gräben mit Schutt und Erde aufgefüllt und eine Decke mit Gräsern und Blumen darüber angelegt. Die zwei Kilometer lange Verteidigungslinie wird an den gefährdetsten Stellen mit Stacheldraht geschützt und Gräben werden an-gelegt. In Kolonia stehen nur 50 Polizeisoldaten zur Verteidigung zur Verfügung, aber die deutsche Verwal-tung hat schon am 19. Oktober 470 Krieger loyaler ein-heimischer Stämme in Kolonia versammelt, während die Jokojs nur etwa 200 Krieger aufbieten können. Das Waffendepot wird geöffnet und Gewehre und Karabiner an die 470 Mann verteilt.

Die Jokojs wagen sich nicht an die Festung von Kolonia heran, führen aber nun nächtliche Feuerüberfälle auf die Festung durch, während die Deutschen auf das Ein-treffen des Regierungsdampfers warten, da die nächsten Telegraphenstationen tausende Kilometer von Ponape entfernt liegen und unerreichbar sind. Erst mit dem Eintreffen des Regierungsdampfers kann die Meldung vom Aufstand weitergeleitet werden, um dann mit den ankommenden Verstärkungen zum Angriff überzuge-hen.

Eines Tages bekommt der deutsche Kommandeur Regierungsarzt Medizinalrat Dr. Girschner, der nach dem Tode Boeders die Herrschaftsgewalt übernommen hat, von Jomatau, dem Anführer der Jokojs, einen Brief gesandt, der die Übergabe aller Waffen und der Muni-tion verlangt. »Ich verspreche Euch bei der Unschuld meiner Seele, daß Euch dann kein Haar auf dem Kopfe gekrümmt werden soll.“ wie Jomatau schreibt. Girsch-ner stellt als Gegenforderung die Auslieferung der Schuldigen am Aufstand, die Auslieferung aller Schuß-waffen und der Leichen der ermordeten Deutschen. Die Jokojs antworten mit einem erfolglosen nächtlichen Sturmangriff.

Am 26. November kommt der Dampfer Germania in Kolonia an. Die Germania fährt sogleich wieder ab, um die Meldung vom Aufstand in Ponape nach Rabaul zu bringen. In Rabaul beginnt sofort die Mobilisierung aller vorhandenen Kräfte und mit 68 Polizeisoldaten unter dem Kommando des stellvertretenden Gouverneurs von Neuguinea, Regierungsrat Oßwald, dampft die Ger-mania zurück nach Ponape. Am 13. Dezember trifft dann auch der Dampfer Siar mit 70 Polizeisoldaten in Ponape ein und nun können die ponapesischen Krieger belohnt und entlassen werden.

Am 13. Dezember geht auch als erstes Kriegsschiff die Cormoran von Rabaul aus auf Fahrt nach Ponape. An Bord werden bereits alle Vorbereitungen für die Ausrüs-tung und Kampfbereitschaft des Landungskorps des Schiffes getroffen. Auf dem Oberdeck werden die not-wendigen Arbeiten erledigt. Auf dem Vordeck werden Säbel und Seitengewehre mit Schleifsteinen geschliffen, an der Steuerbordseite wird eine Färberei eingerichtet, die in einem großen Holzbottich weißes Drillichzeug in eine eben nach Kakao duftende Kakaobrühe taucht, für ihre Verwandlung in dunkelbraune Khakianzüge für den Dschungelkrieg. Die beiden Bordschmiede erledi-gen alle Arbeiten an Waffen und Material. An Backbord außenbords, vom Fallreep zu einer an einer Spiere auf-gehängten Schießscheibe, wird Pistolenschießen geübt.

Am 19. Dezember legt die Cormoran neben der Ger-mania an. Die Cormoran beginnt mit der navigatori-schen Vermessung des Gewässers rings um Dscho-katsch für eine gesicherte Anfahrt der noch erwarteten Kriegsschiffe für die völlige Einschließung und Beschie-ßung der Insel. Die Boote des Kriegsschiffes loten das Küstengewässer aus und wird ein Boot von Dschokatsch aus beschossen eröffnet der Kreuzer das Feuer auf die Schützen.

Ab dem 24. Dezember gehen Polizeisoldaten und Lan-dungskorps auf Streifzüge durch Ponape, um die Jokojs vollständig von Ponape zu vertreiben und nach Dscho-katsch zu zwingen und die deutsche Herrschaft auf Ponape zu demonstrieren. Siedlungen und Plantagen der Aufständischen auf Ponape werden vernichtet.

Das leicht bewaffnete Vermessungsschiff der Südsee-station, die Planet, trifft am 3. Januar 1911 ein und unter-stützt die Cormoran bei den Vermessungsarbeiten. Die beiden Kleinen Kreuzer Emden und Nürnberg des Ost-asiatischen Kreuzergeschwaders erreichen Ponape am 10. Januar.

Die Jokojs haben sich nun auf der Felseninsel Dscho-katsch verschanzt und das beim Wegebau verwendete Dynamit für die Brechung von Gestein für Schutz-mauern und für die Bereitstellung von Steinen zum Hinabrollen auf Angreifer auf den Felsen genutzt. Aus dem Dynamit fertigen sie auch Handgranaten.

Die Deutschen ihrerseits bereiten die Erstürmung der Insel vor. Der Sturm auf Dschokatsch beginnt am 13. Januar 1911 mit einem Artilleriebeschuß durch die Kriegsschiffe. Dann stürmt das Landungskorps des Klei-nen Kreuzers Nürnberg und eine durch Bordpersonal der Nürnberg verstärkte farbige Polizeikompanie die Felseninsel. Der Sturmangriff ist so erfolgreich, daß die Verteidigung schnell zusammenbricht und auch die Dynamit-Handgranaten nicht zum Einsatz kommen. Gegen Abend haben die deutschen Truppen kämpfend den höchsten Gipfel der Insel erreicht.

Es ergeben sich 140 Männer, Frauen und Kinder, aber der Masse der Jokojs gelingt eines nachts der Ausbruch von der Insel – trotz der deutschen Belagerung zu Lande und zu Wasser. Dschokatsch ist zwar von deutschen Kriegsschiffen umringt, die nachts die Wasserflächen mit ihren Scheinwerfern ableuchten, dennoch gelingt es den Jokojs nach Ponape zu entkommen. In einer stock-finsteren mondloser Nacht gehen die Jokojs mit Frauen und Kindern, Waffen und Munition auf der Ponape abgewandeten Seite von Dschokatsch ins Wasser. Sie schwimmen durch die Brandung des vorgelagerten Riffs ins offene Meer mit seinen Haien, womit sie die inner-halb des Riffs liegenden deutschen Kriegsschiffe und ihr Scheinwerferlicht umschwimmen. Sie landen schließ-lich Meilen entfernt auf Ponape und verschwinden im Busch. Eine gewaltige Leistung der Jokojs.

Die Jokojs müssen nun auf Ponape gestellt werden. Alle nun noch von den Aufständischen zur Lebensmittelver-sorgung nutzbaren Plantagen von Bananen, Jams und Taro werden jetzt systematisch zerstört, wobei bei Bäu-men nur die Früchte der Bäume vernichtet werden, nicht aber die Bäume selbst, um sie in Zukunft wieder als Fruchtbäume nutzen zu können.

Der neue Bezirksamtmann auf Ponape, Regierungsrat Dr. Hermann Kersting, beruft eine Versammlung aller Häuptlinge der Insel ein und befiehlt ihnen »bei An-drohung der schärfsten Strafe im Nichtbefolgungsfalle, ihr gesamtes Volk unentwegt auf den Beinen zu halten und jede Spur von den Dschokatschleuten in ihrem ei-genen Gebiet festzuhalten und sofort nach der Kolonie zu melden«. Gleichzeitig durchstreift das Landungs-korps der Kriegsschiffe mehrmals erfolglos die Insel. Dann kommt der entscheidende Hinweis eines Häupt-lings: Die Jokojs verschanzen sich auf dem Nankiopberg. Am 26. Januar erfolgt der Angriff auf den Berg. Die Jokojs haben die noch aus der spanischen Zeit stammenden Befestigungen und Wälle instandgesetzt. Von zwei Sei-ten stürmen Landungskorps und Polizeisoldaten in schwerem Kampf durch das ansteigende Urwaldgelände bis zum Gipfel, aber der Gegner entkommt durch ihm bestens bekannte Fluchtwege erneut. Doch durch die Erstürmung auch dieser Festung ist die Moral der bisher noch die Dschokatschleute unterstützenden Bevölke-rung der Insel gebrochen.

Vom Bezirksamt werden auf einer Karte alle von Einge-borenen gemeldeten Plätze im Inneren der Insel fest-gehalten, die den Rebellen Nahrung liefern können, und diese Plätze werden gezielt von den Landungskorps der Schiffe und den Polizeisoldaten angegangen, um die letzten Jokojs zu fassen. Die verstreut durchs Land strei-fenden Jokoj-Krieger ergeben sich nun nach und nach. Je geringer aber die Zahl der Rebellen wird, desto schwieriger wird es, die letzten zu fangen. Für die wei-tere Verfolgung der verbliebenen freien Jokojs soll der Begleitdampfer des Ostasiatischen Geschwaders, die Titania, die die Kriegsschiffe vor Ponape versorgt, nach Tsingtau geschickt werden, um Proviant und vor allem Schuhzeug für das Landungskorps und die Polizeisol-daten zu holen. Doch dazu kommt es nicht mehr, da sich der Anführer der Jokojs, Jomatau, mit seinen letzten fünf Getreuen am 13. Februar stellt.

Am 23. Februar 1911 werden von einem Kriegsgericht in Kolonia, dem Vertreter der Schiffe, der Kolonie und der Mission angehören, unter Vorsitz von Regierungsrat Dr. Kersting 15 Jokojs, die an den Morden am 18. Oktober be-teiligt waren, zum Tode verurteilt. Sie werden am nächs-ten Tag von Polizeisoldaten hingerichtet, aber nicht un-ehrenhaft durch den Strang, sondern ehrenhaft durch Erschießen. Zwei weitere bereits nach Jap deportierte Jokojs werden dort erschossen. Die übrigen Angeklagten werden zur Zwangsarbeit in die Phosphatminen der Palau-Insel Angaur verbannt und die Familien auf die größte Palau-Insel, Babeltaob, verbracht. Der Versor-gungsdampfer Titania bringt die lebenslänglich Ver-bannten nach Palau.

Der neu eingetroffene Kleine Kreuzer Condor über-nimmt die Sicherung der Insel, während alle anderen Kriegsschiffe Ponape wieder verlassen. Der Einsatz der Kriegsmarine Anfang 1911 auf Ponape ist der letzte Kampf deutscher Kriegsschiffe gegen aufständische Eingeborene in den deutschen Kolonien.

Der Landbesitz der Jokojs wird Regierungseigentum oder an treue Stämme verschenkt, die in der Aufstands-zeit auf deutscher Seite gestanden haben. Von der deut-schen Verwaltung wird ein Friedhof für die Gefallenen angelegt.

Die Gesamtzahl an Toten des Aufstandes beträgt vier er-mordete Deutsche und sechs diese begleitende Eingebo-rene, die beim Aufstandsbeginn von den Aufständi-schen getötet wurden, wofür an der Teilnahme an den Morden siebzehn Jokojs hingerichtet wurden; die Ver-luste im Kampf sind auf Jokojseite etwa 6-10 Krieger und auf deutscher Seite drei deutsche Marinesoldaten und zwei einheimische Polizeisoldaten. Im Verhältnis zur Niederschlagung anderer kolonialer Aufstände sind die Menschenverluste also als minimal zu bezeichnen.

Anfang Juli 1911 ist der Kreuzer Cormoran zu Besuch in Ponape, auch um erneut militärische Stärke zu zeigen, aber die Lage ist vollkommen beruhigt. Am 3. Juli wird für die drei deutschen Gefallenen, die alle am 26. Januar am Nankiopberg fielen, ein gemeinsamer Grabstein feierlich enthüllt. Alle Weißen der Kolonie und der benachbarten Missionsstationen nehmen teil, während eine große Menge Eingeborener der Zeremonie zu-schaut. Reden werden gehalten und der Nachfolger eines im Kampf auf Ponape gefallenen Cormoran-Offiziers führt dabei die Ehrenkompanie der Cormoran, die einen Parademarsch vorführt und drei Salven übers Grab feuert.

Georg Fritz, der bis ein Jahr vor dem Aufstand Bezirks-amtmann auf Ponape war, benennt in seinem 1912 er-schienenen Buch Ad majorem Dei Gloriam! Gouver-neur Hahl und Bezirksamtmann Boeder als die Haupt-schuldigen für den Ausbruch des Aufstands. Zugleich behauptet Fritz nur durch katholische Propaganda hät-ten sich die Unruhen entwickeln können. Bereits Ende 1909 hatte Fritz gegen den Apostolischen Präfekten für die Karolinen- und Palauinseln Klage erhoben, der Fritz Feigheit vorgeworfen hatte. Im März 1913 wird der Prä-fekt wegen »verleumderischer Beleidigung unter An-nahme mildernder Umstände« zu einer Geldstrafe ver-urteilt.

Die Ursache des Aufstandes, der Wegebau auf der Insel, wird nach dem Aufstand zügig weitergeführt. Dscho-katsch wird mit einem Fahrdamm mit Ponape verbun-den und im Januar 1913 ist der Kommandant der Cormoran auf der Insel und berichtet: »Von dem guten Wegebau auf Ponape überzeugte ich mich auf einer Fußtour, die ich nach der Missionsstation Auak an der Nordküste unternahm, wobei bei Nanukum ein breiter Wasserarm auf einer erst eben fertiggestellten Brücke überschritten wurde. Bei diesen Arbeiten hatten sich die Ponapesen unter Anleitung eines geschickten und ruhig-wohlwollenden deutschen Technikers als fleißige und anstellige Leute erwiesen.«