Im Mai 1901 besucht Georg Fritz in seiner Eigenschaft als Bezirksamtmann der Marianen vom Hafen Tanapag auf Saipan aus die nördlichen Marianen auf dem japa-nischen Schoner Tora maru. Die nördlichen Inseln sind reine Vulkaninseln mit fast keiner Besiedelung und we-nig wirtschaftlichen Aktivitäten, und wenn meist Kokos-plantagen. Der Chamorro Ada, Pächter der Insel Pagan, begleitet den Bezirksamtmann und berät ihn auch in wirtschaftlichen Fragen.
Über seinen Besuch auf der Insel Agrigan schreibt Bezirksamtmann Fritz:
»Ich besuchte mit dem Boot den nördlichen Theil der Westküste, wo besonders reiche Kokosbestände sind. Die Landung an der felsigen Küste ist schwierig; schwa-che Korallenbildungen sind hier sichtbar. Der Orts-schulze der Insel berichtete mir, dass am 12. April 1901 das österreichische Kriegsschiff Donau, Kapitän Anton Haus, hier vor Anker gegangen sei. Offiziere und Mann-schaften kamen an Land und wurden nach Möglichkeit und Landessitte gut aufgenommen.«
Nach dem Besuch der Insel Maug geht die Fahrt mit dem Segler weiter nach Uracas, der 37 Seemeilen nord-westlich von Maug entfernten nördlichsten Marianen-insel. Fritz:
»Mit reicher Beute an Kokoskrabben, Waldhühnern, Fischen kehrten wir an Bord zurück.
Ich halte Maug für geeignet, in den künftigen Zeiten eines regeren Schiffsverkehrs einen guten und sichern Nothafen abzugeben.
…
Bald nach dem verlassen von Maug wurde am nächt-lichen Himmel die leuchtende Rauchsäule von Uracas sichtbar. Zwischen den spärlichen Trümmern einer älteren Insel ist ein mächtiger Vulkan aufgestiegen. Sein Gipfel ist nicht sichtbar, dichter Rauch senkt sich bis zur halben Bergeshöhe. Vor nicht langer Zeit muss ein Aus-bruch stattgefunden haben, denn die Hänge und das vorgelagerte Lavafeld zeigen noch keine Spur einer Vegetation. Nur die rothen Felsen der alten untergegan-genen Insel sind mit spärlichem Pflanzenwuchs beklei-det.
Einen Strand oder eine bequeme Landungsstelle konn-ten wir nicht finden, doch waren wir nun daran ge-wöhnt, aus dem in der Brandung tanzenden Boot auf einen schlüpfrigen Felsen zu springen. Eine Besteigung des Vulkans wäre zwecklos gewesen; unser Besuch galt lediglich jenen rothen und weissen Felsen, an deren Fuss sich eine schwache Verwitterungsschicht zeigte, in die 100 Kokosnüsse, Kasuarinen, verschiedene Gras-sorten u.s.w. gesät wurde.
Zahlreiche Seevögel legen ihre Eier ohne Nester auf den nackten Boden, der bedeckt ist mit Jungen aller Alters-stufen. Unter ihnen viel mir ein grosser flugunfähiger, oder wenigstens im Fluge sehr unbeholfener grosser Seevogel auf, der bei unserer Annäherung sein einziges Ei oder sein Junges verliess und über die Lavaschollen davonhüpfte. … Ich vermute in dem Vogel eine grosse Seltenheit. Den Eingeborenen war er völlig unbekannt, nur einer von ihnen, der früher einige Monate auf Assongsong war, behauptete, auch dort ihn gesehen zu haben.
Am 15. Mai trat die Tora maru die Rückreise an; denn so gern ich und meine Begleiter die unserer Kentniss noch fehlenden Inseln los Jardines im Osten, Lindsay und Anson im Westen der Marianenkette aufgesucht hät-ten, ich musste mir sagen, dass ein Segelschiff ein unge-eignetes Fahrzeug sei, um Entdeckungsreisen nach verlorenen, von den ersten Entdeckern geographisch falsch bestimmten Inseln zu machen, die von Dampfern schon vergeblich gesucht wurden.
Am 20. Mai ging der Schuner wieder im Hafen von Tanápag vor Anker.«
Nach seiner Inspektionsreise in die nördlichen Mari-anen sendet der Bezirksamtmann »getrocknete Exem-plare« von dort gesammelten Pflanzen und »Boden und Gesteinsproben, ferner Guano von Medinilla, Salpeter von Guguan, Wasser aus den warmen Quellen von Alamágan« zur Untersuchung nach Deutschland.
1912 passiert der Kleine Kreuzer Cormoran Uracas. Sein Kommandant Paul Ebert schreibt darüber:
»Am Sonntag, dem 21. Juli mittags erreichten wir Uracas, die nördlichste [Insel] der Marianen, mit einem tätigen Vulkan. Langsam umfuhr ich die Nordseite der Insel, um festzustellen, ob japanische Vogelfänger, die zuwei-len sich auf der Insel aufhalten sollen, sichtbar wären. In der Tat erkannten wir auch einige halbzerfallene Hüt-ten, die aber offenbar schon seit längerer Zeit nicht mehr benutzt waren. Spärliche Kolonien brütender See-vögel, die früher in größeren Mengen dort vorhanden gewesen sein sollen, unter denen aber die Japaner offen-bar stark aufgeräumt hatten, wurden gesichtet.«
Am 22. Juli erreicht die Cormoran die 47 qkm große Insel Pagan und ankert im Apaan-Hafen an der West-küste der Insel. Paul Ebert:
»Gleich nach dem Ankern kam ein etwas Deutsch sprechender Halbblutmann an Bord, ein Aufseher der Pagan-Gesellschaft, der sich dort mit siebzehn farbigen Arbeitern und deren Frauen und Kindern aufhielt. Un-ter dessen Führung begab ich mich mit einigen Offi-zieren und dem Schiffsarzt an Land. Letzterer fand Gele-genheit, einige Kranke zu behandeln. Die ganze Nieder-lassung bestand nur aus wenigen Arbeiterhütten. An einer Flaggenstange auf der Kalea-Halbinsel war die deutsche Flagge gehißt. Der Boden bestand hier überall aus schwarzem, schweren Lavaland. Eine halbstündige Wanderung brachte uns an den nördlich der Ansied-lung liegenden, nur durch einen schmalen Landstreifen von See getrennten, 350 Meter langen, 150 Meter breiten und 20 Meter tiefen See, der mit schwefel-haltigem Brackwasser gefüllt war. Um 11 Uhr 30 gingen wir wieder an Bord. Sofort wurde Anker gelichtet.«
Die Cormoran fährt weiter zur Regierungsstation Gara-pan auf Saipan auch um mit seinem Vermessungs-detachment den Korallenhafen von Tarapag von Gara-pan zu vermessen. Ebert:
»Der Stationsleiter, Herr v. Heynitz, war leider auf Dienstreise abwesend; sein Vertreter war ein neuer Regierungsarzt Dr. Saalecker. Er und seine Gattin luden uns zu einem abends im festlich geschmückten Amts-gebäude veranstalteten Chamorro-Ball. Dort lernte ich den Chamorro Ada kennen, einen intelligenten Mann, Teilhaber der Pagan-Gesellschaft, dessen Sohn fünf Jahre in Deutschland erzogen war.«
Georg Fritz, der Bezirksamtmann der Marianen, ist sehr an den Marianen und der Kultur der einheimischen Chamorro interessiert und schreibt darüber. So er-scheint 1902 in Berlin sein Beitrag Reise nach den nördlichen Marianen in den Mittheilungen von For-schungsreisenden und Gelehrten aus den deutschen Schutzgebieten. 1903 veröffentlicht er eine Chamorro-Grammatik in den Mitteilungen des Seminars für Orientalische Sprachen an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin und 1904 ein Wörterbuch der Sprache der Chamorro.
Im Mai 1909 treffen der Kleine Kreuzer Arcona und das Marineversorgungsschiff Titania von Samoa kommend in Garapan ein. Sie haben die Aufständischen an Bord, die von der einheimischen Häuptlingsversammlung von Deutsch Samoa verbannt worden sind und welche nach Saipan in Verbannung gehen. Lauati, der Aufstandsfüh-rer gegen den traditionellen einheimischen Herrscher auf Samoa, sein Bruder und fünfzehn weitere führende Aufständische werden mit ihren Familien von den deutschen Kriegsschiffen nach Saipan gebracht und auf der Insel angesiedelt.
Garapan auf Saipan ist der Sitz der Station der Marianen und das kulturelle Zentrum der wenigen Deutschen auf der pazifischen Inselgruppe. Mit seinen weißen Häusern und gelben Eingeborenenhütten schmiegt sich Garapan an die grünen Hügel an. Das Amtsgebäude der Station dient gleichzeitig auch als Veranstaltungsort zum Bei-spiel für Bälle im dann festlich geschmückten Gebäude.
Im Juli 1912 liegt der Kleine Kreuzer Cormoran vor Anker bei der Regierungsstation Garapan. Das im Juni neu an Bord gekommene Vermessungsdetachment des Schiffes – es war auch gerade erst aus Deutschland ein-getroffen – vermißt den nördlich vom Ankerplatz der Cormoran liegenden Korallenhafen Tanapag. Der Kom-mandant des Kriegsschiffes besucht bei dem Saipan-Aufenthalt auch das Dorf der 1909 nach den Lauati-Unruhen auf Samoa nach Saipan verbannten Samoaner.
Anfang Juli 1914 ist der Große Kreuzer Gneisenau mit einer Besatzung von 800 Mann zu Besuch und ankert vor Garapan. Der lange Landungssteg ist für die Boote von vor Garapan ankernden Schiffen durch die erheb-liche Brandung und das äußerst komplizierte Fahrwas-ser schwierig zu erreichen. Immer wieder, besonders bei schlechter werdender Sicht in der Dämmerung, bleiben Pinassen und Schleppboote der Gneisenau auf Riffen und Untiefen liegen und müssen von anderen Booten abgeschleppt werden.