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Truk

Das Truk-Atoll besteht aus 98 Inseln in der Lagune und den Lagunenrand bildend. Die Lagune hat eine Länge von 65 km und eine Breite von 56 km. Die Landfläche beträgt 100 qkm mit einer höchsten Erhebung von 443 m. Die Lagunenfläche beträgt 2131 qkm. Das Truk-Atoll ist eines der wenigen hohen, gebirgigen Atolle der Karolinen und von der Natur mit der üppigsten Ver-schwendung ausgestattet. Jam und Taro, die süßen rie-senhaften Knollengewächse, die den Hauptbestandteil der Nahrung der Eingeborenen bilden, wachsen ohne jeden Ackerbau. Dazu gibt es Kokosnüsse und die süßen mehligen Früchte des Brotfruchtbaumes.

Bald nach der Übernahme der Herrschaft durch die Deutschen wird auch auf Truk der illegale Waffen- und Alkoholhandel bekämpft. Anfang Januar 1901 landet Albert Hahl, Bezirksamtmann der Ostkarolinen, vom Kleinen Kreuzer Cormoran überraschend mit einer Abteilung melanesischer Polizei auf Truk. Er erwischt eine große Gruppe japanischer Händler mitten in ihren Neujahrsfeierlichkeiten und beschlagnahmt ihre Han-delsware an Feuerwaffen und Alkohol. Sieben Japaner werden verhaftet und kommen ins Gefängnis nach Ponape. Alle anderen müssen ihre Geschäfte auf Truk auflösen und werden von der Inselgruppe verbannt. Nur ein japanischer Händler darf bleiben. Dem halben Dut-zend weißen Händlern vor Ort wird gleiche Behandlung angedroht bei Verstoß gegen die geltenden Gesetze. Auch unter den einheimischen Herrschern räumt Hahl auf und verhaftet auf drei Trukinseln jeweils einen der Häuptlinge wegen begangener Morde und sie verbrin-gen die nächsten Jahre im Gefängnis auf Ponape.

Das deutsche Durchgreifen wirkt und beendet die Stam-mesfehden auf dem als unruhig bekannten Trukatoll. Als im Dezember 1904 Bezirksamtmann Viktor Berg auf Truk landet und gegen Bezahlung alle noch vorhande-nen Waffen und die Munition einfordert, werden ihm 436 Gewehre und 2500 Patronen ausgeliefert gegen eine Entschädigung von 9000 Mark. Offensichtlich sind die Einheimischen auch froh über das durch die Deutschen erzwungene Ende ihrer Kleinkriege. Die Einheimischen selbst haben schon begonnen Waffen in Hacken, Angel-haken und andere nützlichere Dinge umzuschmieden.

Als zufällig bei Anwesenheit von Berg auf Truk der Häuptling der Polootinseln mit 30 Kanus auf Truk lan-det, wird er sofort von Bezirksamtmann verhaftet. Auf Anordnung der deutschen Verwaltung dürfen nur noch Gruppen von höchstens fünf Kanus zusammen fahren, um Kriegszüge zu verhindern und um die Männer als Arbeitskräfte zur Ernährung ihrer Familien zuhause zu halten.

Auf Druck der Deutschen werden von den Familienober-häuptern auf Truk Kokospalmen und Fruchtbäume angepflanzt; anderweits will die deutsche Verwaltung ungenutztes Land an Inselbewohner ohne Land abge-ben. Selbst Ngenimun, einer der drei 1901 verhafteten und verurteilten Häuptlinge, beginnt nach seiner Ent-lassung mit der Entwicklung seines Landes und baut nach dem Muster der Deutschen auf seiner Trukinsel Uman eine die ganze Insel durchziehende Straße mit an den Seiten in Stein eingefaßter Drainage zum Ablauf des Regenwassers. Ngenimun hat den deutschen Straßen-bau auf Ponape kennengelernt.

Truk macht so schnelle Fortschritte, daß Bezirksamt-mann Victor Berg regionale Chefs über die sechs Ge-biete des Trukatolls bestimmt, jedem eine eigene Flagge gebend, als Hoheitszeichen ihrer Machtausübung der kaiserlich-deutschen Herrschaft über Truk.


1909 wird auf Truk eine Regierungsstation eingerichtet. Auf den Inseln des Stationsbezirkes leben etwa 11.000 Menschen. Der Sitz des Stationsleiters befindet sich auf Toloas. Am Sitz der Regierungsstation befindet sich auch eine Postagentur.

Auf halber Höhe von Toloas vom Haus des Stations-leiters überblickt man durch majestätische Steinnuß-palmen hindurch das hügelige, saftiggrüne Land mit seinen stillen Buchten und das weite, von vielen Insel-chen und Korallenriffen durchsetzte blaue Meer.

Die protestantische Liebenzeller Mission missioniert auf Truk. Viele eingeborene Frauen tragen deshalb die häßlichen Missionskittel. Schließlich beginnen auch die katholischen Kapuziner ihre Missionstätigkeit. Die Mis-sionen haben auf den Inseln an ihre Stationen Schulen angeschlossen. 1915 soll eine Regierungsschule errich-tet werden.

Die weiße Bevölkerung auf Truk beläuft sich 1913 auf fünf Regierungsbeamte, elf Missionare, einige Kauf-leute und Händler. Außerdem sind noch drei Japaner ansässig. Die meisten weißen Bewohner wohnen auf Toloas. Auf der nahen Nachbarinsel Eten sitzt der Ver-treter der Jaluit-Gesellschaft, der an die zehn Händler auf den einzelnen Inseln verteilt hat.  

An europäischen Unternehmungen befindet sich auf Truk nur die Agentur der Jaluit-Gesellschaft und außer-dem noch eine Zweigniederlassung der japanischen Südsee-Handelsgesellschaft. Die Inselgruppe wird jähr-lich sechsmal vom Dampfer Germania der Jaluit-Gesell-schaft angelaufen.

1913 wird amtlich festgestellt, daß der Regierungsarzt Dr. F. Mayer bei der Bevölkerung von Truk ein starkes Ster-ben, insbesondere durch Lungenkrankheiten, festge-stellt hat, doch hofft man durch die Einrichtung eines ärztlichen Dienstes eine Hebung der Bevölkerungszahl erreichen zu können.


Während eines Aufenthaltes im Juli 1911 auf Truk erlebt die Besatzung der SMS Cormoran die Fliegenplage während der Brotfruchtreife. Nicht nur an Land auch an Bord ist die Fliegenplage fürchterlich. Um der Fliegen Herr zu werden wird geraucht und man umwedelt sich fort-während mit Taschentüchern. Immer und immer wie-der krabbeln die Fliegen im Gesicht oder summen um die Ohren. Öffnet man den Mund ist das von den Fliegen als Einladung gedacht hineinzufliegen. Und des nachts finden die Plagegeister einen Weg durchs Moskitonetz und spazieren auf dem Gesicht herum und finden natürlich auch einen Weg in die Nase. Der Kommandant der Cormoran:

»Die Mahlzeiten gestalteten sich zur reinen Folter, da im Nu die Schüsseln von zappelnden Fliegenleibern, die in die Speisen geraten waren, wimmelten. Die Schnur der über meinem Eßtisch hängenden elektrischen Birne war dauernd so mit den widerlichen Insekten besetzt, daß sie einem schwarzen, flockigen Wollstrick glich. Herr Wulff, der erfinderische Leiter der Jaluit-Station [der Jaluit-Gesellschaft], hatte sich derart geholfen, daß er seine Mahlzeiten in einem auf seiner Veranda aufge-stellten Fliegenspind einnahm. Durch eine kleine Fens-terklappe wurden ihm die Schüsseln von seinem farbi-gen Diener schnell hineingereicht, und so wurde es ihm möglich, wenigsten einigermaßen ungestört speisen zu können.«

Jeder an Bord der Cormoran ist froh das Atoll wieder zu verlassen. In See werden alle Bullaugen auf beiden Sei-ten aufgerissen und der Wind fegt die Fliegenschwär-me ins Meer hinaus.


Ein besonderes Ereignis für Truk ist das Erscheinen der Cormoran Ende Januar 1912, weil das Schiff auch zu Kaisers Geburtstag am 27. Januar 1912 anwesend sein wird. Cormoran-Kommandant Paul Ebert:

»Der bisherige Stationsleiter war seit längerer Zeit bett-lägerig krank, sein Ersatz mit dem letzten Dampfer be-reits eingetroffen. In einer Besprechung mit diesem Be-amten stellte ich fest, daß zur bevorstehenden Feier von Kaisers Geburtstag sich, wie üblich, sämtliche Häuptlin-ge der Truk-Inseln mit ihrer Gefolgschaft bei der Regie-rungsstation auf Toloas einfinden würden. Da alle diese Leute das Kriegsschiff sehen würden, so lag ein Bedürf-nis, die Flagge auch auf den anderen Inseln des Atolls zu zeigen, wie es ursprünglich in meiner Absicht lag, nicht vor. Dagegen wurde mir eine Vermessung der Durch-fahrt zwischen Toloas und Eten und der östlich und westlich davon liegenden Ankerplätze als sehr er-wünscht bezeichnet, die ich nun während der nächsten Tage ausführen ließ.

Zu Kaisers Geburtstag wurde früh bei Flaggenparade über die Toppen geflaggt. Indessen hatte unser sonst so ruhiger kleiner Hafen ein recht belebtes Aussehen an-genommen. Die dem Leiter der Jaluit-Gesellschaft un-terstellten Händler – eine recht bunte aus Weißen, Japa-nern und Halbblutleuten zusammengesetzte Gesell-schaft – waren in ihren Segelkuttern von den verschie-denen Inseln eingetroffen, während die Eingeborenen-häuptlinge mit ihrem Anhang in stattlichen Segelkanus sich einfanden. Um elf Uhr vormittags hielt auf meine Bitte der Leiter der Liebenzeller Missionsstation den Festgottesdienst ab. Hieran schloß sich eine von mir gehaltene Ansprache, worauf Punkt zwölf Uhr mittags der übliche Salut gefeuert wurde. In dieser Zeit waren bei uns an Bord die Beamten der Regierungsstation mit ihren Frauen, die Missionare, der Leiter der Jaluit-Gesellschaftsfiliale mit zwei weißen und einem japani-schen Händler und etwa 15 Häuptlinge versammelt. Das Interesse der letzteren wurde besonders rege, als die Geschütze ihren ehernen Schlund zu rollenden Salut-schlägen öffneten. Einer von ihnen trug übrigens mit Stolz den Uniformrock eines Marineoberstabsarztes. Am Nachmittage fanden an einem Platz nahe der Regie-rungsstation unter zahlreicher Beteiligung der Eingebo-renen die Festtänze statt, die sich über den ganzen Nach-mittag bis zum Abend hinzogen. Es handelte sich wiede-rum um Sitztänze, wie ich sie ähnlich in Samoa und we-nige Tage vorher auch auf den Mortlock-Inseln gesehen hatte. Übrigens zeigte es sich, daß die Leute, sobald sich die Geister etwas erhitzten, auch zu Obszönitäten bei solchen Vorführungen neigten.«


Der Große Kreuzer Gneisenau liegt in der zweiten Juli-woche 1914 vor Truk und setzt die bereits vor Jahren von dem Kleinen Kreuzer Cormoran begonnene Arbeit fort, ein den Hafen beträchtlich beengendes Felsenriff weg-zusprengen. Von früh bis spät sind die beiden Taucher des Kriegsschiffes an der Arbeit für die Sprengungen.