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Emma Kolbe

Emma Eliza wird 1850 auf Samoa geboren. Ihr amerika-nischer Vater Jonas Myndersse Coe war 1837 als Wal-fänger nach Samoa gekommen und hatte dort eine Prin-zessin geheiratet. Emma besucht eine katholische Missi-onsschule in Apia, bevor sie 1864 einen fünfmonatigen Ausbildungsaufenthalt in San Francisco verbringt. Zu-rück auf Samoa heiratet sie den Schiffskapitän James Forsayth. Dieser stirbt jedoch bald darauf infolge eines Schiffsunglücks im Chinesischen Meer.

1878 heiratet Emma den australischen Kapitän und Abenteurer James Farrell. Gemeinsam mit Farrell ver-läßt sie ihre Heimat Samoa und zieht nach Mioko, eine kleine Insel in der Duke-of-York-Inselgruppe, die im sel-ben Jahr de facto unter deutsches Protektorat kommt. Mioko wird Ausgangspunkt einer rasanten wirtschaft-lichen Expansion des Ehepaares Farrell.

Als 1884 die Inselgruppe Bestandteil der Kolonie Deutsch Neuguinea wird und nun Neulauenburg heißt, stellt der dortige Kolonialbeamte Gustav von Oertzen zu seinem Erstaunen fest, daß der größte Teil des frucht-baren Landes bereits im Besitz einer gewissen Emma Forsayth-Coe ist, die wegen ihres enormen Landbesitzes Queen Emma genannt wird.

Ihre Schwester Phoebe heiratet auf Samoa den Deut-schen Richard Parkinson, welcher 1882 die Leitung der Firmen des Ehepaares Farrell übernimmt. 1888 stirbt Emmas Mann James Farrell und Emma führt nun seine Firma unter ihren Vornamen Emma Eliza und dem Namen ihres ersten Ehemannes als E. E. Forsayth weiter. 1893 heiratet Queen Emma den Deutschen Paul Kolbe, der zu der Zeit Stationsvorsteher für den Bezirk Bis-marckarchipel und die Salomoninseln ist.

Bis 1907 baut Emma ihre Besitztümer in Deutsch Neu-guinea weiter aus. Sie gehört zu den wohlhabendsten, aber auch skandalösesten Unternehmerinnen. Auch zu Wilhelm Solf, dem liberalen Gouverneur von Samoa, ihrer Heimatinseln, die auch deutsche Kolonie sind, unterhält sie gute Verbindungen.

Richard Parkinson ist mittlerweile Forscher geworden und bereist die deutsche Inselwelt im Pazifik. Er hat sich mit seiner Frau in Maulapao an der Blanche-Bucht ange-siedelt, nur wenige Kilometer vom Anwesen von Emma entfernt. In Maulapao gibt es auch eine Privatschule für die weißen und die vielen Mischlingskinder vom Per-sonal von Emmas Firma. 1907 gibt Parkinson sein Werk Dreißig Jahre in der Südsee. Land und Leute, Sitten und Gebräuche im Bismarckarchipel und auf den deutschen Salomoinseln heraus.

Um 1900 ist Emma Kolbe der Mittelpunkt der feinen Gesellschaft in der Südsee. Ihre Schönheit, ihr lässiger Lebenswandel und ihr Reichtum machen sie zur Be-rühmtheit und zum Anziehungspunkt der deutschen Herren der Südseewelt. Emma hat denn auch noch viele ihrer Schwestern und Nichten mit nach Herbertshöhe gebracht, seit 1899 Hauptstadt von Deutsch Neuguinea. Diese schönen Samoanerinnen mit ihrer freizügigen Kultur ziehen die deutschen Junggesellen und Stroh-witwer unwiderstehlich an, die ansonsten wenig weib-lichen Umgang haben. Der Unterschied zwischen den Frauen der brutalen Steinzeitwelt der Eingeborenen der Inseln von Neuguinea und den kulturell hochstehenden Schönheiten von Samoa kann kaum größer sein.

Emma läßt sich mit Gunantambu bei Herbertshöhe ein luxuriöses Anwesen errichten, umgeben von den Bun-galows ihrer zahlreichen Verwandten. Einer ihrer Gäste beschreibt einen Auftritt von Emma bei einem ihrer Empfänge: »Queen Emma hatte eine hinreißende Figur. Sie trug ein kostbares Kleid aus weißem Satin und eine Schleppe, die von einem halben Dutzend hübscher Mädchen getragen wurde, als sie die große Treppe zum Park herunterkam. Eine kleine, mit Diamanten besetzte Krone blitzte in ihrem Haar.«

Emma ist auch Präsidentin des europäischen Tennis-clubs, was ihre außergewöhnliche Stellung in der wei-ßen Kolonialgesellschaft beweist. Auserwählt ist, wer von ihr am Wochenende auf die etwa 30 Kilometer von Herbertshöhe entfernt gelegene Insel Mioko eingela-den ist an ihrem Swimmingpool dort Gast zu sein. 

1910 verkauft Emma Kolbe ihre gesamten Anteile an Plantagen für eine Million US-Dollar an die Hamburgi-sche Südsee Aktien Gesellschaft. Von einem Teil dieses Vermögens erwirbt sie ein Appartement in Monte Carlo.

Als ihr Ehemann Paul in Monte Carlo an einem Herz-leiden erkrankt, reist sie sofort nach Monte Carlo, wo er in ihren Armen stirbt. Zwei Tage später, am 21. Juli 1913, stirbt sie selbst in Monte Carlo. Emma Kolbe wird in Bremen eingeäschert und ihre Urne wird nach Deutsch Neuguinea überführt, wo sie in ihrer Residenz Gunan-tambu beigesetzt wird.