Wie in deutschen Landen kleine Wirtshäuser Namen wie »Zum goldenen Apfel oder »Zur Weintraube« tra-gen, so gibt es in der Südsee verschiedene »Restaurants zur Kokosnuß«. »Restaurant« auch dann, wenn es nur eine niedrige, aus Bierkistenbrettern zusammengezim-merte Bude mit Palmendach ist.
Ein typisches Beispiel ist die »Kokosnuß« auf Jap in den Westkarolinen. Eine Szene aus dieser Kneipe aus dem Jahre 1912 veranschaulicht das abendliche Leben vieler Südseemänner. Am Stammtisch werden die Neuigkeiten aus der Welt von der Kabelstation auf Jap besprochen, die Koprageschäfte sind Gesprächsthema und die son-stigen Erlebnisse auf der Insel. Immer wieder rufen die Gäste: „Monkey, make him Bier open!“ Das heißt, der kleine schwarze Kellner soll eine Bierflasche von dem dicken Exportbier öffnen. Die drei ›Monkeys‹ der »Kokos-nuß« sitzen im Hintergrund um einen großen Bottich mit einer kühlenden Sodamischung und drehen in dieser Ersatzeisfabrik unaufhörlich Bierflaschen herum. Auf den Ruf „Make him Bier open!“ schraubt der kleine, auf dem Fußboden sitzende Kanaker den Korkenzieher in die Flasche, klemmt sie zwischen seine Füße – klack, ist der Propfen draußen.
Rums – gibt es einen Krach. Einer der Stammgäste, ein ganz langer, verknöcherter und sehr wortkarger Mann ist unter den Tisch gefallen.
„Macht nischt, macht nischt,“ sagt der Wirt einem neuen, ob des Ereignisses erschreckten Gast, „passiert alle Tage,“ und stellt das umgekippte Bierglas wieder hin.
Um die unter dem Tisch liegende Bierleiche bemühen sich zwei Monkeys, die bis dahin schweigend hinter ihrem durstigen Master gesessen hatten. Der eine stülpt sich den viel zu großen Tropenhelm seines Herrn auf, der andere nimmt dessen Stock unter den Arm, und dann tragen sie den Master am Kopf und an den Füßen heimwärts, die Hände schleifen über den weißen Sand, alles gut eingeübt.
Am Stammtisch geht die Unterhaltung weiter. „Ja, ja, getrunken wird in der Südsee eine ganze Menge, kein Wunder bei der Hitze ’s ganze Jahr hindurch. Feines Geschäft!“ fügt der Gast zum Wirt gesagt hinzu.
Aber der Wirt der »Kokosnuß« antwortet: „Nicht mehr so gut wie früher, längst nicht mehr das! Früher, wissen Sie – wie hier noch keiner Bier trank, nur Genever, silberklaren Genever!“
Mit der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse im Pazi-fik nimmt die Zahl der fremden Auswechlungspost-ämter für Postpakete schnell zu. So findet unmittelbarer Paketaustausch zwischen Deutsch Neuguinea und Tand-jong Priok auf Java seit 1894 statt. Mit den deutschen Postämtern in Schanghai und Tientsin durch Vermitt-lung der Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd über die Lloydagentur in Singapur, seit 1899 mit Aden und Port Tawfik am Suezkanal, seit 1900 mit Colombo/Ceylon, seit 1902 mit Aden für Pakete nach den Ver-einigten Staaten von Amerika, seit 1905 mit Sydney usw.
Nach seinem Ausbau erfreut sich der Postpaketverkehr wegen der verhältnismäßig kurzen Beförderungsdauer der Pakete und der niedrigen Gebühren allgemeiner Beliebtheit. Auch die Zollabfertigung geht ohne büro-kratische Hemmnisse vor sich. Von der Möglichkeit, billige ausländische Waren unmittelbar aus dem Her-stellungslande zu beziehen, wird ausgiebig Gebrauch gemacht. So läßt man sich ägyptische Zigaretten über Port Tawfik aus Suez oder Alexandrien schicken, die billigen Philippinenzigarren aus Manila, den berühmten Burentabak von Magaliesberg aus Transvaal, chinesi-sche Seide aus Schanghai oder Hongkong. Die Damen beziehen ihre Kleider und Hüte nach der neuesten Mode aus Sydney.
Zum Schutz des Fischbestandes wird das Dynamitfi-schen in der Kolonie verboten. Laut Verordnung des Gouverneurs von 1. Dezember 1904, Paragraph 1, Absatz 1 wird »mit Gefängnis bis zu 3 Monaten bestraft«, sollte jemand »unter Anwendung von Sprengstoffen fischen«.
Das Überwachen dieser Verordnung ist in der endlosen Inselwelt von Deutsch Neuguinea in der Praxis unmög-lich und so hält sich kein Europäer an die Verordnung, erst recht nicht, wenn er auf irgendeiner abgelegenen Insel hauptsächlich von Fisch lebt. Aber auch etwa der in Rabaul stationierte Kreuzer Cormoran fischt mittels Dynamit für die Versorgung der Besatzung mit Fisch. Der Kreuzer hat zwar ein großes Fischnetz an Bord, und unter den Matrosen sind auch einige Berufsfischer, aber das Netz erweist sich für tropische Verhältnisse als un-geeignet, bleibt an den zackigen Korallen hängen und zerreißt. Paul Ebert, von 1911 bis 1913 Kommandant der Cormoran, über das Dynamitfischen: »Ein Kundiger kann es auch vermeiden, hierbei unnütz junge Brut zu töten, da die Fische meist in Schwärmen gleicher Größe aufzutreten pflegen. Es erfordert einiges Geschick die entzündete Patrone rechtzeitig ins Wasser zu werfen, und tatsächlich kommen häufiger Unglücksfälle dabei vor. Aber unter den farbigen Hausjungen der Ansiedler waren immer einige, die große Übung darin besaßen, und durch solche ließ ich gelegentlich für unsere Be-satzung eine hochwillkommene Fischmahlzeit beschaf-fen.«
Für den Dienstverkehr zur See des Gouverneurs dient seit 1903 die in Stettin bei der Werft Stettiner Vulkan erbaute 62 m-Yacht Seestern. Seit dem 3. Juni 1909 ist die Seestern nach ihrer Ausreise von Brisbane in Aus-tralien, wo Reparaturen vorgenommen worden waren, verschollen. Aufgrund der schlechten Kommunika-tionsverbindungen – die Seestern besitzt keine Funkan-lage und Rabaul ist nicht an das Telegraphenkabelnetz angeschlossen – wird der Dampfer erst im Juli von den deutschen Behörden vermißt. An der Suche nach der Seestern sind unter anderem das Vermessungsschiff Planet und der Kleine Kreuzer Condor sowie australi-sche Schiffe beteiligt. Am 25. August 1909 trifft die Condor nach 18-tägiger Suche nach der verschollenen Yacht in Brisbane ein und die Suche wird endgültig auf-gegeben. Es werden niemals Wrackteile oder irgend-welche anderen Hinweise auf das Verschwinden der Seestern gefunden.
Als Ersatz für die verschollene Seestern wird von der Werft Bremer Vulkan in Vegesack die Komet gebaut. Sie erreicht im August 1911 Rabaul. Die stattliche 69 m-Regierungsyacht hat Wohnräume für den Gouverneur und seine Begleitung. Die Besatzung besteht aus einer farbigen Mannschaft, während die Offiziere vom Nord-deutschen Lloyd zur Verfügung gestellt werden.