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Wirtschaft

Das Haupterzeugnis der Wirtschaft von Deutsch Neu-guinea ist Kopra. Kopra wird aus den Früchten der Kokospalme gewonnen. Die reife grüne Kokosnuß wird geschält, ihr brauner Kern wird aufgebrochen und das weiße Fruchtfleisch wird getrocknet. Aus dem getrock-neten Fruchtfleisch wird in Europa durch auspressen Öl gewonnen. An der Sonne getrocknete Kopra gilt als die wertvollste, weil sie den höchsten Ölanteil hat. An zwei-ter Stelle kommt die unter Hallendächern durch das aus der äußeren Schale der Kokosnuß gewonnene Brenn-material durch Feuer getrocknete Kopra. Die minder-wertigste und billigste Kopra ist die Handelskopra. Sie wird von Aufkäufern den Einheimischen mit Geld oder Tauschwaren abgehandelt und ist durch die unsachge-mäße Behandlung der Eingeborenen verschmutzt und am wenigsten ölhaltig.

Um den Kopraexport zu steigern wird auf Anordnung des Gouverneurs jedem Dorf der Besitz einer bestimm-ten Anzahl von Kokospalmen auferlegt und wenn zu-wenig festgestellt werden muß entsprechend nachge-pflanzt werden.

An weiteren Handelswaren gibt es Schildpatt, Perlmut-ter und Trepang. Schildpatt sind die Rückenschilde bestimmter Schildkrötenarten, die im Kunsthandwerk Verwendung finden. Perlmutt ist eine innere glänzende Schicht mancher Muschelarten und wird im Kunst-handwerk in Europa verarbeitet. Das Zentrum für die Perlmuttverarbeitung in Deutschland ist Frankenhau-sen in Thüringen. Trepang sind Seegurken, die über den Meeresboden kriechen und aus dem Sand Algen und Kleinstlebewesen filtern. Sie werden als begehrte Leckerbissen nach China verkauft.


Die Plantage ist die landwirtschaftliche Fabrik in den Tropen. Angeworbene Arbeiter für die Plantagen sind meistenteils in Kolonnen auf einer Plantage tätig. Ihre Hauptarbeit besteht in der Pflege der Anpflanzungen, das heißt Unkraut jäten. Das tropische Klima läßt alles schnell wachsen und so müssen die Nutzpflanzen vor dem sonstigen sprießendem Grün geschützt werden.

Der Tagesablauf auf einer Plantage läßt sich gut nach-vollziehen anhand einer Auflistung der Arbeiter und ihrer Tätigkeiten auf einer Plantage der Neuguinea-Kompagnie auf der Insel Witu im Bismarck-Archipel am 2. Juli 1908:

Um 5.30 Uhr ein langgezogener, dumpfer Ton mit der Triton-Schnecke. Rund 140 verschlafene Arbeiter ver-sammeln sich auf dem Appellplatz vor dem Stations-gebäude. Plantagenassistent Karl Viehweg teilt die Ar-beiten ein.

Aufseher Li Kau erhält 11 Arbeiter, Ab Him 6, Lom Tag 8, Ab Sing 7, Tscham Fat 8. Die Aufseher sind meistens Chinesen, die Arbeiter sind angeworbene Einheimische. Diese fünf Arbeitsgruppen sind angesetzt für Boots-reparatur, Bau von Haus, Schweinestall und Brücke; Feuerholz holen.

Zum Unkrauthacken in den Plantagen: 37 Arbeiter, 5 Weiber. Gras in der Kokospalmenplantage mit Hau-messer abschlagen: 6 Arbeiter, 10 Weiber. Kopra aus den Nüssen herausschälen: 10 Arbeiter, 6 Weiber. Dampfer Siar entladen, dann Baumscheiben – das un-mittelbare Umfeld eines Stammes – von Kokospalmen reinigen: 11 Arbeiter. Großes Boot zur Fahrt nach Lama; Wellblechplatten für Haus mitnehmen: 7 Arbeiter. Mittagessen kochen: 5 Köche.

Weiter finden sich an Meldungen:

Krank: Katambang, Mariga, Tomaing

Entlassen: Marangas wegen unheilbarer Krankheit in seine Heimat entlassen, wird von der Siar mitgenom-men, die seit gestern im Hafen liegt.

Kaloga Kontrakt beendet

Triwaro  Kontrakt beendet     

Gestorben: Kasaik, vermutlich an Blasenlähmung?

Urlaub: Gau, Wagalli. Beide zum Totenfest nach Bururu

Sonstiges: Nemi kam nicht zum Antreten; Lohn abziehen

Ariol und Mariga erhalten je ein neues Haumesser

Iwalicki beschwert sich über Waringlei, der ihn geschlagen hatte.


Die Entwicklung der Plantagenwirtschaft durch die Weißen läßt sich an den entsprechenden Zahlen ablesen. Die Nachfrage nach Land für Plantagen steigt. Sind 1911 162.500 ha Pflanzungsareal, so sind es 1912 171.000 ha und 1913 185.000 ha. Bei der Abgabe von Land wird von der Kolonialverwaltung dafür gesorgt, daß genug Land für die einheimische Bevölkerung zur Verfügung bleibt.

Für Kopra sind am 1. Januar 1912 28.165 ha mit Kokos-palmen bestanden und am 1. Januar 1913 32.264 ha. Von dem Bestand von 1913 sind 12.289 ertragsfähig.

Trotz der wachsenden europäischen Plantagenwirt-schaft liefern die Einheimischen weiterhin den bei weitem größten Anteil an der Kopraproduktion. Andere Anbauprodukte sind in nur sehr geringen Mengen gepflanzt wie Kaffee, Sisal, Muskatnuß, Tabak, Lemon- und Zitronellgras. Erwähnenswert sind nur noch Kakao und Kautschuk als Anpflanzungen. Kakao ist 1913 mit 394 ha vertreten, wovon 205 ha im Ertrag stehen und bei Kautschukgewächsen sind 1913 1597 ha angebaut mit 937 ha im Ertrag. Aber bei allen Kulturen ist eine beständige Steigerung der Anbauflächen zu beobachten. Diese Einseitigkeit auf die Kokospalme als Monokultur ist natürlich eine Gefahr für die Wirtschaft von Deutsch Neuguinea und deshalb hat man im Oktober 1911 einen landwirtschaftlichen Sachverständigen angestellt als Leiter des Versuchsgartens in Rabaul, der für eine größere Vielfalt der pflanzlichen Produktion sorgen soll und in seinen ersten Berichten bereits viel Wichtiges und Wertvolles in dieser Richtung geleistet hat.

Bei der Nutzung der Urwälder sind noch Möglichkeiten für die Holzwirtschaft und den Export. Viehzucht für den Export oder für den einheimischen Markt existiert praktisch nicht bis auf die Schweinezucht der Einheimi-schen für den Eigenbedarf. Viehzucht wird von den Pflanzungen und Ansiedlern nebenher betrieben, aber neuerdings mit wachsendem Erfolg. Der Viehbestand in Deutsch Neuguinea ergab nach der Zählung von 1913 2706 Schweine, 2572 Stück Rindvieh, 175 Wasserbüffel, 471 Pferde, 17 Esel, 6 Maultiere, 891 Schafe, 556 Ziegen und 15.019 Stück Federvieh.

1911 werden Schildplatt, Perlmutterschalen und ähn-liches und Muscheln für 313.800 Mark ausgeführt und 1912 für 182.000 Mark. Paradiesvogelbälge wurden 1911 8779 Stück für 278.000 Mark ausgeführt und 1912 9840 für 449.000 Mark. Seit nun die Paradiesvogeljagd für eineinhalb Jahre verboten ist zum Schutz der Vögel fällt dieser Posten für den Außenhandel zunächst weg und damit auch die nicht unbeträchtlichen Einnahmen der Regierung daraus. Da aber nach den Berichten der 1913 zurückgekehrten Mitglieder der Kaiserin Augusta-strom-Expedition eine Gefahr für die Vernichtung der Paradiesvögel zur Zeit nicht besteht, dürfte die Jagd auf diese prachtvollen Vögel wohl bald wieder zugelassen werden.

Im Bereich Kaiser Wilhelmsland und Bismarck-Archi-pel ist der Bergbau noch ganz unentwickelt und in sei-nen Aussichten noch absolut nicht überschaubar. Gold wurde gefunden, aber 1912 ganze 65 Gramm für 1400 Mark ausgeführt. Im Eitapebezirk wurde Erdöl entdeckt. Zur Untersuchung der Erdölvorkommen im Kaiser Wilhelmsland hat der deutsche Reichstag im Frühjahr 1914 eine ansehnliche Summe bewilligt und eine Ver-fügung des Reichskanzlers vom 26. Februar 1914 hat dem Landesfiskus des Schutzgebietes Sonderberechti-gung zum ausschließlichen Schürfen und Bergbau auf Bitumen im festen, flüssigen und gasförmigen Zustande erteilt.    

Der Phosphatabbau im Inselgebiet ist der größte Wert im Außenhandel Deutsch Neuguineas. 1910 178.000 t, 1911 133.000 t und 1912 193.000 t. Der Einbruch im Jahre 1911 lag an ungünstigen klimatischen Verhältnissen, die Schwierigkeiten der Trocknung und Verladung des Phosphats mit sich brachten. Der Bestand des in zigtausenden von Jahren abgelagerten Vogelkots, der nun als Phosphat abgebaut wird, wird 1913 auf Feis mit 300–600.000 t geschätzt, auf Angaur mit 1½ bis 2½ Millionen t und auf Nauru wird die alte Schätzung von 42 Millionen Tonnen nun als viel zu niedrig angesehen. So wird also der Phosphatabbau noch auf Jahrzehnte zur Ausfuhr aus der Kolonie beitragen, aber der Wert der Kopraausfuhr von den sich ausbreitenden Kokosplan-tagen beginnt schon den Wert der Phosphatausfuhr zu übersteigen. 

Bei der Einfuhr ist Tabak bemerkenswert. Werden 1911 Tabakwaren im Wert von 149.000 Mark eingeführt, so sind es 1912 schon Tabakwaren im Wert von 392.000 Mark.

Ein- und Ausfuhr Deutsch Neuguineas 1901-1912 in Mark

                              Einfuhr              Ausfuhr

1901                     2.879.000          2.562.000

1902                     3.276.000          2.085.000

1903                     4.265.000          2.499.000

1904                     3.480.000         2.247.000

1905                     5.471.000          2.369.000

1906                     5.492.000          2.615.000

1907                     5.720.000          3.470.000

1908                    5.090.000          6.053.000

1909                     6.461.000          8.328.000

1910                     5.929.000        14.665.000

1911                      8.015.000        12.026.000

1912                     9.207.000        12.087.000


Der Völkerkundler Karl Sapper schreibt über das Geld-wesen in Deutsch Neuguinea: »Als Geld dient zur Zeit [1914] im öffentlichen Verkehr nur noch das deutsche Geld, nachdem die schönen Münzen der Neu-Guinea-Compagnie seit 1909 außer Kurs gesetzt sind und auch an den öffentlichen Kassen seit dem 15. April 1914 nicht mehr angenommen oder umgetauscht werden. Das treffliche, freilich in den verschiedenen Landschaften recht verschiedene Eingeborenengeld (Muschelgeld, Hunde-, Schweine-, Opossum-Zähne, Steingeld usw.) ist für Europäer verboten (durch Verordnung vom 30. Mai 1913; jedoch ist die Verwendung von Hundezähnen als Geld in Kaiserwilhelmsland und auf den Admiralitäts-inseln noch bis zum 1. April 1915 gestattet, Amtsblatt 1913, Seiten 255 und 267). Leider scheinen diesem für das Wirtschaftsleben der Eingeborenen zweifellos sehr ein-schneidenden Verbot keine eingehenden ethnologi-schen Untersuchungen über dessen mögliche Rückwir-kung auf die Eingeborenen vorausgegangen zu sein, da in der Diskussion in der Gouvernementsrats-Sitzung vom 13. November 1913 nur der Standpunkt der Euro-päer genauer ventiliert worden ist…

Am Anfang des Jahres 1913 war sogar darüber beraten worden, ob nicht der Gebrauch des Muschelgeldes auch zwischen den Eingeborenen verboten werden sollte, desgleichen auch die Fahrt nach Nakanai (Neupom-mern), wo die Eingeborenen die als Ausgangsmaterial für Herstellung gewisser Muschelgeldsorten dienenden Muscheln zu fischen pflegen. Hoffentlich wird aber eine so schwerwiegende und zudem schwer durchzuführen-de Maßregel nicht ohne Not zum Beschluß erhoben!«