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Kriegsmarine

Zu der einheimischen Polizeitruppe von 600 Mann Poli-zeisoldaten für die Sicherung der Kolonie im Inneren kommen die Kriegsschiffe der Australischen Station der deutschen Marine hinzu. Die Australische Station um-faßt das Seegebiet von Australien und die Südsee. Die Kriegsschiffe der Australstation sind also nicht nur für Deutsch Neuguinea zuständig, sondern auch für die deutsche Kolonie Samoa weit im Osten von Deutsch Neuguinea und für politische und repräsentative Auf-gaben im Westpazifik allgemein. Wenn notwendig können die Schiffe der Australischen Station unterstützt werden von Schiffen des Ostasiatischen Geschwaders in Tsingtau. Hauptsächlich das australische Sydney, und mit dem Ausbau des deutschen Hafens von Tsingtau vermehrt auch Tsingtau, werden für Wartungs- und Reparaturarbeiten der Schiffe der Australischen Station genutzt. Sydney ist auch der Hafen für die jährliche Ablösung jeweils der Hälfte der Besatzungen der Schiffe der Australstation. Die Ablösung von 1913 beschreibt der nun scheidende Kommandant von SMS Cormoran, Paul Ebert: »Mit dem Lloyddampfer Roon trat ich Mitte April die Rückreise an. Halb Sydney schien sich an Bord eingefunden zu haben, um scheidenden Freunden das Geleit zu geben. Am Kai spielte die Kapelle unseres Vermessungsschiffes Planet die Abschiedsweise ›Muß i denn …‹ ein letzter Gruß aus der unvergeßlichen Süd-see.«

In der Regel sind ein bis zwei Kolonialkriegsschiffe auf der Australischen Station, also Schiffe, die für einen Seekrieg praktisch nicht zu gebrauchen sind, sondern nur zum Beeindrucken von Eingeborenen und für die Niederschlagung von Aufständen von Einheimischen. Als Heimathafen der Australstation dient der Hafen der Insel Matupi in der Blanche-Bucht, in der schließlich auch Rabaul gebaut wird. Auf Matupi hat das Handels-haus Hernsheim & Co. seine Hauptniederlassung in der Südsee. Das Handelshaus hat vor Ort Warenlager und ein Kohlenlager, welche die Kriegsschiffe für ihre Be-kohlung und Versorgung nutzen.

Als Stationsschiffe der Australstation dienen Kreuzer, die in der ersten Hälfte der 1890er Jahre speziell für den Auslandseinsatz gebaut wurden. Es sind Dampfschiffe, die aber auch mit einer Besegelung ausgestattet sind, zur Schonung der Kohlenvorräte, insbesondere bei den riesigen Entfernungen im Pazifik. Diese Schiffe führen nicht nur die übliche Geschützbewaffnung, sondern haben als Auslandskreuzer auch genug Besatzung an Bord für militärische Landungsunternehmen, also für Infanterieeinsätze an Land.

Anfang 1900 sind zwei Kreuzer auf der Australstation vertreten, die Seeadler und die Cormoran. Im Juli 1900 wird aber die Seeadler wegen des Boxeraufstandes in China nach China abgezogen und kehrt nicht mehr zur Australstation zurück, sodaß nun nur noch ein Kriegs-schiff auf der Australstation verbleibt. 1903 löst die Con-dor die Cormoran als Stationsschiff auf der Austral-station ab.

Unter ungünstigen Umständen wäre die Cormoran bereits 1899 auf dem Wirbelwind-Riff, 60 Seemeilen westlich der Witu-Inseln im Bismarck-Archipel, verlo-rengegangen. In der Nacht vom 23. zum 24. März 1899 läuft der Kreuzer bis zur Schiffsmitte auf das Riff auf und der Bug ragt einen Meter aus dem Wasser. Da das Schiff durch Umstauen von Kohle und Munition nicht losge-bracht werden kann, wird die Dampfpinasse mit einem Beiboot mit Kohleladung im Schlepp, zur Versorgung der Dampfmaschine der Pinasse, mit 13 Mann losge-schickt, um im 162 Seemeilen entfernten Friedrich-Wilhelmshafen Hilfe zu holen. Nach 50 Stunden Fahrt erreicht die Pinasse Friedrich-Wilhelmshafen und trifft dort wie erwartet auf den Reichspostdampfer Stettin. Die Stettin geht sofort auf Fahrt zur Cormoran. Der Kommandant der Cormoran rechnet aber mit der Möglichkeit, daß die Dampfpinasse auf See verschollen geht und muß auch das Einsetzen von schlechtem Wetter befürchten, welches sein Schiff auf dem Riff zerschlagen würde, und versucht mit eigenen Mittel sein Schiff zu retten. Alles Entbehrliche sowie Munition und Kohlen werden auf das Riff umgeladen oder über Bord geworfen. Die Geschütze werden in das Achter-schiff transportiert und Fock- und Großmast gekappt. Durch diese Maßnahmen schwimmt der Kreuzer frei.

Am 29. März 1899 trifft die Stettin am Unglücksort ein und nach Anbordnahme des noch Auffindbaren und des an Land verlagerten Materials treten beide Schiffe die Fahrt nach Friedrich-Wilhelmshafen an. Dort erweist sich, daß der Rumpf des Kriegsschiffes nur geringe Schäden davongetragen hat, die in Sydney repariert werden.


Im Oktober 1906 kommt das Vermessungsschiff Planet der Kaiserlichen Marine von Deutschland kommend im Bismarck-Archipel an, seiner zukünftigen Hauptwir-kungsstätte. In der pazifischen Inselwelt ist dieses 1905 gebaute Spezialschiff für alle möglichen wissenschaftli-chen Messungen zuständig, die wichtig für die Siche-rung der militärischen und zivilen Schiffahrt sind. Die Forschungsarbeiten des Schiffes werden von den Offi-zieren der Besatzung selbst durchgeführt, die dafür in Deutschland eine besondere Ausbildung erhalten ha-ben. Zudem wird die Planet von der Kolonialverwaltung Deutsch Neuguineas auch zu anderweitigen Zwecken, hauptsächlich Transportaufgaben, eingesetzt.

Die Planet ersetzt das alte 1879 gebaute Kanonenboot Möwe, welches aber seit 1895 hauptsächlich als Ver-messungsschiff in der deutschen Südsee im Einsatz war. Im August 1905 geht die nun seit 25 Jahren im Tropen-einsatz befindliche Möwe von ihrem Hauptstützpunkt Matupi nach Tsingtau, wo der verbrauchte Schiffs-körper noch als Hulk Verwendung findet.


Der Kreuzer Cormoran wird nach einer Grundüber-holung erneut zur Australstation beordert und ist seit 1909 wieder in Deutsch Neuguinea und Samoa einge-setzt.

Am ebenfalls in der Südsee eingesetzten Kreuzer Con-dor wird während einer im Mai 1913 durchgeführten Reparatur in Tsingtau die inzwischen starke Abnutzung des Rumpfes festgestellt. Die Condor erhält daher im November 1913 den Heimreisebefehl.

Auch die Cormoran muß nach fünf Jahren Einsatz in den Tropen des Pazifiks wieder in Grundreparatur und trifft dafür am 30. Mai 1914 in Tsingtau ein für eine monatelange Instandsetzung.

Das Schwesterschiff Geier von Condor und Cormoran war auf der Ostafrikanischen Station eingesetzt und begibt sich nach seiner Ablösung durch den modernen Kleinen Kreuzer Königsberg am 12. Juni 1914 von Daressalam, der Hauptstadt von Deutsch Ostafrika, auf die Fahrt nach Deutsch Neuguinea, wo die von ihr abzulösende Condor bereits im November 1913 die Heimreise angetreten hat. Ende Juli 1914 wird die Geier noch in Singapur bekohlt und versorgt, vor ihrer Weiterfahrt nach Deutsch Neuguinea.

Geier, Cormoran und Condor sind mittlerweile völlig veraltet und werden auch 1913/14 von Kleinen Kreuzern zu Kanonenbooten umklassifiziert, also deutlich herun-tergestuft in ihrer Eigenschaft als Kriegsschiffe.

Polizeiliche oder militärische Einsätze sieht man auch kaum noch als gegeben an in den Schutzgebieten Neu-guinea und Samoa und so werden diese Kriegsschiffe ab 1912 verstärkt zur Küstenvermessung der deutschen Kolonien eingesetzt, weshalb das Vermessungspersonal aufgestockt wird.

Im Februar 1914 gibt es zwar noch einen Einsatz der Cormoran in ihrer Rolle als Kriegsschiff, aber dabei handelt sich um die Beendigung von Stammesfehden auf der Salomonen-Insel Bougainville.

Die deutsche Kriegsmarine richtet sich auf die Gege-benheiten ein und verstärkt weiter ihre Aktivitäten in der Vermessung der Gewässer zum Nutzen der Schif-fahrt. So wird 1913 auf der reichseigenen Werft in Tsingtau das Peilboot III für Vermessungs- und Trans-portaufgaben der Kaiserlichen Marine in der Kolonie Deutsch Neuguinea gebaut und am 13. April 1914 von der Marine der Australstation zugewiesen. Ende Mai 1914 geht das Peilboot III in Jap in den Karolinen in Dienst. Auch das Peilboot IV wird 1914 in Tsingtau für Vermessungs- und Transportaufgaben der Marine in Deutsch Neuguinea gebaut.