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Die Internationale Niederlassung in Schanghai

Der Stadtrat (Municipal Council) der internationalen Niederlassung wird von Weißen gewählt und gestellt. Der überwältigende Mehrheit der Bewohner sind aber Chinesen.

Die höchste Rechtssprechung in Schanghai wird vom Mixed Court ausgesprochen, der einen Chinesen als Vorsitzenden hat mit zwei chinesischen Assistenten und einem ausländischen Beisitzer, der abwechselnd vom US-amerikanischen, britischen und deutschen Konsulat gestellt wird. Mit der Revolution in China 1911 wird der Mixed Court vertragswidrig von den Konsuln voll-ständig zu einem ausländischen Gericht in Schanghai verwandelt.


Am 20. November 1905 kommt der deutsche Marine-offizier Kapitänleutnant Moritz Deimling bei Unruhen in Schanghai ums Leben. Mitte Dezember 1905 brechen dann die größten Unruhen seit Bestehen des Settle-ments gegen die Weißen aus. Daraufhin landen die gerade vor der Stadt liegenden Kriegsschiffe, drei briti-sche Kreuzer, ein italienischer Kreuzer und das Fluß-kanonenboot Vaterland, Truppen. Sie sollen die Polizei in der internationalen Niederlassung unterstützen.

Die wichtigsten Straßenkreuzungen und die Konsulate werden zu deren Schutz besetzt. Die Matrosen der Vaterland sichern den Häuserblock um das deutsche Generalkonsulat, die übrigen öffentlichen deutschen Gebäude, das russische Konsulat sowie die deutsche und die russische Bank.

Italienische Matrosen geben eine Salve auf Aufständi-sche in einer Hauptgeschäftsstraße im Internationalen Settlement ab, wobei mehrere Chinesen ums Leben kommen und damit ist die Ruhe in der Stadt wieder hergestellt. Hauptsächlich Sachschäden an Einrichtun-gen der Kolonialmächte sind entstanden, die von der chinesischen Verwaltung zu begleichen sind.

Der Chef des Kreuzergeschwaders, Konteradmiral Alfred Breusing, schreibt in einem Bericht über die Unruhen in Schanghai: »Zu Thätlichkeiten ist es nur am 18. Dezember gekommen, wobei einige indische und chinesische Polizisten getötet, eine Polizeistation demo-liert, einige Automobile, Fenster und etwas Privatei-gentum zertrümmert, und einige Europäer verprügelt oder mit Steinen beworfen wurden. Unsere Leute haben nicht nöthig gehabt, von der Waffe gebrauch zu ma-chen.« 

Daß von deutscher Seite nur das Flußkanonenboot Vaterland vor Ort war, lag daran, daß der eigentliche Stationär in Schanghai, das Kanonenboot Tiger, gerade auf einer Sondermission nach Korea unterwegs war und die Vaterland solange die Tiger ersetzte.

Als es im Juli 1913 in Schanghai zu Kämpfen zwischen chinesischen Regierungstruppen und Revolutionären kommt, setzen die Kriegsschiffe Iltis und Nürnberg Landungskorps in der Stadt ab zum Schutz der Inter-nationalen Niederlassung. Die Masse des deutschen Ostasiengeschwaders befindet sich gerade in der Süd-see, sammelt sich und geht nach Schanghai. Am 30. Juli erreicht das Geschwader die Yangtsemündung. Da die Zweite Revolution aber schnell an Boden verliert, be-ruhigt sich die Lage wieder.