Die wissenschaftliche Erforschung des Landes ist weit vorangekommen. Von allen Teilen des Schutzgebietes liegt eine Fülle von Kartenmaterial vor. Von allen ver-schiedenen Wissenschaften sind Untersuchungen in der Kolonie durchgeführt worden. Neben den Expe-ditionsreisen zur Erforschung von Land und Völkern Deutsch Ostafrikas gibt es in der Kolonie selbst wissen-schaftliche Einrichtungen. Das biologisch-landwirt- schaftliche Institut mit botanischem Garten in Amani ist ein Institut von Weltruf und leistet auf den Gebieten Botanik, Biologie und Entomologie/Insektenkunde her-vorragendes.
Besonders auch die Erforschung und Bekämpfung der Vieh- und Menschenseuchen ist äußerst erfolgreich. Für den Aufenthalt der Weißen im Schutzgebiet ist deren Sicherung vor Tropenkrankheiten von ausschlag-gebender Bedeutung und dafür müssen diese Krank-heiten aus der farbigen Bevölkerung beseitigt werden, weshalb die Seuchenbekämpfung auch im höchsten Maße der einheimischen Bevölkerung zugute kommt. Auf dem gesamten Gebiet der Gesundheitsversorgung ist Deutsch Ostafrika auch aufgrund der weit vor allen anderen Ländern liegenden deutschen Tropenmedizin allen umliegenden Kolonien auch durch das gute Zusammenwirken von Verwaltung und Ärzteschaft um Längen voraus. Dazu gibt es in Daressalam ein Institut zur wissenschaftlichen Erforschung und Bekämpfung der Seuchen.
Die tödliche Schlafkrankheit war von Norden und Wes-ten um die Jahrhundertwende in die Kolonie einge-drungen und ist am Viktoriasee zum Aufhören gebracht und am Tanganjikasee ist ihre Auslöschung in abseh-barer Zeit zu erwarten. Die Pocken werden durch umfangreiche Schutzimpfungen ausgerottet. Auch die immer wieder eingeschleppte Pest konnte durch recht-zeitige Maßnahmen ausgerottet werden. Die Frambösie, eine übele Infektionskrankheit der Schwarzen, wird durch Salvarsan bekämpft, welches auch gegen die Syphilis angewandt wird. Die Bekämpfung der unter der schwarzen Bevölkerung grassierenden Wurmkrankheit ist erfolgreich. Die farbige Bevölkerung kann im stei- genden Maße deutsche Ärzte in Anspruch nehmen und in schweren Fällen Eingeborenen-Krankenhäuser, in leichten Fällen Polikliniken, unentgeldlich aufsuchen, die in vielen Teilen des Landes errichtet sind. Die Ma-laria ist in den europäischen Städten durch Sanierung der Stadtflächen und Drahtschutz der Gebäude zurück-gedrängt.
In den Hauptviehgebieten der Kolonie sind Veterinäre für die Überwachung, Verhütung und Bekämpfung der Viehkrankheiten und Viehseuchen angestellt. Die Tier-seuchen, wie die eingeschleppte Rinderpest, werden erfolgreich bekämpft. Das Veterinärinstitut in Mpapua ist für die wissenschaftlichen Arbeiten an den Tier-krankheiten verantwortlich und stellt Seren für ihre Heilung her.